Droht mit den geöffneten Grenzen, der aufgehobenen Reisewarnung für viele Länder und dem Sommerurlaub nun die zweite Corona-Welle? Diese Sorge treibt aktuell viele Touristen um. Während in Deutschland darüber diskutiert wird, ob die zweite Welle gar schon begonnen hat, ist das in anderen Ländern definitiv der Fall.

In Frankreich beispielsweise steigen die Corona-Zahlen deutlich an. Großbritannien hat das Land deshalb als Risikogebiet eingestuft – 500.000 britische Urlauber haben von der Regierung 30 Stunden Zeit zum Ausreisen bekommen, bevor eine Quarantänepflicht gilt. Auch Frankreich selbst hat aufgrund der steigenden Neuinfektionen die beiden Städte Paris und Marseille als Risikogebiete eingestuft. 

Auch in Australien sind die Zahlen im Bundesstaat Victoria so deutlich angestiegen, dass der Notstand ausgerufen wurde. Die Folge: Ausgangssperre. Ebenso weisen die Länder Japan und Luxemburg aktuell ähnliche wellenartige Statistiken auf.

Urlaub in Kroatien, Spanien oder Griechenland: Droht die zweite Corona-Welle? 

Teilweise stark steigen derzeit auch in diesen beliebten Urlaubsländern in Europa die Coronavirus-Zahlen an: Spanien, Kroatien, Griechenland und Bulgarien. Hat das Auswirkungen für Urlauber im Sommer, etwa bezüglich der Einreise, der Hygieneregeln vor Ort oder der Rückreise?

Immer mehr Länder in Europa wieder Risikogebiete

Seit Freitag, 14. August 2020, gilt Spanien wieder als Risikogebiet. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat das Land – mit Ausnahme der Kanaren – auf die Liste der Risikogebiete gesetzt, auch das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in das Land. Zunächst waren nur die drei Regionen Aragón, Katalonien und Navarra als solche ausgewiesen worden, am 11. August folgten dann Madrid und das Baskenland.  

Auch Luxemburg, Montenegro und Serbien stehen als Länder auf der Risikogebiete-Liste, es gilt auch eine Reisewarnung. In Bulgarien gelten derzeit die Verwaltungsbezirke Blagoewgrad, Dobritsch und Warna als Risikogebiete. In Belgien ist die Region Antwerpen ebenfalls als Risikogebiet ausgewiesen.

Wer in ein Risikogebiet reist, muss nach der Rückkehr innerhalb von 72 Stunden einen Corona-Test machen. Wer kein negatives Ergebnis vorweisen kann, muss 14 Tage in häusliche Quarantäne. 

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Urlaub gefährdet in Spanien? Reisewarnung nach Corona-Anstieg

Spanien ist eines der am schwersten von der Coronavirus-Pandemie getroffenen Länder mit mehr als 28.570 Corona-Toten und 329.784 Infizierten (Stand: 14. August). Landesweit war die Zahl der Neuinfektionen seit Mitte Mai deutlich zurückgegangen. Regional stiegen die Infektionszahlen allerdings wieder stark an. Darauf reagierte das RKI gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt und erklärte zunächst drei Regionen zu Risikogebieten. Mittlerweile wurde aber ganz Spanien, mit Ausnahme der Kanaren, als Risikogebiet eingestuft, sodass auch eine Reisewarnung gilt. 

Wo gibt es die meisten Corona-Infektionen in Spanien?

Besonders betroffen sind die Regionen Aragón, Katalonien, Navarra, Madrid und das Baskenland. Die ersten drei Regionen sind am 31. Juli vom Robert-Koch-Institut als Corona-Risikogebiete eingestuft worden, Madrid und das Baskenland kamen am 11. August hinzu. Nun hat das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für das ganze Land ausgesprochen.  

Auch die Lage auf den für den Sommerurlaub der Deutschen beliebten Inseln verschärft sich. Auf Mallorca überschreiten die Zahlen der Corona-Neuinfektionen den Richtwert des RKI. Die Folge: Seit Freitag, 14. August, ist ganz Spanien wieder Risikogebiet, vor Reisen nach Mallorca, Menorca und Ibiza wird gewarnt.

Weniger kritisch ist es auf den Kanaren mit den beliebten Inseln Gran Canaria und Teneriffa. Dort liegt der Wert bei durchschnittlich 18 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Deshalb ist die Inselgruppe von der Einstufung als Risikogebiet und von der Reisewarnung ausgenommen.

Die Konsequenzen für Spanien-Urlauber

Deutschland reagiert auch mit Maßnahmen für Spanien-Rückkehrer. Seit dem 8. August gilt für Reiserückkehrer aus Corona-Risikogebieten eine Testpflicht. Es ist außerdem zu erwarten, dass Reiseveranstalter Buchungen zu Urlauben in den betroffenen Regionen stornieren. So hatte Tui beispielsweise mitgeteilt: „Selbstverständlich werden wir keine Reisen in die Länder durchführen, für die eine Reisewarnung besteht.“

Katalonien und Balearen: Ungewöhnlich strenge Maskenpflicht

Katalonien, die Balearen, die Kanaren und weitere Regionen reagierten ebenfalls auf die steigenden Infektionszahlen und die Nichtbefolgung von Corona-Regeln und führten eine ungewöhnlich strenge Maskenpflicht ein: Dort muss eine Maske auch im Freien selbst in jenen Situationen getragen werden, in denen der Mindestabstand von eineinhalb Metern eingehalten werden kann.

Urlaub gefährdet in Kroatien? Zweite Corona-Welle

Kroatien erlebt gerade eine zweite Corona-Welle – das weisen die Daten des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) aus. Von Anfang März bis Anfang Mai erlebte das Land nach einem anfänglichen Anstieg zunächst einen Rückgang der Corona-Neuinfektionen. Dann waren Zahlen der Neuinfektionen mehr als einen Monat lang auf einem niedrigen Niveau, bevor sie wieder zunahmen.

In dem Land mit etwa vier Millionen Einwohnern gibt es seit dem 25. Juni (dem ersten Tag mit starkem Anstieg) 2772 bestätigte neue Fälle (Stand: 14. August 2020). Das bedeutet im Klartext: Mehr als die Hälfte aller 6050 bestätigten Coronavirus-Infektionen seit dem 25. Februar sind in nur gut eineinhalb Monaten hinzugekommen. Bisher schlimmster Tag in der Corona-Zeit war mit Abstand der 13. August – mit 180 bestätigten neuen Infektionen.

Wo in Kroatien steigen die Infektionszahlen?

Vor allem in der Hauptstadt Zagreb steigen die Zahlen, und auch im Norden und in Slawonien im Osten des Landes gibt es größere Infektionsherde. An der bei Urlaubern besonders beliebten Adria-Küste mit Dubrovnik sind die Zahlen aber eher niedrig.

Gibt es Auswirkungen auf die Einreise?

Österreich und Slowenien haben auf den Anstieg reagiert und das Land von der Liste der sicheren Reiseziele gestrichen. Die Einreise nach Kroatien mit dem Auto aus Deutschland über Slowenien sowie Österreich und Italien ist aber weiterhin möglich. Allerdings sind nicht alle Grenzübergänge offen. Lies mehr dazu in unserem Überblick zum Anstieg der Corona-Fallzahlen in Kroatien.

Polen verzeichnet Rekord an Corona-Neuinfektionen

Polen ist bei deutschen Urlaubern beliebt, im Sommer zieht es sie vor allem an die Ostsee. Die Insel Usedom gehört beispielsweise zu einem Teil zu unserem Nachbarland.

In Polen haben sich nach offiziellen Angaben bislang 54.487 Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert, 1844 Menschen starben in Zusammenhang mit dem Virus (Stand: 14. August). Das Land verzeichnet gerade so viele neue Corona-Fälle wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Am 9. August, verzeichneten die Behörden 843 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden. Seit Anfang dieses Monats registriert das EU-Land fast täglich neue Rekordwerte.

Regionale Schwerpunkte waren nach Angaben des Auswärtigen Amtes bisher vor allem in den Woiwodschaften Lodz, Masowien (mit der Hauptstadt Warschau) und Schlesien.

Das könnte Konsequenzen auch für Urlauber haben, denn die Regierung in Warschau erwägt schärfere Maßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung des Virus. Geprüft werde zum Beispiel erneut eine Quarantäne für Reisende aus einigen Ländern mit intensivem Infektionsgeschehen. Im Land gilt eine Maskenpflicht in Bus und Bahn sowie in öffentlichen Gebäuden. 

Portugal stärker von Corona betroffen

Auch in Portugal steigen die Corona-Infektionszahlen seit März stetig an. Das Land gehört zu den fünf EU-Staaten mit den meisten Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in den vergangenen 14 Tagen. Das wird aus der Übersicht des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) ersichtlich. Ebenfalls hoch oben auf der Liste sind Luxemburg, Schweden, Spanien und Belgien.

Insgesamt sind in dem Land mehr als 53.000 Fälle bestätigt, 1770 Menschen starben (Stand: 14. August). Das Auswärtige Amt teilt dazu mit: „Portugal ist inzwischen von Covid-19 stärker betroffen und erlebt weiterhin eine hohe, jedoch nicht weiter zunehmende Zahl an Neuinfektionen.“

Regionaler Schwerpunkt ist der Großraum Lissabon. Dort seien laut der Behörde 19 nicht touristische Gemeinden besonders betroffen, und zwar in den Bezirken Amadora (alle Gemeinden), Odivelhas (alle Gemeinden), Sintra (Queluz e Belas, Massamé e Monte Abraão, Agualva e Mira Sintra, Algueirão-Mem Martins, Rio de Mouro, Cacém e São Marcos), Loures (Camarate, Unhos, Apelação, Sacavém e Prior Velho) und in Lissabon nur die Gemeinde Santa Clara.

Urlaub gefährdet in Bulgarien? Starker Coronavirus-Anstieg

In Bulgarien steigen die Zahlen der Corona-Neuinfektionen stark an. In den vergangenen zwei Wochen kamen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2738 Neuinfektionen hinzu. Damit gibt es seit Beginn der Pandemie rund 13.893 verzeichnete Coronavirus-Infektionen in Bulgarien (Stand: 14. August).

Ein besonders betroffener Ort in dem Land mit rund sieben Millionen Einwohnern ist nach Informationen des Auswärtigen Amtes Sofia – ein beliebtes Städtereiseziel. Weitere regionale Schwerpunkte sind daneben Kjustendil, Blagoewgrad, Dobritsch und Warna.

Reisewarnung für Bulgarien

In Bulgarien gilt seit 22. Juni wieder eine Maskenpflicht in öffentlichen geschlossenen Räumen wie Supermärkten, Banken und Tankstellen. Kontrollen gibt es aber kaum.

Die Konsequenz aus den steigenden Zahlen: Österreich warnt wieder vor Reisen nach Bulgarien. Und auch das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in die Bezirke Blagoewgrad, Dobritsch und Warna, einem bei Partytouristen beliebten Urlaubsort am Goldstrand.

Auch auf der Corona-Risikogebiete-Liste des Robert-Koch-Institutes (RKI) landen diese Verwaltungsbezirke, allerdings nicht das gesamte Land. Die Liste führt Länder und Regionen auf, in denen die Obergrenze von 50 aktuellen Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner überschritten wird. 

Griechenland: Maskenpflicht nach Corona-Anstieg

Seit Mitte Juli wurden in Griechenland pro Tag im Schnitt etwa 30 neue Infektionen gemeldet, das Land hat eine der niedrigsten Infektionsraten in Europa– bisher. Denn nun steigt die Kurve plötzlich steil an: 52 neue Fälle pro Tag waren es am 29. Juli, 150 am 7. August und schon 235 am 13. August – das ist die höchste an einem Tag festgestellte Zahl seit Beginn der Aufzeichnungen am 26. Februar, als in Griechenland die erste Covid-Infektion registriert wurde.

Konsequenzen sind unter anderem eine verschärfte Maskenpflicht, ein Steh-Verbot in Bars und Clubs sowie Abstandsregeln am Strand bis Ende August.

Die Infektionszahlen sind im Gesamtbild aber noch relativ gering, regionale Schwerpunkte waren bisher die Regionen Attika (Hauptstadtregion Athen) und Xanthi. Dem Auswärtigen Amt zufolge treten mittlerweile auch vermehrt Fälle in der Metropolregion Thessaloniki auf. Klassische Zielen für den Sommerurlaub, nämlich die Inseln wie Rhodos, Kos, Santorin oder Mykonos sind nicht stark betroffen.

Für Urlaub in Griechenland ist ein QR-Code nötig

Touristen müssen sich keine akuten Sorgen machen, das Auswärtige Amt hat bislang nicht mit neuen Reisehinweisen reagiert. Wichtig ist aber: Wer Urlaub in Griechenland machen will, muss sich vorher anmelden. Bis spätestens 24 Stunden vor Abreise müssen Reisende ein Online-Formular („passenger locator form“) ausfüllen. Sie erhalten nach bestätigter Anmeldung einen QR-Code, der bei der Einreise vorgezeigt werden muss. Wer keinen hat, risikiert 500 Euro Bußgeld oder eine Mitnahme-Verweigerung der Airline.

Deutsche, die über den Landweg in das Land einreisen, müssen ab dem 17. August einen negativen Corona-Test vorlegen.