Die meisten Deutschen, die sich mit dem Coronavirus infizieren, tun das nach wie vor in Deutschland. Aber: Die Zahl der gemeldeten Fälle derjenigen, die sich im Ausland mit Covid-19 infizieren, steigt deutlich. Mehr als 40 Prozent der zuletzt positiv auf Covid-19 getesteten Deutschen waren zuvor in einem anderen Land unterwegs. 

Häufigstes Infektionsland – nach Deutschland – ist demnach das Kosovo (2528 Fälle in den vergangenen vier Wochen). Auf Platz drei der sogenannten Expositionsländer steht Kroatien (1797), dann folgen die Türkei (1134), Bosnien und Herzegowina (528) sowie Bulgarien (492). Das teilt das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem Lagebericht vom Dienstag für die Meldewoche 34 vom 17. bis 23. August 2020 mit.

Besonders bedenklich ist die Zunahme der Infektionen in Kroatien: Das Land kletterte von Platz vier auf Platz drei der Expositionsländer und löst damit das Kosovo ab. 

Das beliebte Reiseziel Spanien, für das mit Ausnahme der Kanaren eine Reisewarnung gilt, liegt auf Platz sieben mit 478 Neuinfektionen in den vergangenen vier Wochen. Das sind mehr als doppelt so viele Fälle wie noch in der vorherigen Meldewoche 33, da waren es 222. Frankreich (218) und Österreich (179) folgen auf Platz 12 und 14. Auch hier ist ein deutlicher Anstieg der Fälle zu erkennen.

42 Prozent der positiven Corona-Tests nach Auslandsreise

Insgesamt haben sich etwa 42 Prozent der zuletzt in Deutschland positiv auf das Coronavirus getesteten Menschen wohl im Ausland angesteckt. In der Meldewoche 33 hatte dieser Wert noch bei 39 Prozent gelegen. 

Wer steckt sich im Urlaub an?

Bilder von Partyurlaubern sorgten in diesem Sommer immer wieder für Kritik. Aber: Sind es vor allem diese Touristen, die das Virus nach Deutschland einschleppen? Das RKI differenziert hier.

In Bezug auf  Fälle mit Angabe Kosovo und Türkei seien eher Kinder und Menschen mittleren Alters betroffen. Das weise auf Reisen im Familienverbund hin, viele sind vermutlich auch auf Heimaturlaub gewesen.

Darauf weist auch der deutsche Reiseverband (DRV) hin: „Das zeigt, dass die hohe Anzahl von Infektionen insbesondere aus Destinationen mit einem sehr hohen Anteil an ethnischem Reiseverkehr herrührt. Gemeint sind Reisen zu Freunden, Familien und Verwandten, die oft mit dem eigenen Pkw und in aller Regel individuell organisiert werden“, so DRV-Präsident Norbert Fiebig. Er fordert daher auch, dass auf Rückkehrer auf dem Landweg ein besonderes Augenmerk gelegt werde.

Bei Spanien, Kroatien und Bulgarien sieht die Ansteckungslage jedoch anders aus: Dort seien bei den Reiserückkehrern „eher Personen zwischen 20 bis 29 Jahren betroffen, was wiederum eher auf Vergnügungstourismus hindeutet“.

Warum gibt es mehr Infektionen im Ausland?

Wichtig zur Einordnung ist auch: Viele der sogenannten Expositionsländer stehen auf der Liste der Risikogebiete, in denen laut RKI das Risiko für eine Corona-Infektion besonders hoch ist. Unter anderem gilt das für das Kosovo, die Türkei und Teile von Kroatien. Für Rückkehrer gilt seit dem 8. August eine Testpflicht binnen 72 Stunden nach der Einreise nach Deutschland. Bis zum Testergebnis müssen sich die Reisenden in Quarantäne begeben.

Testpflicht für Reiserückkehrer

Daher muss bei der Betrachtung der RKI-Zahlen berücksichtigt werden, dass wegen der Testpflicht überdurchschnittlich viele Reiserückkehrer auf Covid-19 getestet werden. Und wenn in einer Bevölkerungsgruppe eine große Anzahl an Tests durchgeführt wird, dann werden auch mehr Fälle entdeckt, die sonst vielleicht unbemerkt geblieben wären, etwa weil keine Symptome vorhanden sind. 

Rückkehrer aus der Türkei und dem Kosovo werden besonders häufig getestet, berichtet das RedaktionsNetzwerk Deutschland.