Die Corona-Testpflicht nach einem Urlaub im Risikogebiet fällt – nur wenige Wochen, nachdem sie überhaupt eingeführt wurde. Stattdessen sollen Reiserückkehrer voraussichtlich ab dem 1. Oktober zwangsweise in häusliche Quarantäne müssen und diese frühestens durch einen Coronatest am fünften Tag nach der Rückreise beenden können. Das teilte Kanzlerin Angela Merkel nach der Konferenz mit den Ministerpräsidenten der Länder mit.

Bald wieder Corona-Quarantäne für Reiserückkehrer

Zweite Änderung für Reisende: Bereits am 15. September endet die Möglichkeit für Auslandsurlauber, die nicht in einem Risikogebiet waren, sich kostenlos auf Corona testen zu lassen.

Bei Menschen, die eine Reise nach den Sommerferien oder in den Herbstferien geplant haben, führt das zu Verunsicherung. Auf welche Maßnahmen und Konsequenzen müssen sie sich künftig bei einer Reise ins Risikogebiet einstellen? Der reisereporter klärt die wichtigsten Fragen.

Wie lange müssen Reisende künftig in Quarantäne?

Grundsätzlich gilt: Nach einem Urlaub in einem Risikogebiet müssen Deutsche nach der Rückreise in Quarantäne. Möglichst ab dem 1. Oktober soll dann voraussichtlich folgende Quarantäneregelung gelten:

  • Wer sich nicht auf das Coronavirus testen lassen will, muss voraussichtlich zehn Tage in Quarantäne bleiben.
  • Die Quarantäne kann vorzeitig beendet werden, wenn ein negativer Corona-Test vorgelegt wird. Dieser darf frühestens am fünften Tag der häuslichen Isolation gemacht werden.

Das bedeutet: Reisen in Risikogebiete würden wieder erschwert. Denn aktuell können Menschen in den meisten Bundesländern sofort nach Erhalt des negativen Corona-Testergebnisses die Quarantäne verlassen. Die Auswertung dauert nach Angaben des Gesundheitsministeriums in der Regel zwischen 24 und 48 Stunden.

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Wer zahlt künftig für die Corona-Tests für Reiserückkehrer?

Bislang ist der Coronatest für alle Urlauber, die im Ausland waren, kostenlos. Das ändert sich jedoch. Die Möglichkeit, sich bei der Einreise aus einem Nicht-Risikogebiet kostenlos testen zu lassen, wird am 15. September beendet. Wie es ab dem 1. Oktober bezüglich der Kosten für die Tests für Rückkehrer aus Risikogebieten aussieht, ist noch unklar.

Wer kontrolliert die Quarantäne?

Jeder, der sich in einem Risikogebiet aufgehalten hat, muss nach der Einreise auf direktem Weg in häusliche Quarantäne. Sprich: Einkaufen, Freunde treffen, arbeiten – all das ist währenddessen verboten. Außerdem muss derjenige sich beim für den Wohnsitz zuständigen Gesundheitsamt melden. Aber: Wer kontrolliert das eigentlich?

Gesundheitsminister Jens Spahn sagt, dass es bereits jetzt stichprobenartige Kontrollen gebe. Der Bund forderte die Länder auf, die Quarantänepflichten vor Ort noch schärfer zu kontrollieren und bei Pflichtverstößen Bußgelder zu verhängen.

Eine weitere Maßnahme: In Flugzeugen, auf Fähren und in Zügen werden bereits jetzt Aussteigerkarten ausgegeben, die Reisende aus Risikogebieten ausfüllen müssen. Diese sollen „zügig“ digitalisiert werden, um Gesundheitsämter zu entlasten, so Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Warum wird die Testpflicht schon wieder beendet?

Gesundheitsminister Jens Spahn begründete die geplanten Änderungen zum einen damit, dass die Labore personell und materiell an ihre Grenzen stoßen. „Die Zahl der Corona-Tests hat sich in den vergangenen Wochen verdoppelt auf zuletzt 900.000 Tests pro Woche“, so Spahn am Mittwoch. Zum anderen nannte er das Ende der Hauptreisezeit als Grund – mit dem Ende der Sommerferien sinke das Risiko wieder, dass Urlaubsrrückkehrer das Virus nach Deutschland einschleppen.

Und für all diejenigen, die nach der Hauptreisezeit in Risikogebiete reisen wollten, seien die Quarantäneregelungen zumutbar, so Spahn. „Derjenige weiß, in welche Umstände und Folgeregelungen hinein er diese Reise antritt.“

Was eine Quarantänepflicht für die Arbeit bedeuten würde

Was würde die neue Quarantänepflicht für den Job bedeuten? Verboten werden darf eine Reise ins Risikogebiet vom Arbeitgeber nicht. Und: Arbeitnehmer, die für die Zeit der Quarantäne nicht von zu Hause aus arbeiten oder weiteren Urlaub einsetzen können, müssen offenbar nicht einmal Urlaub dafür nehmen oder auf einen Teil des Gehaltes verzichten. Das bestätigte das Gesundheitsministerium auf Nachfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland.

Denn in diesem Fall greife eine Klausel aus Paragraf 56 des Infektionsschutzgesetzes, demnach der Staat für Verdienstausfälle aufkommen muss, wenn jemand „Verbote in der Ausübung seiner bisherigen Erwerbstätigkeit unterliegt oder unterworfen wird und dadurch einen Verdienstausfall erleidet.“ 

Das gilt aktuell sogar für den Fall, wenn ein Deutscher bewusst in ein Risikogebiet reise und damit durch leichtsinniges Verhalten eine zehntägige Quarantäne bei der Rückreise riskiere. Aber: Die Bundesregierung strebe an, die rechtliche Regelung anzupassen, dass in diesem Fall keine Kompnesation mehr möglich sein soll. Das teilte Bundesregierung Angela Merkel mit.

Welche Länder gelten als Risikogebiet?

Derzeit gelten mehr als 130 Länder und Regionen weltweit als Corona-Risikogebiete– sie sind auf der entsprechenden Liste des Robert-Koch-Institutes (RKI) aufgeführt.

Neben Zielen außerhalb Europas wie Ägypten, Marokko, den Malediven, USA und Seychellen finden sich inzwischen auch wieder mehr Regionen aus EU-Ländern auf der Liste. Beispielsweise gelten Spanien, Prag in Tschechien, Paris, Korsika und die Côte d'Azur in Frankreich sowie Teile Kroatiens aktuell als Risikogebiet. 

Neben der Einstufung als Risikogebiet gibt es noch die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes – diese erfolgt unabhängig von der Einstufung. Derzeit besteht zwar für mehr als 160 Länder eine Reisewarnung, aber nur gut 130 davon sind als Risikogebiet eingestuft.

Ein Beispiel: Für Thailand gibt eine Reisewarnung, weil dort noch eine Einreisesperre für Touristen gilt. Das Land ist wegen geringer Infektionszahlen aber kein Risikogebiet mehr.