Das Coronavirus hat die Reisebranche komplett auf den Kopf gestellt. Erst wurden fast alle Reise- und Übernachtungsmöglichkeiten eingestellt, dann öffneten Hotels weltweit wieder schrittweise unter Einschränkungen. Mittlerweile kehrt langsam ein gewisses Maß an Normalität ein, trotz Maskenpflicht, Spuckschutz, Abstandsregelungen und Desinfektionsmittel.

Haben die Corona-Regeln auch Auswirkungen auf die Reisetrends? Wie sehen die Hotels und ihre Zimmer in Zukunft aus? Werden mehr Hotels gebaut oder bereits bestehende ausgebaut? Welche Hygieneregeln bleiben nach der Pandemie erhalten?

Kreative Hotelzimmer und Themenhotels sind die Trends der Zukunft

Mecklenburg-Vorpommerns Dehoga-Präsident Lars Schwarz prophezeit Individualität statt Massenware: „Urlauber präferieren immer mehr kleinere Hotels, die individuell gestaltet sind“, sagt er im Gespräch mit dem reisereporter. Allerdings sei es in den Städten schwer, kleine Einheiten zu bauen, da sich durch die hohen Grundstückspreise nur Gästehäuser mit vielen Zimmern rentierten. 

Um den Gast dennoch bei Laune zu halten, gebe es immer mehr kreativ gestaltete Hotelzimmer oder sogar ganze Themenhotels, die Geschichten erzählen und ein Alleinstellungsmerkmal bieten. Denn: „Der Gast möchte ein Erlebnis, nicht nur ein Zimmer mit Bett, Spiegel und Schrank“, sagt Schwarz.

Übernachtungsmöglichkeiten am See könnten das Binnenland erobern

In Deutschland gibt es bereits verschiedene verrückte Themenhotels – von Weinfass und Wasserturm bis hin zu märchenhaften Baumhaushotels und wandernden Schlaf-Würfeln in der ganzen Bundesrepublik. 

Schwarz könnte sich auch vorstellen, dass Übernachtungs-Strandkörbe das Binnenland erobern könnten. „Speziell an Flüssen hätten Schlafstrandkörbe, wie es sie bereits an der Ostsee gibt, großes Potenzial.“ 

Denn: An den Stränden von Mecklenburg-Vorpommern wird es keine weiteren Übernachtungsmöglichkeiten mehr geben. Sie gelten als Naturschutzgebiete. Normalerweise ist das Übernachten dort nicht gestattet. „Weitere Strandmuscheln oder andere Varianten wären deshalb im Binnenland eine tolle Ergänzung des bereits bestehenden Angebots.“

Mehr neue Hotels in Zukunft: Rund 112.500 zusätzliche Hotelzimmer bis 2022

Laut dem Informationsdienstleister Top-Hotel-Objects gab es zum Jahresbeginn 2020 in Deutschland 777 Hotelbauprojekte, darunter Neubauten, Anbauten und Umbauten. Betrachtet man die geplanten Hotelbauprojekte nach der Art der Baumaßnahme, dann zeigt sich, dass Hotelneubauten mit 569 Projekten den größten Anteil der Baumaßnahmen ausmachen und auch das größte Wachstum aufweisen. Die Anzahl der Hotelumbauten lag hingegen nur bei 152 Projekten. 

Werden alle angekündigten 777 Investitionsprojekte trotz Corona-Krise realisiert, drängen in den nächsten drei Jahren weitere 112.465 zusätzliche Hotelzimmer auf den deutschen Hotelmarkt, heißt es seitens des Hotelverbands Deutschland.

Mehr Drei-Sterne-Hotels werden in den nächsten Jahren gebaut

Der Schwerpunkt der Hotelplanungen liegt dabei im Mittelklasse-Segment bei drei Sternen. Dort gibt es insgesamt 327 Projekte. Damit ist die Zahl der Hotelbauprojekte im Drei-Sterne-Segment erstmals seit zehn Jahren höher als die Projektzahl im First-Class-Segment mit 284 Projekten.

Statt zahlreicher Umbauten erwarten die Urlauber in Deutschland bis Ende 2022 laut der Datenerhebung von Top-Hotel-Objects also rund 45.580 Zimmer als neue Übernachtungsmöglichkeiten im Drei-Sterne-Segment. 

Ob Luxus-Hotel oder Mittelklasse, ob Neubau oder Umbau – in Zeiten der Corona-Pandemie stellt sich die Frage: Bleiben in Zukunft Corona-Maßnahmen erhalten?

Diese Corona-Maßnahmen in Hotels könnten auch in Zukunft bleiben 

Denn schließlich bauten die Hoteliers für die Wiedereröffnung in der Corona-Pandemie gerade ihre Hotels fleißig um. Es wurden Plexiglas-Trennscheiben für die Rezeptions-Tresen eingesetzt, Abstandsmarkierungen auf den Fußboden geklebt, Desinfektions-Spender in allen öffentlichen Bereichen montiert: Eingang, Lobby, Frühstücksraum und Toiletten. Auch umfangreiche Hygienemaßnahmen wurden umgesetzt. So müssen die Mitarbeiter Masken tragen und die Zimmer nach Abreise der Gäste vollständig desinfizieren.

„Das alles hat uns Hoteliers aus heiterem Himmel erwischt. Es hat gezeigt, wo die Branche am empfindlichsten ist“, sagt Schwarz, der selbst Inhaber des Hotels Mecklenburger Hof im Landkreis Rostock ist. „Ich glaube, die Maske wird uns noch lange begleiten, schätzungsweise 18 Monate bis zweieinhalb Jahre. Es bleibt abzuwarten, ob ein Corona-Impfstoff daran was ändert.“

Auch die Desinfektions-Spender an den Eingängen, Toiletten oder am Büfett könnten sich laut Schwarz nach Corona durchsetzen: „Die Urlauber gewöhnen sich an gewisse Standards. Auch unabhängig von der Pandemie lässt sich proaktiv gegen Bakterien und Viren vorgehen. Angeschafft sind die Spender ja schon. Deshalb werde ich die Desinfektionsmittel auch in Zukunft in meinem Hotel anbieten.“