Mit der Ausbreitung der Coronavirus-Pandemie begann für viele auch der Kampf um die Rückerstattung ihrer Reisekosten für ihren ausgefallenen Urlaub. Und selbst heute, fünf Monate nachdem die ersten Reisen wegen der Krise abgesagt wurden, warten noch Tausende darauf, dass ihre Reisekosten wieder zurück auf ihrem Konto landen. 

Aber: Nicht alle Airlines haben sich Zeit gelassen mit der Rückerstattung der Reisekosten. Im Gegenteil: Einige Fluggesellschaften haben den enormen Stornierungs-Ansturm schnell abgewickelt. Wir verraten dir, welche Fluggesellschaften in der Krise am zuverlässigsten waren. 

Easyjet: Mit Abstand die zuverlässigste Airline in der Krise

Laut einer aktuellen Analyse des Fluggastrechte-Portals „Fairplane“ gibt es nämlich eine Fluggesellschaft, die in Sachen Rückerstattung ganz klar die Nase vorn hat: Easyjet. Demnach hat die Billig-Airline von April bis Juli ganze 96 Prozent aller Meldungen, die dem Portal bekannt sind, innerhalb von sieben Tagen beglichen. Damit haben sich die Schweizer auch immer an den rechtlichen Rahmen für Rückerstattungen gehalten – denn der beträgt sieben Tage nach Stornierung.

Der zweite Platz geht an Austrian Airlines. Die österreichische Airline hat es bisher geschafft, 56 Prozent der stornierten Flüge zu erstatten. Und die dritte im Bunde – Singapore Airlines – hat bislang immerhin 39 Prozent der Reisekosten zurück auf die Konten der Passagiere überwiesen. 

Eurowings und Laudamotion bilden das Schlusslicht

Bei den Raten der Top 3 wundert es kaum noch, dass die Zahlen der Schlusslicher in dem Ranking verschwindend gering sind. Den letzten Platz belegt etwa Laudamotion mit lediglich 2 Prozent, Eurowings schaffte es immerhin bei 4 Prozent der Stornierungen, rechtzeitig die Reisekosten zurückzuschicken, und Swiss gelang das in 5 Prozent der Fälle. 

Die Bilanz des Rankings: Passagiere brauchen in Zeiten der Pandemie jede Menge Geduld. Das sorgte in den letzten Wochen für immer mehr Kritik von Verbraucherschützern und Reiserechtlern. Auch die deutsche Fluggesellschaft Lufthansa musste in diesem Zuge viel Kritik wegen der langen Leitung bei Rückerstattungen einstecken – sogar von der Bundesregierung. 

„Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Lufthansa trotz der massiven staatlichen Hilfen ihren gesetzlichen Verpflichtungen bislang nicht nachkommt“, sagte etwa Wirtschaftsstaatssekretär Ulrich Nußbaum in einem Interview mit dem „Spiegel“. Die Airline hingegen verweist immer wieder auf die Ausnahmesituation: „Ticketerstattungen sind normalerweise Einzelfälle, jetzt sind es Zehntausende am Tag“, erklärte ein Lufthansa-Sprecher erst kürzlich. 

646 Verfahren gegen Vergehen von Airlines eingeleitet

Konkret bedeutet das für Kunden der Airlines: Geduld ist das Wort der Stunde – oder eher des Jahres. Denn auch das Luftfahrtbundesamt ist laut einem Bericht des Online-Portals „aero“ zögerlich, wenn es darum geht, Bußgeld gegen die Fluggesellschaften zu erwirken. Demnach gebe es bisher 646 eingeleitete Verfahren wegen einer Verfehlung durch die Airlines. Und nur in einem Fall wurde bisher ein Bußgeld gegen eine europäische Fluggesellschaft durchgewinkt. 

Ob das allerdings auch im Fall der Lufthansa so bleibt, ist fraglich. Denn wie das Portal weiter berichtet, wurde gegen den deutschen Luftfahrtriesen ein Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen ausstehender Rückerstattungen in Höhe von knapp einer Milliarde Euro eröffnet. Es geht dabei um ein Bußgeld in Höhe von mindestens 500.000 Euro.