In Kroatien steigen die Corona-Zahlen nach wie vor stark an. 358 Neuinfektionen meldete das beliebte Urlaubsland an der Adria am 26. August – das sind mehr als dreimal so viele Infizierte wie zum Höhepunkt der ersten Welle Anfang April. Besonders viele Fälle gibt es in den beiden südlichen Verwaltungsbezirken Sibenik-Knin mit dem Nationalpark Krka sowie Split-Dalmatien mit der Hafenstadt Split und den Inseln Brac und Hvar.

Dort wurde die kritische Marke von 50 gemeldeten Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage überschritten. Die Konsequenz: Die beiden sogenannten Gespanschaften gelten seit dem 20. August als Risikogebiete, das Auswärtige Amt warnt vor Reisen dorthin.

Zu diesem Zeitpunkt hielten sich etwa 120.000 deutsche Urlauber in Kroatien auf. Einige reisten schnellstmöglich ab, andere blieben entspannt dort. So wie Jasmin F. aus Berlin, die trotz Reisewarnung ihren Urlaub mit ihrem Mann und Sohn (3) in einer Ferienwohnung auf Brac verbringt.

Kroatien-Urlauberin: „Corona gibt es überall, man muss einfach damit leben“ 

Sie hat während des Urlaubs in einer Facebook-Gruppe für Kroatien-Fans von der Reisewarnung erfahren. „Ich war überrascht, als die Region zum Risikogebiet erklärt wurde, weil es einen Tag vorher dort noch die Meldung gab, dass Kroatien nicht zum Risikogebiet erklärt wird“, sagt sie dem reisereporter. 

Doch den Urlaub abbrechen wollte die Familie nicht. Die Entscheidung dazu hätten sie schon vor dem Reiseantritt für den Fall der Fälle getroffen. Denn Jasmin ist der Meinung: „Corona gibt es überall, man muss einfach damit leben.“

Da sie aber befürchtet haben, dass bei einer Reisewarnung ihr Rückflug annulliert werden könnte, entschied sich die Familie, mit dem Auto nach Kroatien zu reisen. „Wir wollten einfach nicht ewig festsitzen, falls es zu Problemen kommt – man weiß ja nie in der aktuellen Situation“, so Jasmin. 

Grundsätzlich sei die Lage vor Ort entspannt. Schließlich würden dort auch nicht andere Regeln als in Deutschland gelten. Im ganzen Land gilt eine Abstandsregelung von 1,5 Metern, und in öffentlichen Verkehrsmitteln, Geschäften sowie Krankenhäusern gibt es eine Maskenpflicht. „Ich finde allerdings, dass sich hier niemand an die Abstandsregeln hält“, berichtet Jasmin. Das habe sie aber auch in Deutschland erlebt.

Ähnlich wie an der Nordsee und der Ostsee seien auch einige Strände in Kroatien sehr voll – „kleine Buchten sind sehr überfüllt, da haben wir dann gesagt, wir fahren woandershin“. Spezielle Corona-Regeln am Strand habe sie nicht wahrgenommen.

Corona-Test bei der Rückkehr aus Kroatien: Familie fürchtet Quarantäne 

Etwas Sorge bereiten der Familie allerdings die Rückreise an diesem Mittwoch und der bevorstehende Corona-Test. Seit dem 8. August müssen sich Reiserückkehrer nach dem Aufenthalt in einem Corona-Risikogebiet innerhalb von 72 Stunden nach der Einreise in Deutschland auf das Virus testen lassen.

„Ich hoffe, das Testergebnis kommt schnell, damit wir nicht so lange in Quarantäne müssen. Das ist eigentlich das Einzige, was mich an der ganzen Sache stört“, sagt Jasmin. Glücklicherweise habe sie auch nächste Woche noch Urlaub, sodass eine längere Quarantäne zumindest in Bezug auf die Arbeit kein Problem wäre.

Ihre Sorge ist nicht unbegründet. Bis zum Erhalt des negativen Testergebnisses müssen Rückkehrer in häusliche Quarantäne. Die Auswertung dauert nach Angaben des Gesundheitsministeriums etwa 24 bis 48 Stunden. Doch aktuell werden immer wieder Fälle bekannt, in denen Rückkehrer deutlich länger ausharren. Gegenüber dem reisereporter berichten einige Urlauber von Wartezeiten von knapp einer Woche.

Corona-Test-Ergebnis – lange Wartezeiten möglich

Die meisten haben einen Corona-Test am Flughafen durchführen lassen. Der Grund für die lange Abwicklungsdauer liegt laut Dr. Uwe Köster, stellvertretender Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), bei der hohen Inanspruchnahme des kostenlosen Angebots. Nach dem Ende der Sommerreisesaison könnte mit den kostenlosen Corona-Tests für Rückkehrer aus Risikogebieten wieder Schluss sein. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will die Testpflicht durch eine Quarantänepflicht ersetzen.

Jasmin möchte bei ihrer Rückreise am Mittwoch einen kostenlosen Corona-Test direkt an der Autobahn machen, dafür stehen in ganz Deutschland mehrere Teststationen bereit. 16 Stunden Fahrt stehen der Familie mit dem dreijährigen Sohn bevor – mögliche Staus noch nicht mit eingerechnet. „Das wird eine ordentliche Tortur für uns werden“, ist sich Jasmin sicher.

Denn anders als auf der Hinreise sind weder eine Zwischenübernachtung noch ein Zwischenstopp in Österreich möglich. Denn das Nachbarland von Deutschland hat seine Einreiseregelungen aus Risikogebieten verschärft. Deshalb müssen Autofahrer ohne Pause durchfahren.