Die Corona-Testpflicht nach einem Urlaub im Risikogebiet fällt – stattdessen sollen Reiserückkehrer zwangsweise in häusliche Quarantäne und diese frühestens durch einen Corona-Test am fünften Tag nach der Rückreise beenden können. 

Corona-Quarantäne für Reiserückkehrer erst ab 8. November

Die neuen Quarantäne-Regeln der Bundesregierung sollten eigentlich zum 15. Oktober in Kraft treten, doch laut dem Regierungssprecher Steffen Seibert tritt sie erst ab dem 8. November in Kraft: „Die Details regelt eine Musterquarantäneverordnung, die das Bundeskabinett am Mittwoch verabschiedete und die eine gemeinsame Arbeitshilfe für alle Länder darstellen soll“, sagte er am Mittwoch.

Schon Ende August kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel an, dass die Regelung „möglichst ab dem 1. Oktober“ gelten sollte. Dann teilte sie am 29. September mit, dass sich die Einführung auf die Zeit nach den Herbstferien verschiebt.

Die konkrete Umsetzung der nationalen Teststrategie der Bundesregierung liegt bei den Bundesländern. Damit müssen Reisende weiterhin deren jeweilige Regeln beachten.

Nach dem Herbsturlaub im Risikogebiet gilt: Mindestens fünf Tage Quarantäne

Eine wichtige Voraussetzung für die Quarantänestrategie war die Digitalisierung der sogenannten Aussteigerkarten, die Rückkehrer aus Risikogebieten ausfüllen müssen, um die Selbstisolation besser kontrollieren zu können. Und genau an diesem Punkt hakt es der „Bild“ zufolge. Außerdem gebe es Bedenken, die Regeln mitten in den Herbstferien umzustellen. Daher sei nun der neue angepeilte Termin im November.

Aktuell und bis zum Ende der Herbstferien gelten also noch die folgenden Regeln: 

  • Die Corona-Testpflicht bei Reise ins Risikogebiet bleibt: Testung entweder maximal 48 Stunden vor der Abreise oder spätestens 72 Stunden nach der Einreise in Deutschland.
  • Quarantäne bis zum Erhalt des negativen Ergebnisses – je nach Bundesland ist ein zweiter Test nötig.
  • Für Urlauber, die nicht im Risikogebiet waren, gibt es keine kostenlosen Corona-Tests mehr.

Keine kostenlosen Corona-Tests mehr für alle Urlauber

Bereits in Kraft getreten ist Punkt zwei der Teststrategie: Seit dem 15. September können sich Auslandsurlauber, die nicht in einem Risikogebiet waren, nicht mehr kostenlos auf Corona testen lassen.

Bei Menschen, die Reisen in den Herbstferien geplant haben, führt das zu Verunsicherung. Auf welche Maßnahmen und Konsequenzen müssen sie sich künftig bei einer Reise ins Risikogebiet einstellen? Der reisereporter klärt die wichtigsten Fragen.

Wie lange müssen Reisende künftig in Quarantäne?

Grundsätzlich gilt: Nach einem Urlaub in einem Risikogebiet müssen Deutsche nach der Rückreise in Quarantäne. Wenn die neue Regelung der Bundesregierung umgesetzt wird – voraussichtlich ab dem 8. November in Deutschland –, soll dann folgende Quarantäneregelung gelten:

  • Wer sich nicht auf das Coronavirus testen lassen will, muss voraussichtlich zehn Tage in Quarantäne bleiben.
  • Die Quarantäne kann vorzeitig beendet werden, wenn ein negativer Corona-Test vorgelegt wird. Dieser darf frühestens am fünften Tag der häuslichen Isolation gemacht werden.

Das bedeutet: Reisen in Risikogebiete würden wieder erschwert. Denn aktuell können Menschen in den meisten Bundesländern sofort nach Erhalt des negativen Corona-Testergebnisses die Quarantäne verlassen. Die Auswertung dauert nach Angaben des Gesundheitsministeriums in der Regel zwischen 24 und 48 Stunden.

Wer zahlt künftig für die Corona-Tests für Reiserückkehrer?

Die Corona-Tests sind seit dem 15. September nicht mehr gratis für Urlaubsrückkehrer, die nicht in einem Risikogebiet waren und die keine Coronavirus-Symptome haben.

Weiterhin kostenlos getestet werden nur noch Reiserückkehrer bei einem konkreten Anlass – wenn sie beispielsweise Symptome einer Infektion mit dem Coronavirus zeigen oder in sensiblen Bereichen wie dem Gesundheitswesen arbeiten. Außerdem werden die Kosten für Reiserückkehrer, die in einem Risikogebiet unterwegs waren, weiterhin übernommen.

Die Kosten für einen Test übernehmen die Krankenkassen, die vom Bund dabei unterstützt werden. Wie es ab dem 8. November bezüglich der Kosten für die Tests für Rückkehrer aus Risikogebieten aussieht, ist noch unklar.

Wer kontrolliert die Quarantäne?

Jeder, der sich in einem Risikogebiet aufgehalten hat, muss nach der Einreise auf direktem Weg in häusliche Quarantäne. Sprich: Einkaufen, Freunde treffen, arbeiten – all das ist währenddessen verboten. Außerdem muss derjenige sich beim für den Wohnsitz zuständigen Gesundheitsamt melden. Aber: Wer kontrolliert das eigentlich?

Gesundheitsminister Jens Spahn sagt, dass es bereits jetzt stichprobenartige Kontrollen gebe. Der Bund forderte die Länder auf, die Quarantänepflichten vor Ort noch schärfer zu kontrollieren und bei Pflichtverstößen Bußgelder zu verhängen.

Eine weitere Maßnahme: In Flugzeugen, auf Fähren und in Zügen werden bereits jetzt Aussteigekarten ausgegeben, die Reisende aus Risikogebieten ausfüllen müssen. Diese sollen ab dem 8. November in digitaler Form ausgefüllt werden. Noch vor ihrer Einreise in Deutschland müssen sich die Reisenden dann online registrieren. Die Daten der Online-Registrierung gehen dann automatisch an die zuständigen Gesundheitsämter, die für die Nachverfolgung verantwortlich sind.

Was eine Quarantänepflicht für die Arbeit bedeuten würde

Was würde die neue Quarantänepflicht für den Job bedeuten? Verboten werden darf eine Reise ins Risikogebiet vom Arbeitgeber nicht. Und: Arbeitnehmer, die für die Zeit der Quarantäne nicht von zu Hause aus arbeiten oder weiteren Urlaub einsetzen können, müssen offenbar nicht einmal Urlaub dafür nehmen oder auf einen Teil des Gehaltes verzichten. Das bestätigte das Gesundheitsministerium auf Nachfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland.

Denn in diesem Fall greife eine Klausel aus Paragraf 56 des Infektionsschutzgesetzes, demzufolge der Staat für Verdienstausfälle aufkommen muss, wenn jemand „Verboten in der Ausübung seiner bisherigen Erwerbstätigkeit unterliegt oder unterworfen wird und dadurch einen Verdienstausfall erleidet“.

Das gilt aktuell sogar für den Fall, wenn ein Deutscher bewusst in ein Risikogebiet reise und damit durch leichtsinniges Verhalten eine zehntägige Quarantäne bei der Rückreise riskiere. Aber: Die Bundesregierung strebe an, die rechtliche Regelung anzupassen, dass in diesem Fall keine Kompensation mehr möglich sein soll. Das teilte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit.

Welche Länder gelten als Risikogebiet?

Derzeit gelten mehr als 130 Länder und Regionen weltweit als Corona-Risikogebiete– sie sind auf der entsprechenden Liste des Robert-Koch-Institutes (RKI) aufgeführt.

Neben Zielen außerhalb Europas wie Ägypten, Marokko, den Malediven und den USA finden sich inzwischen auch wieder sehr viele Regionen aus EU-Ländern auf der Liste. Beispielsweise gelten Spanien, Tschechien, Frankreich sowie Teile Kroatiens aktuell als Risikogebiet. 

Neben der Einstufung als Risikogebiet gibt es noch Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes. In unserer Übersicht findest du, für welche Länder eine Reisewarnung oder ein Reisehinweis gilt.