Lockdown, Social Distancing und das vorläufige Ende der Reisefreiheit: Die vergangenen Monate haben uns allen viel abverlangt. Da klingt es doch wie ein Traum, hätten wir das ganze Thema Coronavirus einfach übersprungen, um da weiterzumachen, wo wir im Februar aufgehört haben, oder? Das russischer Backpacker-Pärchen Sergei und Svetlana Vivtonenko hat genau das gemacht – und zwar aus Versehen. Wie es dazu kommen konnte? Lies selbst.

Russisches Paar reist trotz Corona durch die israelische Wüste

Die beiden Influencer aus Russland entscheiden sich im Februar spontan dazu, den berühmten Wanderweg Israel National Trail zu erleben. Also buchen sie Flugtickets für ihre erste gemeinsame Auslandsreise und sind nur wenige Tage später mitten in der malerischen Natur Israels unterwegs. 

Und weil sie das Abenteuer auf der rund 100 Kilometer langen Strecke zwischen der Stadt Eilat und der nördlichen Siedlung Dan so intensiv und ungestört wie möglich erleben wollen, bleibt das Handy meistens aus, die Wege werden zunehmend einsamer. Als dann die Coronavirus-Pandemie Israel erreicht, sind die Backpacker mitten in der israelischen Wüste unterwegs, ohne Anbindung an die Zivilisation, davon berichtet das staatliche israelische Verkehrsbüro in Deutschland.

Und es kommt, wie es kommen muss: Sie wandern weiter, entdecken Wälder, verlassene Dörfer und die malerische Küstenlandschaft des Landes. Insgesamt legen sie 650 Kilometer zu Fuß zurück. Vom Coronavirus, das zu dem Zeitpunkt die Welt lahmlegt, bekommen sie nichts mit. Im Gegenteil: Das junge Ehepaar reist im März und April wohl so unbeschwert wie sonst kaum einer auf der Welt zu diesem Zeitpunkt. 

Sergej entdeckt beim Lebensmitteleinkauf eine Veränderung

Als Sergei dann eines Tages in die Stadt fährt, um den Lebensmittelvorrat aufzustocken, ist der Schock groß: Überall laufen die Menschen mit Mundschutz herum. Die Stadt ist leerer als sonst, und irgendwie fühlt er, dass sich etwas verändert hat. Als er schließlich auf eine Gruppe Polizisten trifft, staunen auch sie nicht schlecht. Denn zu diesem Zeitpunkt waren eigentlich keine Touristen mehr in Israel unterwegs.

Sergei muss nachweisen, dass er bis dahin nichts von der Pandemie wusste und wo er die letzten Monate unterwegs war. Und dann platzt die Heile-Welt-Blase des Pärchens von einem Moment auf den nächsten. Denn seither leben die beiden in einem Zelt am Strand von Tel Baruch und warten darauf, dass der Flugverkehr zwischen Russland und Israel wiederaufgenommen wird.

Backpacker warten noch immer auf den Heimflug

Trotzdem blicken sie sehr positiv auf ihre ungewöhnliche Reise zurück, wie das staatliche israelische Verkehrsbüro berichtet. Demnach hätten die Einheimischen sie bei ihrer Reise zu jedem Zeitpunkt unterstützt, einige von ihnen seien mittlerweile gute Freunde geworden. 

Svetlana sagt: „Diese Reise hat unsere Einstellung zur Welt und zu den Menschen verändert. Zum Besseren. Es ist erstaunlich, dass es sich die Israelis zur Aufgabe gemacht haben, die Schönheit der Natur in ihrer ursprünglichen Form zu bewahren.“