Fast täglich ändern sich in irgendeinem Land der Welt die Corona-Regeln. Mal werden sie gelockert, mal verschärft. Ein Regel-Wirrwarr gibt es aber nicht nur im Ausland, sondern auch in Deutschland. Auch hierzulande ändern sich die Vorschriften regelmäßig, und jedes Bundesland kann eigene Vorgehensweisen festlegen.

Das war bereits bei der Lockerung der Corona-Regeln nach dem Lockdown der Fall, und auch jetzt wieder bezüglich der Rückkehrer aus Risikogebieten ist es nicht anders. Der Plan: Wer Urlaub in einem Land macht, das vom Robert-Koch-Institut (RKI) als Risikogebiet ausgewiesen wurde, soll nach der Rückreise in Deutschland einen Corona-Test am Flughafen machen.

Diese Ankündigung kam in der vergangenen Woche überraschend – sowohl für Urlauber als auch für Flughäfen. Die Details sind nach wie vor unklar.

Chaos bei Einführung der Corona-Testpflicht

Der Test sollte erst freiwillig sein, nun will Gesundheitsminister Jens Spahn doch eine entsprechende Testpflicht anordnen, weil viele Reisende die geltende 14-tägige Quarantänepflicht ignorieren würden. Wann eine solche Tespflicht gelten soll? Dazu gibt es noch keine genaue Ansage – es ist von nächster Woche die Sprache.

Auch über die Frage, ob Urlauber selbst für den Test bezahlen sollten, wurde kontrovers diskutiert. Nun teilte das Gesundheitsministerium mit: Der Bund will über die Krankenkassen für die Corona-Tests für Reiserückkehrer aufkommen.

Seit der Ankündigung der Corona-Tests für Reiserückkehrer am 22. Juli haben viele deutsche Flughäfen Teststationen aufgebaut. Doch je nach Bundesland gelten unterschiedliche Regeln – so wie seit Beginn der Pandemie. Der reisereporter fasst die gravierendsten Unterschiede zusammen. 

Wirrwarr 1: Wer darf sich kostenlos am Flughafen testen lassen?

Die Gesundheitsminister der Bundesländer haben sich auf eine entsprechende Empfehlung geeinigt, nach der sich alle Rückkehrer ab dem 3. August kostenlos testen lassen sollen – jene, die nicht aus Risikogebieten kommen, allerdings an anderer Stelle, etwa dem Hausarzt. 

Noch ist das aber nicht überall möglich. Am Flughafen Frankfurt beispielsweise müssen Rückkehrer die Kosten aktuell selbst tragen. Der Flughafenbetreiber Fraport verwies zuletzt auf noch ungeklärte Fragen etwa zur Trägerschaft und zur Kostenübernahme. Man befinde sich in enger Abstimmung mit den Behörden, so ein Unternehmenssprecher.

Am Flughafen Leipzig/Halle sind Corona-Tests bereits jetzt für Einreisende aus Risikogebieten und anderen Ländern möglich, kostenlos sind sie allerdings nur für Einwohner von Halle. Denn: Das Testzentrum wurde von der Stadt eingerichtet, und die könne nur für die Hallenser zuständig sein, so Oberbürgermeister Bernd Wiegand gegenüber der „Bild“. Alle anderen müssen die Laborkosten von 142,33 Euro selbst bezahlen.

Wirrwarr 2: Quarantäne trotz Corona-Test am Flughafen

Die Quarantänepflicht fällt in den meisten Bundesländern sofort nach Erhalt eines negativen Ergebnisses des Corona-Tests am Flughafen weg. Aber: Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern wiederum verschärft die Corona-Test-Empfehlung.

Dort müssen Rückkehrer aus Risikogebieten künftig neben dem obligatorischen Test bei der Einreise einen zweiten Corona-Test durchführen, um der zweiwöchigen Quarantänepflicht zu entgehen. Der zweite Test soll nach fünf bis sieben Tagen erfolgen, um die Inkubationszeit der Krankheit einzubeziehen. Erst bei zwei negativen Tests könne dann die Quarantäne beendet werden, so Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.

Möglich sind solche Unterschiede, weil es sich bei den Corona-Tests bisher nur um Empfehlungen handelt. Zu der geltenden Quarantänepflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten sagte eine Sprecherin des Bundesministeriums für Gesundheit gegenüber dem reisereporter: „Es gibt eine Musterverordnung, die den Ländern zur Verfügung steht, an die sie sich aber nicht halten müssen. Einige Bundesländer haben sie eins zu eins übernommen, andere nicht. Reisende sollten sich deshalb vorab informieren, welche Verordnungen in ihrem Bundesland gelten.“

Wirrwarr 3: Inlandstouristen werden von einigen Bundesländern ausgeschlossen

Noch etwas mehr Infos müssen derzeit Touristen aus Dingolfing-Landau in Bayern einholen. Sie müssen sowohl die Entwicklung bei einer Rückkehr aus einem Risikogebiet im Auge behalten als auch ihre Urlaubsmöglichkeiten in der Bundesrepublik. Denn: Die Bundesländer Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz haben eine Quarantänepflicht für Urlauber aus dem bayerischen Landkreis ausgesprochen. Sie dürfen nur einreisen, wenn sie einen negativen Corona-Test vorlegen können.

Der Grund: Nach einem Corona-Ausbruch auf einem Gemüsehof in Mamming lagen dort die Infektionszahlen in den vergangenen sieben Tagen bei 191 pro 100.000 Einwohner – das ist fast viermal so hoch wie der Grenzwert von 50. 

Ähnliche Auswirkungen hatte der Corona-Ausbruch bei Tönnies für Reisende aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf in Nordrhein-Westfalen. Sie wurden von 13 Bundesländern ausgeschlossen.

Wirrwarr 4: Mecklenburg-Vorpommern erlaubt immer noch keine Tagstouristen mit Autos

Im Ausschließen von Inlandstouristen liegt Mecklenburg-Vorpommern an der Spitze der Bundesländer. Während in Schleswig-Holstein und Niedersachsen Tagestouristen nur zu Beginn der Pandemie verboten waren, dürfen sie an die Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern teilweise immer noch nicht reisen.

Seit dem 10. Juli sind zwar Busreisegruppen wieder an den Stränden willkommen. Doch Urlauber, die mit dem Auto für einen Tag anreisen wollen, werden weiterhin ausgeschlossen.