Azurblaues Meer, ein goldfarbener Sandstrand, Sonnenliegen und -schirme, spielende Kinder – auf den ersten Blick sieht hier alles nach einem typischen Ferienort auf Zypern aus. Doch ein bizarrer Anblick durchbricht dieses Idyll: Stacheldrahtzaun, Barrikaden und im Hintergrund graue Hotel-Betonbauten, die verkommen und in denen Einschusslöcher zu sehen sind.

Varusha ist ein einstiger Badeort, in dem heute kein einziger Tourist mehr unterwegs ist. Ein geisterhafter Lost Place und ein Symbol für die Teilung des Landes zwischen Türken und Griechen.

Wie wurde Varusha zum Lost Place?

In den 60er-Jahren entwickelte sich der Massentourismus auf Zypern – der Hotspot wurde Varosha. Badegäste entspannten in dem glamourösen Badeort in mehr als 100 Hotels und Apartmentanlagen. Es gab Hunderte Läden zum Shoppen, dazu Kinos und Theater. Sogar Stars wie Elizabeth Taylor, Brigitte Bardot, Sophia Lauren und Richard Burton machten hier Urlaub. Doch dann wurde das Urlaubsidyll zerstört.

Im Jahr 1974 eskalierte der Zypern-Konflikt und Varosha wurde zum traurigen Schauplatz. Türkische Truppen marschierten an einem Sommermorgen in den Badeort ein, mehr als 45.000 Menschen flüchteten und ließen all ihr Hab und Gut zurück.

Es folgte die Teilung der Insel – in den türkischen Norden und den griechischen Süden. Wer von einem Land ins andere wechseln will, kann das nicht überall. In der geteilten Hauptstadt Nikosia ist es möglich,Touristen müssen aber vorbei an bewaffneten Polizisten, Sandsäcken und Stacheldraht.

Das Betreten von Varosha jedoch ist verboten, der Ort ist militärisches Sperrgebiet. Der einstige Ferienort wurde zum gespenstischen Mahnmal des Zypern-Konflikts, bewacht von türkischen Streitkräften. Könnte sich das nun, 46 Jahre nach der Teilung, ändern?

Geisterstadt Varosha soll wieder Touristen anlocken

Der Premierminister des De-facto-Regimes Nordzyperns, Ersin Tatar, machte zuletzt Hoffnungen: „Wir stehen kurz vor dem Beginn des Wiederöffnungs-Prozesses“, so Tatar gegenüber dem türkischen Sender „TRT“. Es müssten noch einige Vorschriften geklärt werden – dies könne sich wegen der nahenden Wahlen noch verzögern. Er sei aber trotzdem optimistisch: „Aus meiner Sicht ist alles bereit“, sagte Tatar. Ein mögliches Öffnungsdatum nannte er jedoch noch nicht.

In den vergangenen Jahren hatte es bereits mehrfach Forderungen und Pläne gegeben, Varosha wiederzubeleben – bislang ohne Erfolg. Ein von der griechisch-zyprischen US-Bürgerin Vasia Markides angestoßenes Projekt aus dem Jahr 2014 zielte darauf ab, eine Ökostadt aus dem einstigen Ferienort zu machen. Diese sollte ein Planungsbeispiel für die Entwicklung der Insel sein, die immer wieder von Dürre geplagt wird.