Die Reiselust ist im Sommer 2022 fast wieder so groß wie im Rekordjahr 2019. Wer seinen Urlaub noch nicht gebucht hat, sollte sich sputen. Knapp werden die Kapazitäten vor allem an den beliebtesten Zielen – und die liegen an Nordsee und Ostsee, in Spanien, Griechenland und in der Türkei am westlichen und östlichen Mittelmeer.

Wer last minute bucht, muss sich auf höhere Preise einstellen: „Das Angebot an Last-Minute-Reisen wird in diesem Sommer sicher kleiner ausfallen“, sagt DRV-Präsident Norbert Fiebig Fiebig dem reisereporter. Je kurzfristiger gebucht wird, desto teurer können Restplätze werden. „Für Mallorca dürfte es zum Beispiel etwas schwieriger sein. Wohingegen in der Türkei trotz der bereits guten Nachfrage das Angebot noch größer sein dürfte“, so Fiebig. Tui teilte bereits im Frühjahr mit, dass beispielsweise auf den griechischen Inseln Kreta, Rhodos, Korfu und Kos die Preise anziehen, weil Kontingente für den Sommer knapp würden.

Last-minute-Reise: Was ist das eigentlich?

Der Begriff Last-minute-Angebot ist weder geschützt noch eindeutig definiert. Allerdings sind Reiseanbieter nur dazu berechtigt, den Zusatz zu verwenden, wenn der Trip nicht länger als 14 Tage vor Antritt buchbar ist. Dazu kommt ein günstiger Preis als Voraussetzung. „Alles andere ist nach Rechtsprechung Etikettenschwindel“, erklärt Gerrit Cegielka, Reiserechtsexperte der Verbraucherzentrale Bremen. Herkömmlicherweise plant die Touristik die Aktionen daher vor. 

Damit du vor deinem wohlverdienten Urlaub nicht in Last-minute-Panik verfällst, zeigt der reisereporter dir im Überblick fünf Fehler, die du bei der Buchung vermeiden solltest.

Aktuelle Deals

1. Nicht flexibel sein

Hast du schon einmal von dem Gesetz Angebot und Nachfrage gehört? Das kann dazu führen, dass Last-minute-Bucherinnen und -Bucher für beliebte Ziele oft mehr zahlen. Dahinter steckt folgendes Prinzip: Wenn viele Anfragen auf eine geringere Kapazität treffen, dann werden die noch vorhandenen Angebote teuer. Spontanbuchende müssen daher an beliebten Zielen oftmals mehr Geld in die Hand nehmen – für Restkapazitäten könnten die Preise dann entsprechend hoch sein, hat Ulf Sonntag, Leiter der Marktforschung am Institut für Tourismusforschung in Nordeuropa, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland erklärt.

Das könnte in diesem Jahr passieren, wenn viele Deutsche gleichzeitig auf die Idee kommen, kurzfristig Sommerurlaub in Spanien, Griechenland, Italien oder der Türkei zu buchen.

Was passieren kann, wenn die aufgestaute Reiselust auf geringere Kapazitäten trifft, zeigt das Beispiel der Mietwagen. Für das Jahr 2022 wurden laut „billiger-mietwagen.de“ rund 580.000 neue Mietwagen in der EU verteilt worden, 2019 seien es noch 1,3 Millionen gewesen.

Die Folge: Vor allem Kurzentschlossene müssen sich auf extrem hohe Preise einstellen. Auf Mallorca lägen die Preise für den Sommer 55 Prozent über denen von 2021 – und sogar 248 Prozent über denen von 2019. In Italien muss mit einem durchschnittlichen Plus von 130 Prozent im Vergleich zum Vorkrisenniveau gerechnet werden, in Portugal mit 93 Prozent, und in Griechenland mit 92 Prozent. Hinzu kommt der Preisanstieg beim Treibstoff. 

Das heißt: Wer kurzfristig buchen möchte, sollte daher relativ flexibel sein, was Termin, Reiseziel und Unterkunft betrifft.

Weiterlesen nach der Anzeige

Anzeige

2. Gleich das erste Angebot annehmen

Allen, die ihren Urlaub kurz entschlossen planen, rät Cegielka zu einem Vergleich der Konditionen und der Preise. Denn der Markt steckt voller Angebote – ob in Reisebüros, im Internet oder an Last-minute-Schaltern am Flughafen. 

Doch Vorsicht: Nicht alles, was sich Schnäppchen nennt, ist tatsächlich ein Preishit. „Manche Angebote sind nur deshalb billiger, weil die Anbieter sie um bestimmte Leistungen wie Halbpension oder Transfer kürzen“, weiß der Reiserechtsexperte.

Wer sich unsicher ist, hat außerdem die Möglichkeit, sich beraten zu lassen. Laut Heinen entstehen hierbei keine zusätzlichen Kosten: „Die Veranstalter bieten Pauschalreisen auf allen Kanälen zum gleichen Preis an.“ Für Flüge gelte das jedoch nicht.

Grundsätzlich gilt: Angebote mit einer ausführlichen Beschreibung einzelner Reisekomponenten wirken nicht nur seriöser. Sie sind im Zweifelsfall auch die sicherere Variante.

Denn einige Veranstalter geben bei Last-minute-Angeboten nur Eckdaten, etwa den Zielort, die Kategorie der Unterkunft und die Art der Verpflegung an. Doch je mehr Einzelheiten bekannt sind, desto besser ist der potenzielle Urlauber in der Lage dazu, die Reise zu beurteilen. So sagt die Bezeichnung Vier-Sterne-Hotel beispielsweise nichts über die Lage und Größe der Zimmer aus.

3. Auf Betrüger hereinfallen

Auch auf dem kurzfristigen Reisemarkt tummeln sich mittlerweile clevere Betrüger. Deshalb gilt: Nur über seriöse Portale buchen und niemals den Gesamtpreis sofort zahlen. Einzige Ausnahme hierbei: Wenn die Abreise bereits in wenigen Tagen ist, dann ist der Gesamtpreis oftmals direkt fällig. 

Wenn du nur eine Last-minute-Unterkunft buchen möchtest, dann solltest du auch auf die Bewertungen achten und die Bilder der Unterkunft aufmerksam prüfen.

4. Auf die geplanten Flugzeiten bestehen

In Krisen-Zeiten ist so gut wie nichts wirklich sicher. Das trifft auch auf Flugzeiten zu. Viele Airlines bieten derzeit Flugtickets zu Schnäppchenpreisen an, darunter oftmals Last-minute-Flüge.

Das hat aber einen einfachen wie logischen Grund: Die Flugzeiten können sich jederzeit spontan ändern. Und damit du nicht gestresst am Airport stehst und deine Reise mit Wut im Bauch startest, stell dich schon vorab darauf ein, dass es zu Verzögerungen und Änderungen im Ablauf kommen kann – nicht zuletzt wegen des Personalmangels in der Luftfahrt

Reisende sollten daher informiert bleiben, wie es um den Status ihres Fluges bestellt ist, und rechtzeitig am Airport sein. Und zwar mehr als die sonst typischen zwei Stunden, so eine Expertin: „Generell sollten sich Reisende aktuell noch früher am Flughafen einfinden als sonst - mindestens zweieinhalb bis drei Stunden vor Abflug“, empfiehlt die Leiterin für Sicherheits- und Krisenmanagement beim Reisekonzern DER Touristik, Melanie Gerhardt.

Und wenn es dann doch glatt läuft, umso besser.

5. Einen normalen Urlaub erwarten

Egal, wie weit du von zu Hause weg bist, Corona wird auch dort ihren Tribut fordern. Der Urlaub wird also vermutlich nicht so werden, wie du ihn aus den Jahren vor der Pandemie kennst. Aber das bedeutet nicht unbedingt, dass er schlechter werden muss.

Zwar gelten vielerorts kaum noch Corona-Regeln, du solltest dich aber sicherheitshalber über geltende Einschränkungen an dem Ort deiner Wahl informieren. Das geht zum Beispiel auf der Landesseite des Auswärtigen Amtes.

Hinzu kommt: Die Tourismusbranche leidet unter massivem Personalmangel, ob in der Luftfahrtbranche, in Hotels oder in Restaurants. Das hat Folgen für Urlauberinnen und Urlauber. Sie müssen sich auf lange Wartezeiten am Flughafen einstellen. Und immer häufiger führen Hotels und Restaurants Ruhetage ein, schränken Öffnungszeiten ein oder reduzieren Angebote – etwa, indem sie den Mittagstisch streichen oder den Pool nicht öffnen.