Seit mehr als einer Woche sind die Corona-Neuinfektionszahlen auf den Kanaren bereits über dem kritischen Sieben-Tage-Wert von durchschnittlich 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner.

Das Auswärtige Amt hat trotzdem lange gezögert – erst am Mittwoch, 2. September, abends passierte es dann: Auch die  bei Touristen so beliebten Kanaren – Teneriffa, Fuerteventura, Gran Canaria, Lanzarote, La Palma, la Gomera und El Hierro – gelten nun als Corona-Risikogebiet und sind auf der entsprechenden Liste des Robert-Koch-Institutes (RKI) aufgeführt.

Ganz Spanien ist Corona-Risikogebiet

Damit ist ganz Spanien aus Sicht Deutschlands ein Corona-Risikogebiet. Es gilt eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für das Festland, die Kanaren und die Balearen mit der beliebtesten Insel der Deutschen Mallorca.

Für Urlauber hat die Einstufung Konsequenzen. Zum einen sagen viele Veranstalter wie Tui, Schauinsland und DER Touristik Reisen bis mindestens Mitte September ab. Und: Wer trotzdem nach Spanien fliegt oder wer schon dort ist und zurückkehrt, gilt als Reiserückkehrer aus einem Risikogebiet – mit den entsprechenden Verpflichtungen. Die Urlauber müssen einen Corona-Test machen lassen (in manchen Bundesländern sogar zwei) und in häusliche Quarantäne gehen, bis ein negatives Ergebnis vorliegt.

Wie ist die aktuelle Corona-Lage auf den einzelnen Kanarischen Inseln?

Die Neuinfektionszahlen auf den Kanaren liegen bereits seit mehr als einer Woche über dem kritischen Sieben-Tage-Wert von durchschnittlich 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner.

Zuletzt sind innerhalb von sieben Tagen auf den Kanaren insgesamt 2013 neue Coronafälle gemeldet worden, das macht eine Inzidenz von 93,48 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner – fast doppelt so viele wie der kritische RKI-Wert von 50. Das geht aus dem aktuellen Situationsbericht des spanischen Gesundheitsministeriums vom 2. September hervor.

Die Lage sieht aber nicht auf allen Inseln gleich schlecht aus. Besonders betroffen sind:

  • Gran Canaria
  • Lanzarote
  • El Hierro

Die Insel Gran Canaria ist die vom Coronavirus am stärksten betroffene, die Sieben-Tage-Inzidenz betrug dort am Montag mehr als 143. Dahinter folgt Lanzarote mit knapp 104. Aber auch kleinere Inseln sind inzwischen stark betroffen, auf El Hierro beträgt die kumulative Inzidenz 83.

Besser ist die Situation in Bezug auf die Infektionszahlen hier:

  • Teneriffa
  • Fuerteventura
  • La Palma
  • La Gomera

Auf diesen vier Inseln wurde der Risikowert von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner bisher noch nicht überschritten. Trotzdem gibt es hier keine Ausnahme, auch sie gelten nun als Risikogebiet. Diese Einstufung hat Auswirkungen für Touristen.

Reisewarnung oder Risikogebiet: Müssen Deutsche nach Spanien-Urlaub in Quarantäne?

Als Risikogebiet werden Länder oder Regionen eingestuft, in denen …

  1.  … in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gemeldet wurden oder …
  2. … die Gefahr eines erhöhten Infektionsrisikos besteht, obwohl dieser Grenzwert unterschritten wird. Dafür berücksichtigen die Behörden unter anderem die getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, die Art des Ausbruchs (etwa lokal begrenzt), Testkapazitäten sowie durchgeführte Tests pro Einwohner.

Aufgrund der steigenden Zahl der Neuinfektionen steht nun ganz Spanien auf der Liste des RKI.

Risikogebiet und Reisewarnung: Was sind die Konsequenzen?

Das Ausrufen eines Landes als Risikogebiet oder das Aussprechen einer Reisewarnung bedeuten nicht, dass Urlauber aus Deutschland sofort das Land verlassen müssen. Aber: Reiserückkehrer, die aus einem Risikogebiet kommen, müssen sich entweder innerhalb von 48 Stunden vor der Einreise testen lassen oder innerhalb von 72 Stunden nach ihrer Rückkehr. Diese Testpflicht gilt bundesweit seit Samstag, 8. August. Der Corona-Test ist für Reiserückkehrer kostenlos. 

Bis ein negatives Testergebnis vorliegt, müssen die Reisenden in Quarantäne. Das soll maximal zwischen 24 und 48 Stunden dauern. Danach können sie sich in der Regel wieder frei bewegen. Manche Bundesländer verlangen aber einen zweiten negativen Test frühestens fünf Tage nach der Rückkehr, erst dann dürfen Urlauber die Quarantäne verlassen. Bei einem positiven Testergebnis müssen die Betroffenen natürlich generell weiterhin mindestens 14 Tage in Quarantäne bleiben. 

Spanien-Urlaub kostenlos stornieren bei Reisewarnung? 

„Ob eine Reise kostenfrei storniert werden kann oder nicht, ist eine reiserechtliche Frage, die vom Auswärtigen Amt nicht beantwortet werden kann“, teilt das Auswärtige Amt mit. Letztendlich ausschlaggebend ist nicht die Reisewarnung des Auswärtigen Amts, sondern die juristische Frage, ob außergewöhnliche, unvermeidbare Umstände vorliegen. Dies ist im Einzelfall zu klären.

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Fest steht aber auch: Die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes ist ein starkes Indiz dafür, dass Reisen kostenlos storniert werden können. In bisherigen Fällen wurden von den Gerichten für die bisherige Rechtslage „höhere Gewalt oder eine erhebliche Gefährdung“ anerkannt, die zu einem Rücktritt ohne Entschädigung berechtigten. Dies gilt auch für die seit 2018 gültigen Gesetzesbegriffe der „unvermeidbaren und außergewöhnlichen Umstände“ am Bestimmungsort.

Diese Regeln gelten auf den Kanaren

Die Kanaren haben wegen des Corona-Anstiegs mehrere verschärfte Regeln umgesetzt. Folgende haben nicht nur für die Einwohner starke Auswirkungen, sondern sind auch für Touristen relevant:

  • Es gilt eine allgemeine Maskenpflicht auch im Freien
  • Auf Inseln, die mehr als 100 Fälle pro 100.000 Einwohner verzeichnen, sind nur noch Gruppen von maximal zehn Menschen erlaubt. Der Grund: Mehr als die Hälfte aller Ausbrüche auf Gran Canaria waren der Freizeitgestaltung zugeschrieben worden. 
  • Bars und Lokale müssen bereits um Mitternacht schließen. 
  • Generelles Rauchverbot in der Öffentlichkeit, wenn Mindestabstand nicht eingehalten werden kann.