Der Sommer 2020 war einer, wie ihn noch niemand von uns erlebt hat. Die Corona-Krise hat die Welt aus den Fugen gehoben – auch in puncto Reisen war nichts mehr wie zuvor. Und für Urlauber bedeutete das in den vergangenen Monaten, dass sie vor allem eines sein mussten: flexibel.

Denn so dynamisch sich die Pandemie entwickelt, so kurzfristig wurden (und werden noch) Reisebeschränkungen erlassen, Grenzen geöffnet und wieder geschlossen, Sicherheitsmaßnahmen am Urlaubsort umgesetzt. Wir blicken zurück auf die außergewöhnlichen Monate und ihre Folgen.

Sommerurlaub trotz weltweiter Reisewarnung des Auswärtigen Amtes

Es war der 17. März, der mit voller Wucht zeigte, wie groß die Auswirkungen der Corona-Pandemie tatsächlich waren: „Bitte bleiben Sie zu Hause. Sie helfen damit sich und anderen! Diese Reisewarnung für touristische Reisen gilt weltweit.“

Mit diesen Worten wandte sich Außenminister Heiko Maas an die Deutschen und verkündete damit eine Konsequenz, die es noch nie zuvor gegeben hatte: Die Bundesregierung sprach am 17. März 2020 erstmals eine weltweite Warnung vor touristischen Reisen aus. Die Folge: Die Reiseveranstalter stornierten sämtliche Reisen. Touristischer Shutdown.

Hunderttausende Reisende waren im Ausland gestrandet, weil Grenzen geschlossen und der Flugverkehr eingestellt wurden. Es folgte die größte Rückholaktion von Urlaubern in der Geschichte Deutschlands: Innerhalb eines Monats wurden rund 240.000 Menschen zurückgeflogen.

Die Reisewarnung traf zunächst alle Oster-Urlauber – doch auch viele Deutsche, die einen Urlaub im Juni, Juli und August geplant oder gebucht hatten, fragten sich zu diesem Zeitpunkt: „Wird auch mein Sommerurlaub ausfallen?“ Nach mehreren Wochen Lockdown folgten in Deutschland und beliebten Reiseländern Schritt für Schritt Lockerungen.

Skurrile Ideen: Plastikboxen am Strand und Social-Distancing-Restaurants

Wie machen wir Urlaub wieder möglich – und halten das Risiko einer Infektion dabei möglichst gering? Auf der Suche nach einer Antwort auf diese Frage gab es im Corona-Sommer 2020 auch allerhand skurrile Ideen. Da war etwa die Firma aus Italien, die Plastikboxen am Strand aufstellen wollte. In zwei Meter hohe und 4,5 Meter breite Areale mit Eingangstür sollten zwei Liegen und ein Schirm passen.

Auf Boxen setzten auch mehrere Restaurants, zum Beispiel das Mediamatic in Amsterdam. Dort speisen die Gäste in Gewächshäusern. Aufgrund der Covid-19-Abstandsregelungen betreten die Servicekräfte diese nicht, sondern bedienen von außen. Die Gäste bleiben auf diese Art und Weise so gut es geht unter sich.

Maskenpflicht im Flugzeug und am Hotel-Büfett

Andere Maßnahmen und Neuheiten erlebten hingegen alle, die in diesem Sommer verreisten: Fieber messen am Flughafen, Hände desinfizieren vor dem Betreten von Sehenswürdigkeiten, Abstandsregeln am Strand oder die Maskenpflicht.

Diese gilt inzwischen nicht mehr nur auf dem Weg in den Urlaub in Bus und Bahn, Flughafen und Flugzeug, sondern auch in vielen Situationen am Reiseziel. Viele All-inclusive-Urlauber mussten im Sommer 2020 mit Mund-Nasen-Bedeckung ans Büfett im Hotel, auch Richtung Pool und Strand musste sie vielerorts getragen werden. 

Die Mundschutzpflicht führte mitunter auch zu skurrilen Bildern. Zu medialer Berühmtheit brachte es etwa ein FKK-Strand an einem Baggersee in Tschechien. Unten ohne sonnen war dort zwar erlaubt, obenrum musste aber ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. „Nackter Körper: ja – unverhüllter Mund: nein“ – über diesen Aufruf der örtlichen Polizei an die Badegäste berichtete sogar der US-Nachrichtensender CNN.

Strandampeln informieren über Auslastung der Küste

Auch ein Novum im Corona-Sommer: Um den Besucherstrom an den Stränden zu regeln, damit die Abstandsregeln eingehalten werden konnten, setzten viele Urlaubsorte auf Strandampeln. Meistens waren das Apps, die in Echtzeit über die Auslastung der Strände informierten.

Grün hieß: Alles gut, Gelb: Es wird eng, Rot: Der Strand ist voll. In letztem Fall wurden die betreffenden Bereiche gesperrt. In Deutschland traf das mehrfach Strände in der Lübecker Bucht an der Ostsee, im Ausland beispielsweise beliebte Orte auf Mallorca. 

Grenze auf, Grenze zu und die Reaktivierung der Reisewarnung

Trotz all der Sicherheitsmaßnahmen und Regeln konnte im Corona-Sommer 2020 jedoch nicht verhindert werden, dass es immer wieder größere Ausbrüche gab. Es waren daher auch Monate, die geprägt waren vom Hin und Her in Sachen Grenzöffnung.

Während die weltweite Reisewarnung zuletzt bis mindestens zum 14. September verlängert wurde, hob das Auswärtige Amt die höchste Warnstufe für die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, Schengen-assoziierte Staate sowie Großbritannien auf, später auch für Teile der Türkei. Doch bei dieser noch recht überschaubaren Regelung blieb es nicht.

Denn: Die Infektionszahlen stiegen vielerorts wieder – Spanien, Kroatien sowie weitere Länder wurden im Verlauf der Sommersaison wieder zum (Teil-)Risikogebiet. Andere Staaten wie Lettland, Litauen, Ungarn, Island, Norwegen und Finnland wiederum schlossen ihre Grenzen für Urlauber aus Deutschland, weil ihnen die Zahl der Neuinfektionen hierzulande als zu hoch erscheinen.

Den Durchblick – und auch das Verständnis für die dynamische Situation – hat so mancher Urlauber im Verlauf der Saison verloren. Für sie war der Auslandsurlaub 2020 gestorben, sie stornierten oder buchten gar nicht erst. Lockdown, Einreiseverbote, Reisewarnungen und Urlaubsstornierungen sorgten aber nicht nur für Frust bei Touristen, sondern auch für ungewöhnliche Bilder an Urlaubsorten.

Leere Touristen-Hotspots: Mallorca und Venedig ohne Touristenmassen

Keine Gondoliere, kaum Touristen und glasklares Wasser in den Kanälen: So sah Venedig in Zeiten des Massentourismus im Sommer wohl noch nie aus. Auf dem sonst so überfüllten Markusplatz waren Selfies ohne andere Urlauber möglich, kein Kreuzfahrtschiff schob sich durch die Kanäle. Die Stadt, die sonst in der Hauptreisezeit unter Touristenmassen ächzt, erlebte eine Corona-Pause.

Ähnlich ungewöhnliche Bilder gab es auch von der liebsten Urlaubsinsel der Deutschen, Mallorca. Von dort gingen im Juni Bilder von gähnend leeren Stränden und einer Schinkenstraße ohne Menschen durch die Medien – als die ersten Touristen in einer Testphase die Baleareninsel unter Corona-Bedingungen bereisen durften. 

Flughäfen, die zu Lost Places wurden, und die Corona-Testzentren

Und auch an Flughäfen erlebten Touristen in diesem Sommer sehr ungewöhnliche Bilder: Lange Schlangen an der Sicherheitskontrolle, die sonst typisch für die Hochsaison sind, gab es kaum, dafür hieß es Schlange stehen nach der Rückreise. Denn es war auch der Sommer, in dem Corona-Testzentren entstanden.

Um eine Einschleppung des Coronavirus nach Deutschland durch Auslandsurlauber so gut es geht einzudämmen, wurde die Corona-Testpflicht für Reiserückkehrer aus Corona-Risikogebieten eingeführt. Sie sollten sich nach der Einreise innerhalb von 72 Stunden testen lassen, möglichst direkt am Airport. Bis zum Erhalt des negativen Ergebnisses mussten sie dann in häusliche Quarantäne.

Nach dem Urlaub zum Corona-Test – das trifft aktuell immer mehr Reiserückkehrer, weil beliebte Ziele zum Risikogebiet erklärt werden. (Symbolfoto)

Und so kam es, dass bei Abertausenden Fluggästen in Frankfurt, München, Düsseldorf, Berlin-Schönefeld und Co. ein Rachenabstrich gemacht wurde.

Aber auch hier heißt es für Urlauber bald schon wieder: umdenken. Die kostenlose Testmöglichkeit für Auslandsurlauber und die Corona-Testpflicht für Reiserückkehrer werden nach der Hauptsaison, möglichst zum Oktober, nämlich schon wieder abgeschafft. Dann heißt es wieder: 14 Tage Quarantäne – die kann frühestens durch einen Test am fünften Tag verkürzt werden.

Es zeigt sich also bereits: Nicht nur der Corona-Sommer 2020 war geprägt von der dynamischen Entwicklung der Pandemie und kurzfristiger Maßnahmen. Auch Herbst und Winter werden es sein.