In Spanien steigen die Corona-Zahlen derzeit stark an. Die höchste Zahl an Neuinfektionen seit dem Lockdown erreichte das Land am 13. August mit 7550 Betroffenen. Schon zu Beginn des Monats schnellten die Zahlen in die Höhe, sodass für fünf Regionen eine Reisewarnung ausgesprochen wurde. Davon betroffen: Madrid, Barcelona und die Costa del Sol.

Da das Land nun den Richtwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner überschritten hat, wurden am Abend des 14. August Spanien und die Balearen vom Robert-Koch-Institut (RKI) zu Risikogebieten erklärt. Die Reisewarnung des Auswärtigen Amts folgte kurz darauf– ausgenommen sind die Kanaren.

Auch wenn es sich langsam abzeichnete, wurden Tausende Spanien-Urlauber davon überrascht. Nach Angaben des deutschen Reiseverbands sind derzeit allein 30.000 deutsche Pauschaltouristen auf den Balearen. Mallorca-Urlauberin Sarah Löffler berichtet dem reisereporter über ihre Erfahrung und die Situation vor Ort.

Risikogebiet: Mallorca-Urlauber berichtet von Situation am Flughafen und vor Ort

Die 21-Jährige aus Erfurt in Thüringen war am Freitag noch am Flughafen von Berlin-Schönefeld, als sie gegen 17 Uhr die Nachricht erreichte. „Ich persönlich war nicht von der Nachricht überrascht. Ich hatte mich schon vorher informiert, sodass mir das Risiko bewusst war“, so Sarah, die als Individualreisende mit Easyjet alleine nach Mallorca flog. Flug und Hotel in S’Arenal hat sie dementsprechend einzeln gebucht.

Am Flughafen und im Flugzeug gilt in Corona-Zeiten eine Maskenpflicht. (Symbolbild)

Im Flugzeug habe es dann auch eine Ansage der Crew gegeben, dass ganz Spanien zum Risikogebiet erklärt worden ist. „Alle waren geschockt und haben angefangen, laut zu quatschen, und das Bordpersonal befragt, wie es nun weitergeht. Das beruhigte die Menschen und wies darauf hin, dass sie sich auf Mallorca auf das Coronavirus testen lassen können oder bis zu 72 Stunden nach der Rückkehr in Deutschland.“ Damit verwies die Airline auf die seit dem 8. August geltende Corona-Testpflicht für Reiserückkehrer aus einem Risikogebiet.

Corona-Test nach Mallorca-Urlaub

Sie selbst habe kein Problem damit, sich testen zu lassen. Von einer Freundin, die eine Reise nach Venezuela unternommen hatte, weiß sie, wie es abläuft: „Nur der Abstrich durch die Nase soll etwas schmerzhaft sein.“ Trotz dieses Wissens sei der Flug gut verlaufen. „Auch mit der Maske hält man den zweistündigen Flug ganz gut aus.“

Urlauber am Ballermann gelassen trotz Reisewarnung 

Bei der Ankunft sei dann wieder alles ganz entspannt gewesen. Die Passagiere seien ohne Probleme abgefertigt worden, auch wenn der Sicherheitsabstand oft nicht eingehalten worden sei: „Das kommt aber auch in Deutschland immer wieder vor“, kommentiert die 21-Jährige das Verhalten der anderen Urlauber.

„Auch im Hotel und am Ballermann sind alle gut drauf gewesen – trotz Maskenpflicht auf der ganzen Insel. Es ist zwar nicht schön, immer eine Maske tragen zu müssen, aber es ist aushaltbar“, berichtet Sarah dem reisereporter. So lassen sich die Urlauber vor Ort nicht den Spaß verderben. Einige hätten am Abend auch ohne Musik getanzt und die gesamte Situation locker gesehen.

Viele Lokale und Restaurants am Ballermann geöffnet

Die Lokalität Deutsches Eck in der sogenannten Bierstraße an der Playa de Palma nutzt ein Schlupfloch, um trotz Betriebsverbot zu öffnen.

Die meisten Restaurants haben geöffnet – sogar das Pancho im Bierkönig-Komplex, das Las Palmeras und das Restaurant Deutsches Eck. Eigentlich müssten die Lokale in der Bierstraße wegen des Coronavirus im Rahmen eines Betriebsverbots geschlossen sein, aber die Betreiber nutzen ein Schlupfloch, um dennoch öffnen zu können. „Es sind viele Leute in den Restaurants unterwegs – es ist ja auch das Einzige, was ihnen noch bleibt“, so Sarah.

So berichtet die Erfurterin davon, dass sich auch die meisten Einheimischen trotz Reisewarnung keine Sorgen machen – auch wenn viele vom Tourismus abhängig sind. „Die, die hier wohnen, sehen alles recht entspannt“, zitiert sie Freunde, die auf der beliebten Urlaubsinsel wohnen. 

Spanien als Risikogebiet: Konsequenzen für Urlauber

Sarah hat kurz vor dem Abflug erfahren, dass Mallorca nun als Risikogebiet eingestuft wurde. Dennoch genießt sie die Zeit auf der Insel.

Sie selbst genießt tagsüber ihren Urlaub mit kühlen Getränken und viel Entspannung am Strand und Pool. An den Abenden kellnert sie dann auf einer Privatveranstaltung, weshalb sie die Reise überhaupt erst angetreten ist. Am 18. August fliegt sie mit Ryanair wieder zurück nach Deutschland.

Die Airline habe sich bei ihr noch nicht aufgrund der Reisewarnung gemeldet – die Konsequenzen bleiben unklar. Auf Anfrage des reisereporters gab es bisher noch keine Rückmeldung, wie Ryanair mit der neuen Situation umgeht. Tui beispielsweise kündigte direkt nach der Veröffentlichung an, alle Pauschalreisen nach Spanien und auf die Balearen abzusagen. Und: Wer sich derzeit in Spanien oder auf den Balearen befindet, könne auch früher nach Hause reisen. Ähnlich gehen viele andere Reiseveranstalter vor und bieten Umbuchungen an.

Nach dem Urlaub müssen sich die Reiserückkehrer in jedem Fall einem Corona-Test unterziehen. Sarah hat aber kein Problem mit der anschließenden Quarantäne, selbst wenn diese durch ein positives Ergebnis länger dauere. Der Grund: Sie arbeitet noch bis September im Homeoffice.