Die Sorge ist groß, dass die Reiserückkehrer-Welle eine zweite Covid-19-Welle mit sich bringt. „Die steigenden Infektionszahlen in Deutschland sind ein deutliches Warnsignal. Rückkehrer aus dem Ausland sollten sich testen lassen“, twitterte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Testpflicht seit Samstag: Nach dem Urlaub zum Corona-Test

Das ist seit Samstag, 1. August, für alle Auslandsurlauber nach der Rückkehr innerhalb von 72 Stunden kostenlos möglich. So sieht es die Testverordnung der Bundesregierung vor. Rückkehrer aus Risikogebieten – wie der Türkei, Spanien oder Ägypten – haben aber keine Wahl mehr: Seit Samstag, 8. August, gilt für sie nun die Testpflicht. Seitdem wurden alleine in Stuttgart tausende Reiserückkehrer getestet. Rund ein Prozent der bundesweiten Tests fiel dabei positiv aus.

Kostenlose Corona-Tests für alle Urlauber, Testpflicht nach Reise in Risikogebiet

Für Urlauber ergeben sich nun viele Fragen: Was gilt künftig für Urlauber? Wo können sich Reiserückkehrer testen lassen? Wer übernimmt die Kosten für die Corona-Tests? Müssen Reiserückkehrer aus Risikogebieten trotzdem in Quarantäne? Und wann müssen sich Urlauber sogar ein zweites Mal testen lassen? Alle Antworten gibt es hier im Überblick:

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Seit wann gilt die Testpflicht?

Jeder Urlauber, der aus dem Ausland zurück nach Deutschland reist, kann sich seit dem 1. August innerhalb von 72 Stunden auf das Coronavirus testen lassen. Diese Möglichkeit gibt es unabhängig davon, ob der Reisende in einem Risikogebiet wie der Türkei, Ägypten oder den USA war oder in einem anderen Land wie Griechenland oder Italien. 

Die Testpflicht kommt wie mehrere Maßnahmen in der Coronavirus-Pandemie recht kurzfristig: Seit Samstag, 8. August, müssen sich alle Rückkehrer aus Risikogebieten auf Corona testen lassen. Das hat Gesundheitsminister Jens Spahn am Donnerstag, 6. August, mitgeteilt. Wenn es möglich ist, sollten die Rückkehrer sich sofort am Flughafen testen lassen.

Das gilt für Urlauber nach Angaben des Gesundheitsministeriums (BMG):

„Wer einreist und sich in den 14 Tagen vor der Einreise in einem Risikogebiet aufgehalten hat, muss nach der Testpflichtverordnung des BMG auf Anforderung des zuständigen Gesundheitsamtes oder der sonstigen vom Land bestimmten Stelle entweder ein negatives Testergebnis auf SARS-CoV-2 nachweisen oder innerhalb von 14 Tagen nach der Einreise einen Test machen. Die konkrete Umsetzung erfolgt durch die Bundesländer.“

Daher, ganz wichtig: Urlauber, die aus einem Risikogebiet zurückkehren, sollten sich unbedingt über die konkreten Regelungen in ihrem Bundesland informieren. In manchen sind sogar zwei Corona-Tests Pflicht, unter anderem in Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg.

Ist der Corona-Test für Urlauber kostenlos?

Ja, die Kosten für Corona-Tests werden für alle deutschen Urlauber, die im Ausland waren, seit dem 1. August übernommen. Sie sind also für die Reisenden kostenlos. Es werden auch die Kosten für einen Wiederholungstest pro Person übernommen, teilt das Gesundheitsministerium mit. Dazu wurde die Bundestestverordnung angepasst.

Voraussetzungen für die Kostenübernahme sind:

  • Der Test wird bis zu 72 Stunden nach der Rückkehr gemacht. 
  • Der Reisende kann nachweisen, dass er im Ausland war – zum Beispiel durch einen Boarding-Pass, ein Ticket oder eine Hotelrechnung.

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Wo können sich Urlauber testen lassen?

Ein Corona-Test ist zum Beispiel bereits an vielen Flughäfen in Deutschland möglich, in einem Testzentrum. Doch die Kapazitäten dort sind begrenzt. Sollte ein Test am Airport nicht möglich sein, dann können sich Reiserückkehrer auch telefonisch beim Hausarzt oder an einer anderen Stelle melden.

Noch unsicher? Unter der Service-Telefonnummer 116117 oder beim örtlichen Gesundheitsamt können Reiserückkehrer erfragen, wo Tests möglich sind.

Coronateststation im Flughafen Berlin-Schönefeld. Wer aus einem Risikogebiet kommt, kann sich testen lassen.

Können sich Urlauber auch schon im Urlaub testen lassen?

Reisende können am Flughafen in Deutschland auch ein negatives Testergebnos vorweisen, das nicht älter als 48 Stunden ist. Heißt konkret: Auch im Ausland können sie sich testen lassen. Voraussetzungen dafür sind: 

  • Der Test muss in einem Mitgliedstaat der Europäischen Union oder in einem sonstigen durch das Robert Koch-Institut unter aufgeführten Staat durchgeführt worden sein (Liste gibt es online).
  • Das Testergebnis darf bei der Einreise maximal 48 Stunden alt sein.
  • Die Testbescheinigung muss in Deutscher oder Englisch verfasst sein.

Müssen Reiserückkehrer aus Risikogebieten noch in Quarantäne?

Die Quarantäne-Regelungen nach der Einreise aus einem Risikogebiet gelten weiterhin. Heißt: Wer keinen negativen Corona-Test vorweisen kann, der maximal 48 Stunden alt ist, muss 14 Tage in häusliche Isolation.

Konkret bedeutet das: Besuche bei Freunden, arbeiten, spazieren gehen und einkaufen bleiben dann tabu. Reiserückkehrer aus Risikogebieten müssen sich zudem direkt nach der Rückkehr bei ihrem Gesundheitsamt melden – nicht erst nach Erhalt des Testergebnisses.

Ausschilderung zum Testzentrum am Frankfurter Flughafen.

Mit der Einführung der Corona-Testpflicht gilt: Nach der Rückkehr müssen sich die Reiserückkehrer aus Risikogebieten testen lassen und dann direkt nach Hause fahren und dort in Quarantäne bleiben und auf das Ergebnis warten. Je nach Auslastung der Testzentren sollte das Testergebnis nach etwa 24 bis 48 Stunden vorliegen, teilt das Gesundheitsministerium mit. 

Konsequenzen nach negativem Testergebnis: Dürfen Reiserückkehrer wieder das Haus verlassen?

Die Umsetzung der Regelungen ist Ländersache – und daher wird es an dieser Stelle wieder komplizierter. Denn in der Regel bedeutet ein negatives Testergebnis, dass die Reiserückkehrer dann die häusliche Isolation verlassen dürfen. 

Ausnahmen bilten unter anderem Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern. In den Bundesländern müssen Reiserückkehrer aus Risikogebieten erst einen zweiten negativen Test frühestens fünf Tage nach der Rückkehr vorweisen können, bevor sie die Quarantäne verlassen dürfen. Ob andere Bundesländer nachziehen könnten? Bislang ist das unklar.

Unabhängig davon gilt: Treten innerhalb von 14 Tagen nach der Einreise aus dem Risikogebiet typische Covid-19-Symptome auf – wie Atemnot, neu auftretender Husten, Fieber oder Geruchs- oder Geschmacksverlust – muss umgehend das zuständige Gesundheitsamt informiert werden.

Ist das Ergebnis des Corona-Tests am Flughafen sicher?

„Durch diese zusätzlichen Tests entdecken wir viel mehr Infektionen als vorher, das ist ein Sicherheitsgewinn“, das sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Die Positivtestungen bei Urlaubsrückkehrern sei in der Relation höher: Während bei Tests in Deutschland 0,8 Prozent positiv seien, liege die Anzahl der positiven Tests bei Rückkehrern je nach Flughafen bei teilweise über zwei Prozent.

Über die Sinnhaftigkeit von Corona-Tests unmittelbar nach der Landung wird allerdings kontrovers diskutiert. Denn ein einzelner Test gilt nicht als sicher. Grund dafür ist, dass gängige Tests auf eine akute Corona-Infektion die sogenannten PCR-Tests sind. Dabei nehmen Helfer in der Regel mit einem Stäbchen Abstriche aus Nase oder Rachen, die dann auf Erbgut des Erregers Sars-CoV-2 hin untersucht werden. Es kann aber vorkommen, dass das Virus bei einem erst kürzlich Infizierten zum Testzeitpunkt noch nicht nachweisbar ist, wenn die sogenannte Viruslast in seinem Rachen noch zu gering ist.

„Eine negative Testung kann immer nur eine Momentaufnahme darstellen“, heißt es daher auch im Beschluss der Gesundheitsminister. Fünf bis sieben Tage nach dem Einreise-Test sei ein Wiederholungstest sinnvoll. Wer nach einem negativen Test unklare Symptome habe, müsse unverzüglich Kontakt zu einem Arzt aufnehmen. „Wir appellieren an die Eigenverantwortung aller Reisenden.“

Und wer kontrolliert Urlauber, die Auto oder Zug fahren?

Die Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten ist bei Flugreisenden einfach umzusetzen als bei Menschen, die das Auto oder den Zug nutzen. Hierzu teilt das Gesundheitsministerium mit: „Grenznah können durch die zuständigen Behörden Stichprobenkontrollen durchgeführt werden.“

Was passiert bei einem Verstoß gegen die Testpflicht?

Reisende aus Risikogebieten sind verpflichtet, sich unverzüglich nach Rückkehr beim zuständigen Gesundheitsamt zu melden und dort auch Angaben über mögliche Symptome und einen Test zu machen. Eine Testpflicht macht aber nur Sinn, wenn es auch Sanktionen bei Nichtbeachtung gibt. Wie wird die Testpflicht also kontrolliert und was droht Verweigerern?

Beim Bundesgesundheitsministerium heißt es dazu: „Bei Verstoß gegen die (...) Pflichten zur Meldung, Testung, Nachweiserbringung oder häusliche Quarantäne können durch die zuständigen Behörden vor Ort Bußgelder verhängt werden.“ Die lokalen Behörden führen Stichprobenkontrollen zur Überwachung der häuslichen Quarantäne durch. Beim Verstoß seien Strafen bis zu 25.000 Euro möglich, so Bundesgesundheitsminister Spahn. Das sei aber von den Regelungen in den Budnesländern abhängig.

Vor der direkten Einreise aus einem Risikogebiet mit dem Flugzeug, Schiff, Zug oder Bus müssen die Reisenden dagegen sogenannte Aussteigekarten ausfüllen und dabei auch Angaben zu Symptomen und zu einem vorhandenen Testergebnis machen. Die Karten werden eingesammelt und an die Gesundheitsbehörden am Wohnort beziehungsweise Zielort der Reisenden in Deutschland weitergegeben. 

Welche Länder gelten als Risikogebiete?

Zu den vom Robert-Koch-Institut (RKI) als Risikogebiete ausgewiesenen Regionen im Ausland zählen mehr als 130 Länder beziehungsweise Regionen weltweit, unter anderem beliebte Ziele wie Spanien, Ägypten und die Türkei. Für die meisten dieser Staaten gilt auch die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes.

Die vollständige RKI-Liste der Risikogebiete

Afghanistan – Ägypten – Albanien – Algerien – Angola – Antigua und Barbuda – Äquatorialguinea –Argentinien – Armenien – Aserbaidschan – Äthiopien – Bahamas – Bahrain – Bangladesch – Barbados – Belarus – Belgien (nur die Provinz Antwerpen) – Belize – Benin – Bhutan – Bolivien – Bosnien und Herzegowina – Brasilien – Burkina Faso – Burundi – Cabo Verde – Chile – Costa Rica – Côte d’Ivoire – Dominica – Dominikanische Republik – Dschibuti – Ecuador – El Salvador – Eritrea – Eswatini – Gabun – Gambia – Ghana – Grenada – Guatemala – Guinea – Guinea-Bissau – Guyana – Haiti – Honduras – Indien – Indonesien – Irak – Iran – Israel – Jamaika – Jemen – Kamerun – Kasachstan – Katar – Kenia – Kirgisistan – Kolumbien – Komoren – Kongo DR – Kongo Rep. – Korea (Volksrepublik) – Kosovo – Kuba – Kuwait – Lesotho – Libanon – Liberia – Libyen – Luxemburg – Madagaskar – Malawi – Malediven – Mali – Marokko – Mauretanien – Mexiko – Mongolei – Montenegro – Mosambik – Namibia – Nepal – Nicaragua – Niger – Nigeria – Nordmazedonien – Oman – Pakistan – Palästinensische Gebiete – Panama – Papua-Neuguinea – Paraguay – Peru – Philippinen – Republik Moldau – Russische Föderation – Saint Kitts und Nevis – Saint Lucia – Saint Vincent und die Grenadinen – Sambia – São Tomé und Príncipe – Saudi-Arabien – Senegal – Serbien – Seychellen – Sierra Leone – Simbabwe – Somalia – Spanien (außer die Kanarischen Inseln) – Sri Lanka – Südafrika – Sudan – Südsudan – Surinam – Syrische Arabische Republik – Tadschikistan – Tansania – Timor Leste (Osttimor) – Togo – Trinidad Tobago – Tschad – Türkei – Turkmenistan – Ukraine – USA – Usbekistan – Venezuela – Zentralafrikanische Republik

(zuletzt vom RKI aktualisiert am 14. August)