Die Touristen, die sonst zu Hunderten und Tausenden mit Pferdekutschen Marokko erkunden, bleiben wegen Corona fern. Für die Tiere ist das fatal: Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur „Associated Press“ (AP) sind Hunderte der Pferde vom Hungertod bedroht, da ihre Besitzer sie nicht mehr ernähren können – weil durch die Corona-Restriktionen seit Monaten Einnahmen fehlen.

Die Gesellschaft zum Schutz von Tieren im Ausland (SPANA) sagte gegenüber „AP“, dass vor allem Kutschpferde, aber auch Esel von den Folgen der zusammengebrochenen Tourismusindustrie bedroht seien. Die Organisation versogte in den ersten Monaten der Pandemie rund 600 Pferde in Marrakesch mit Futter – aber auch dort geht das Geld aus.

Pferde-Tourismus in Marokko: Fünf Familien leben von einer Kutsche

Die Pferde und Esel dienen einzig der Lebensgrundlage ihrer Besitzer – Tausende Menschen sind allein in Marokko von dem Geld durch die Tiere abhängig. Eine Kutsche ernährt rund vier bis fünf Familien, weil Besitzer, Fahrer und Stallburschen mitverdienen.

„Wenn Sie ein Geschäft haben, können Sie es schließen. Wenn Sie Waren verkaufen, lagern Sie sie ein. Aber stellen Sie sich vor, Pferde zu haben, die essen, trinken und medizinisch versorgt werden müssen“, wird der Kutscher Abdeljalil Nouidi zitiert. Die vier Brüder der Familie sind seit zwanzig Jahren im Geschäft und mussten im Juli sieben Pferde verkaufen, um mit den Einnahmen die anderen zu versorgen.

Hassan Lamiri, leitender Tierarzt des SPANA-Zentrums in Marrakesch, sagte „AP“, er behandle zunehmend Koliken bei Pferden und Maultieren. Das sei auf eine Unterernährung zurückzuführen, die für die Tiere potenziell tödlich sein könne. 

Tourismus-Stopp wegen Corona: Kutscher können Pferde nicht mehr ernähren

„Nur der Tourismus kann uns vor dieser Katastrophe, der wir uns gegenübersehen, retten“, wird der Kutscher Abdeljalil Belghaoute zitiert. „Je länger dies so weitergeht, desto mehr werden Pferde und Familien ums Überleben kämpfen. Wir haben wirklich Angst davor, wie schlimm das werden kann.“

Das nordafrikanische Marokko hat seit März die Grenzen dicht gemacht, seither gibt es keinen internationalen Tourismus mehr. Nachdem Bürger des Landes vom Staat aufgefordert wurden, ihr eigenes Land zu bereisen und kennenzulernen, wurden aber auch für einige Gebiete innerhalb des Landes wieder Reiseverbote ausgesprochen. Marokko hat 34.063 bestätigte Corona-Infektionen, 516 sind bisher an den Folgen des Virus gestorben (Stand: 11. August).