Ein ganzes Abteil oder mehrere Sitzreihen für sich: So sah Zugfahren während des Lockdowns aus. Kaum jemand war unterwegs. Mittlerweile sieht das wieder ganz anders aus: Die Corona-Regelungen wurden gelockert, damit sind wieder viel mehr Menschen unterwegs. Abstand? Der ist oft kaum möglich. Nur den Fensterplatz besetzen und eine eigene Sitzreihe für sich haben? Diese Garantie gibt es nicht mehr.

Da stellt sich die Frage: Wie sicher sind Bahnreisen während Corona-Zeiten also? 

Studie: Fernreisen mit dem Zug sind ein Corona-Risiko

Wissenschaftler aus China und Großbritannien haben untersucht, wie groß das Risiko einer Ansteckung in öffentlichen Verkehrsmitteln ist. Und sie sind überzeugt, dass lange Aufenthalte in vollen Zügen ein Risiko darstellen. Der dringende Rat der Studie: Die Personendichte müsse in Zügen so stark minimiert werden wie möglich. 

Die Wissenschaftler geben sogar konkrete Abstandsregeln: mindestens einen Meter Distanz bei Fahrten bis zu einer Stunde, zweieinhalb Meter bei Reisen, die länger als zwei Stunden dauern. Außerdem sollte die Pflicht zur Verwendung von persönlichen Hygieneschutzmitteln wie Masken oder Desinfektionsmittel durchgesetzt werden.

Wie hält es die Deutsche Bahn? Welche Hygienemaßnahmen gibt es, und wie werden sie umgesetzt? Der reisereporter klärt die wichtigsten Fragen. 

Wann gilt die Maskenpflicht bei der DB und wie wird sie umgesetzt?

In allen Zügen der Deutschen Bahn gilt die Maskenpflicht. Das bedeutet, die Mund-Nasen-Bedeckung muss in S-Bahnen, Regionalbahnen, IC und ICE während der gesamten Zeit getragen werden. Das gilt für Fahrgäste genauso wie für das Zugpersonal. Einzige Ausnahme: Beim Essen oder Trinken darf die Maske abgesetzt werden. Die Maskenpflicht wird von den Bahnmitarbeitern kontrolliert.

Was passiert, wenn Fahrgäste keine Maske in der Bahn tragen?

Maske vergessen? Für Fahrgäste, die keine Mund-Nasen-Bedeckung dabeihaben, werden in den Bordbistros der Fernzüge Masken für 1,50 Euro verkauft, teilt die Bahn mit.

Während die Bahn lange Zeit nur an Fahrgäste appelliert hat, die Bedeckung zu tragen, die Pflicht aber nicht konsequent durchgesetzt hat, soll das nun anders werden: Wer keine Maske dabeihat oder sich weigert, soll in letzter Konsequenz aussteigen müssen. Denn die Bahn will die Einhaltung der Maskenpflicht in Zügen zum Schutz vor dem Coronavirus notfalls mit Verweisen durchsetzen.

Die Fahrgäste werden beim nächsten Halt rausgeworfen, zusammen mit der Bundespolizei werde dies auch „konsequent“ umgesetzt, teilt die Bahn mit.  

Verstoß gegen Maskenpflicht in der Bahn: Ist ein Rausschmiss erlaubt?

Die Verweise sind laut der Eisenbahn-Verkehrsordnung rechtens, darin heißt es in § 4 „Ausschluss von der Beförderung“: „Personen, die eine Gefahr für die Sicherheit und Ordnung des Betriebes oder für die Sicherheit der Mitreisenden darstellen oder den Anordnungen des Eisenbahnpersonals nicht folgen, können von der Beförderung ausgeschlossen werden. Sie haben keinen Anspruch auf Erstattung von Fahrpreis oder Gepäckfracht.“

Stoppt die Deutsche Bahn den Ticketverkauf bei hoher Auslastung?

Beim Buchen eines Tickets können Fahrgäste sich an der neuen Auslastungsanzeige orientieren. Auf der Website der Bahn und der DB-Navigator-App sehen Kunden, wenn Züge zu mindestens 50 Prozent ausgelastet sind. So sollen sie die Möglichkeit haben, auf weniger belegte Verbindungen auszuweichen. 

Die Zahl der Reservierungen werde begrenzt, teilt die Bahn mit. Bei Zügen mit voraussichtlich sehr hoher Auslastung kann der Ticketverkauf zudem ausgesetzt werden. Spontan einsteigen in einen Zug ist aber immer noch drin, betont der Konzern. Daher sollen im gesamten Zug ausreichend Sitzplätze ohne Reservierungen verfügbar bleiben.

Diese Zugverbindungen sind besonders beliebt

Einige Zugverbindungen sind stärker nachgefragt als andere. Dazu zählen unter anderem folgende Strecken, auf denen die Bahn Züge mit der doppelten Zahl an Sitzplätzen einsetze:

  • München–Dortmund via Nürnberg, Frankfurt am Main und Köln
  • München–Dortmund via Stuttgart 
  • Köln–Dortmund via Karlsruhe und Köln
  • Basel–Dortmund via Karlsruhe und Köln

Auch beliebte Urlaubsziele wie Rügen und die Ostfriesischen Inseln in Deutschland sowie Tirol in Österreich sollen noch öfter angefahren werden.

Sorgt die Klimaanlage im Zug für ein geringeres Infektionsrisiko?

Der Chef der Tochtergesellschaft DB-Fernverkehr, Michael Peterson, betonte gegenüber der Wochenzeitung „Die Zeit“: „Derzeit gibt es weltweit keinen bekannten Übertragungsfall aus einem Fernverkehrszug.“ Auch Infektionen von Bahnmitarbeitern im Fernverkehr kämen deutlich seltener vor als im Bevölkerungsdurchschnitt. 

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Peterson führte dies vor allem auf die Klimaanlagen in den Zügen zurück: „Alle siebeneinhalb Minuten wird die Luft durch die Klimaanlage komplett mit Frischluft erneuert, Umluft wird gefiltert.“ Es gebe einen hohen Frischluftanteil und bei jedem Halt würden die Türen geöffnet.

Wie werden die Züge gereinigt?

Oberflächen zu desinfizieren ist in Zeiten der Pandemie wichtig: Werden die Reinigungszyklen in den Zügen verstärkt? Die Deutsche Bahn teilt dazu mit: „Die Kontaktflächen an und in den Zügen werden verstärkt gereinigt. Die Fahrzeuge des Fernverkehrs unterliegen ohnehin einer engmaschigen Innenreinigung. Auch im Regionalverkehr haben wir die Reinigung insbesondere der Kontaktflächen intensiviert.“ 

Die Mitarbeiter seien zudem mit Desinfektionsmitteln ausgestattet. Das Instandhaltungs- und Reinigungspersonal achtet derzeit besonders auf die Vollständigkeit und das Auffüllen von Seifen- und Desinfektionsmittelspendern in den Zugtoiletten.