Abschied nehmen, immer wieder und oft für längere Zeit. Sich vermissen. Geld sparen, damit ein Wiedersehen möglich wird. Eine Fernbeziehung kann hart sein – das gilt für Paare, die in verschiedenen Städten leben, für Liebende aus verschiedenen Ländern aber noch mehr. Vor allem in der Corona-Pandemie. Stichwort: Grenzschließungen.

Ehepartnerinnen und -partner von Deutschen dürfen zwar seit dem 1. Juli nach Deutschland einreisen. Doch Paare ohne Trauschein stehen noch immer vor geschlossenen Grenzen, sie führen seit Monaten eine Beziehung über Skype und Whatsapp.

#LoveIsNotTourism: Getrennt durch die Corona-Pandemie

Unter dem Hashtag #LoveIsNotTourism (Deutsch: „Liebe ist kein Tourismus”) und #LoveIsEssential (Deutsch: „Liebe ist notwendig“) machen Betroffene in sozialen Netzwerken ihrer Wut und Traurigkeit über die erzwungene Trennung Luft – und es sind viele, sehr viele. Da sind Schwangere, die verzweifelt hoffen, dass der Vater des Kindes noch rechtzeitig zur Geburt kommt. Verlobte, die eigentlich jetzt heiraten wollten und den Termin absagen mussten. Mütter, die ihre Söhne nicht sehen können.

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Einreise in die EU ohne Trauschein verboten

Nicht alle Geschichten sind so dramatisch, doch jede ist bewegend. So wie die von Lívia Monteiro (33) aus Brasilien und Florian Parthey (34) aus Brandenburg. Das Paar hat sich seit mehr als acht Monaten nicht gesehen. „Es ist das erste Mal seit Beginn der Beziehung, dass ich so lange von Florian weg bin“, sagt Lívia im Gespräch mit dem reisereporter.

Kennengelernt haben sich die zwei im November 2017 auf Skype bei einem Familienanruf – die Cousins der beiden sind verheiratet. Die beiden erwischte es sofort, sie sprachen danach täglich miteinander. Im Mai 2018 sahen sie sich zum ersten Mal: Lívia reiste nach Deutschland und blieb für drei Monate, lernte Florians Familie kennen. Danach schafften sie es, sich alle drei bis vier Monate, zuletzt zu ihrem Jahrestag im November 2019, zu sehen.  

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Das nächste Wiedersehen war für den 4. April geplant: Florian wollte mit seiner Tochter aus erster Ehe zu Lívia reisen und ihr Brasilien zeigen. Doch dann kam Corona. Auch der geplante Gegenbesuch im Mai in Deutschland: gestrichen. „Ich verschob den Flug viermal nach hinten – umsonst“, sagt Lívia. „Ich bin sehr traurig, und ich habe Angst.“

Für die beiden gibt es nun jedoch einen Hoffnungsschimmer: Brasilien erlaubt die Einreise von Ausländern seit dem 29. Juli grundsätzlich wieder, Voraussetzung ist der Nachweis über den Abschluss einer in Brasilien gültigen Krankenversicherung. Die beiden planen nun in dem südamerikanischen Land ihr Wiedersehen.

Online-Petition fordert Öffnung der Grenzen für Paare

Umgekehrt ist das aber nicht möglich – Deutschland und die EU erlauben derzeit lediglich Menschen aus elf Ländern die Einreise, nämlich Australien, Kanada, Georgien, Japan, Marokko, Neuseeland, Ruanda, Südkorea, Thailand, Tunesien und Uruguay.

Mehr als 20.000 Menschen haben eine Online-Petition unterschrieben, die fordert: Reiseverbote für Verliebte aufheben, um Paare wieder zu vereinen. Denn weil Liebe nun mal kein Tourismus sei, müssten für Liebende andere Regeln gelten als für Touristen. Als Vorbilder gelten ihnen zum Beispiel Dänemark, die Niederlande und Österreich, die eigene Regelungen aufgesetzt haben. Paare dürfen dort einreisen, wenn sie eine eidesstaatliche Versicherung abgeben, die Beziehung dokumentieren und einen negativen Corona-Test vorweisen können.

Probleme mit diesen Voraussetzungen hat von den getrennten Paaren, die unter dem Hashtag #LoveIsNotTourism für ihre Liebe demonstrieren, niemand. Sie würden vieles in Kauf nehmen, denn, so Lívia: „Wir wollen einfach nur wieder zusammen sein.“