Ein Blick in die aktuellen Nachrichten zeigt: Airlines kämpfen mit den Folgen der Coronavirus-Pandemie. Wie hart es die Branche getroffen hat, das zeigt nicht zuletzt die Mitteilung der Lufthansa: Trotz Staatskredit zieht die Airline nun auch Kündigungen in Deutschland in Erwägung. Wegen der großen Verluste in der ersten Jahreshälfte – ein Rekordminus bei Buchungen von 96 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – ist dieser Schritt wohl auch kein Wunder. Eines aber wird dadurch auch den Passagieren deutlich: Die Luftfahrtbranche braucht jeden Cent. 

Umso überraschter dürften Reisende allerdings sein, wenn sie dieser Tage einen Flug buchen wollen. Denn die Suchmaschine Skyscanner und die Google-Flugsuche zeichnen ein anderes Bild. Dort finden Suchende nämlich alles andere als Wucherpreise vor. Im Gegenteil: Vom internationalen Airport in Frankfurt am Main können Urlauber schon für 45 Euro nach London fliegen, nach Mailand geht es für 41 Euro, und Barcelona erreichen sie mit einem Ticket für 46 Euro. 

Aktuelle Deals

Flugtickets teilweise so günstig wie vor Corona

Die Angebote stammen von verschiedenen Airlines und bewegen sich damit teilweise sogar auf einem Preisniveau, das unter dem vor der Krise liegt. Um zu verstehen, warum so günstige Flugpreise alles andere als wirtschaftlich sein können, sollte man die Zusammensetzung eines Ticketpreises kennen. Denn der Preis, den du am Ende für dein Ticket bezahlst, besteht aus dem Flugpreis für die Airline, Steuern und Gebühren, die darauf anfallen, und Servicepauschalen. Dass da bei rund 40 Euro Gesamtpreis am Ende nicht mehr viel übrig bleibt, ist klar, oder?

Aber warum bieten einige Airlines trotz existenzieller Krise wieder solche Billigpreise an? Claudia Nehring, Sprecherin des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), sagt im Gespräch mit dem reisereporter: „Jetzt in der Wiederanlaufphase verkaufen manche Fluggesellschaften Tickets zu Aktionspreisen, damit die Nachfrage wieder steigt.“

Auch Tourismusforscher Jürgen Schmude sieht in den Flug-Schnäppchen eine Reaktion auf die niedrige Nachfrage. „Anreize über den Preis setzen – das ist ein typischer Reflex der Anbieterseite. Denn: Ist der Preis sexy genug, werden Bedenken bezüglich der Sicherheit beziehungsweise Gesundheit hintangestellt. “

Langfristig rechnet der BDL mit Preisanstieg im Luftverkehr

Grundsätzlich sei laut Nehring aber bereits eine leichte Steigerung der Flugpreise an deutschen Airports zu erkennen, insbesondere im Europaverkehr und im innerdeutschen Verkehr. Und: „Mittel- bis langfristig erwarten wir eher einen weiteren Anstieg der Ticketpreise.“ Eine Prognose dahingehend sei aber schwer zu machen, da der Flugpreis von vielen unsicheren Faktoren wie dem Kerosinpreis und der kaum abschätzbaren Wettbewerbssituation abhängig sei.

Wissenschaftler Schmude geht auch davon aus, dass die Flugpreise langfristig wieder steigen werden. „Wir kennen diesen Mechanismus aus anderen Krisen auch, das funktioniert aber nur vorübergehend, denn wirtschaftlich ist das für die Unternehmen nicht.“ Bevor die Preise aber wieder anziehen, könne es zu einem weiteren Preisabsturz kommen. Denn: „Die Frage dabei ist immer: Wann ist der Preis sexy genug?“ Und die aktuellen Passagierzahlen zeigen: Da ist noch Luft nach oben.