Spanien ist eines der am stärksten vom Coronavirus betroffenen Länder in Europa – mit 302.814 bestätigten Fällen und mehr als 28.490 Toten (Stand: 6. August). Landesweit war die Zahl der Neuinfektionen seit Mitte Mai stark zurückgegangen, doch seit einigen Wochen steigen die Infektionszahlen wieder an. Besonders betroffen: die Regionen Aragón, Katalonien und Navarra.

Auswärtiges Amt: Reisewarnung für Katalonien – mit Barcelona und Costa Brava

Dort wurden in den vergangenen 14 Tagen 361,9 (Aragón), 142,0 (Katalonien) beziehungsweise 146,3 (Navarra) Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gemeldet (Stand: 30. Juli 2020). Das berichtet die spanische Tageszeitung „El País“. Nun sind die Kosnequenzen klar: Nachdem die Regionen am Freitag, 31. Juli, zunächst auf die Liste des Robert-Koch-Institutes zu den Risikogebieten kam, sprach am Mittag auch das Auswärtige Amt eine Reisewarnung aus:

„Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in die autonomen Gemeinschaften Aragón, Katalonien und Navarra wird derzeit aufgrund erneut hoher Infektionszahlen und örtlichen Absperrungen gewarnt.“

In Katalonien betrifft das unter anderem die beliebten Urlaubsorte entlang der Costa Brava und Barcelona. Navarra und Aragón liegen westlich von Katalonien im Landesinneren. Somit differenziert das Auswärtige Amt zwischen den besonders betroffenen Regionen Spaniens und dem Rest des Landes.

Reisewarung oder Risikogebiet: Müssen Deutsche nach Spanien-Urlaub in Quarantäne?

Das gesamte Land steht ebenfalls nicht auf der Liste der Risikogebiete des RKI, die etwa 130 Länder umfasst. Aragón, Katalonien und Navarra allerdings schon. Als Risikogebiet werden Länder oder Regionen eingestuft, in denen …

  1.  … in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gemeldet wurden, oder …
  2. … die Gefahr eines erhöhten Infektionsrisikos besteht, obwohl dieser Grenzwert unterschritten wird. Dafür berücksichtigen die Behörden unter anderem die getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, die Art des Ausbruchs (etwa lokal begrenzt), Testkapazitäten sowie durchgeführte Tests pro Einwohner.

Risikogebiet und Reisewarnung: Was sind die Konsequenzen?

Reiserückkehrer, die aus einer diese Regionen kommen, müssen sich entweder innerhalb von 48 Stunden vor der Einreise testen lassen oder innerhalb von 72 Stunden nach ihrer Rückkehr. Diese Testpflicht gilt bundesweit ab Samstag, 8. August. Der Corona-Test ist für Reiserückkehrer kostenlos. 

Bis ein negatives Testergebnis vorliegt, müssen die Reisenden in Quarantäne. Das soll maximal zwischen 24 und 48 Stunden dauern. Danach können sie sich in der Regel wieder frei bewegen. Eine Ausnahme bildet Mecklenburg-Vorpommern: Dort dürfen Reiserückkehrer erst nach einem zweiten negativen Test frühestens fünf Tage nach Rückkehr die Quarantäne verlassen. Bei einem positiven Testergebnis müssen die Betroffenen natürlich generell weiterhin 14 Tage in Quarantäne bleiben. 

Spanien-Urlaub kostenlos stornieren bei Reisewarnung? 

„Ob eine Reise kostenfrei storniert werden kann oder nicht ist eine reiserechtliche Frage, die vom Auswärtigen Amt nicht beantwortet werden kann“, teilt die Behörde mit. Letztendlich ausschlaggebend ist nicht die Reisewarnung des Auswärtigen Amts, sondern die juristische Frage, ob außergewöhnliche, unvermeidbare Umstände vorliegen. Dies ist im Einzelfall zu klären.

Fest steht aber auch: Die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes ist ein starkes Indiz dafür, dass Reisen kostenlos storniert werden können. In bisherigen Fällen wurde von den Gerichten für die bisherige Rechtslage „höhere Gewalt oder ein erhebliche Gefährdung“ anerkannt, die zu einem Rücktritt ohne Entschädigung berechtigte. Dies gilt auch für die seit 2018 gültigen Gesetzesbegriffe der „unvermeidbaren und außergewöhnliche Umstände“ am Bestimmungsort.

Urlaub in Barcelona: Reiseveranstalter storniert Reisen nach Katalonien

Unabhängig davon, ob Barcelona-Urlauber ihre Reise antreten wollen oder nicht, reagiert nun DER Touristik als erster Reiseveranstalter und sagte bis zum 15. August alle Buchungen in Katalonien, Aragon und Navarra ab. Für diese Reisenden ist der Spanien-Urlaub also tatsächlich Geschichte.

Welche Reisen außerdem von DER Touristik und anderen Reiseveranstalter bis teilweise Ende August storniert werden, erfährst du in unserer großen Übersicht.  

Wie hoch ist der Anstieg der Coronavirus-Infektionszahlen in Spanien?

Im europäischen Vergleich liegt Spanien hinsichtlich der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner auf Platz sechs hinter Luxemburg, Rumänien, Bulgarien, Schweden und Portugal. Von diesen Ländern gilt aktuell nur Luxemburg als Risikogebiet.

In ganz Spanien wurden in den vergangenen 14 Tagen 37,9 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern gemeldet (Stand: 25. Juli). Damit liegt das gesamte Land unter dem festgelegten Grenzwert.

In welchen Ländern müssen Rückkehrer aus Spanien in Quarantäne?

Andere Länder in Europa haben ebenfalls auf das Infektionsgeschehen in Spanien reagiert: Wer aus Spanien nach Großbritannien, Irland oder Norwegen reist, muss bis zu 14 Tage lang in Quarantäne. In Belgien gilt seit dem 24. Juli eine Quarantänepflicht für Reisende aus den spanischen Regionen Aragón, Katalonien, Extremadura, La Rioja, Navarra und Baskenland. 

Für die spanische Tourismusindustrie sind diese Regelungen ein herber Rückschlag, zumal das Infektionsgeschehen im Land regional große Unterschiede aufweist. Während das Virus in einigen Regionen unter Kontrolle ist, weil sich Infektionsketten gut zurückverfolgen lassen und Ausbrüche schnell eingedämmt werden können, kommt es andernorts zu größeren Ausbrüchen. So etwa in Barcelona und Umgebung: Katalonien hat deshalb bei dem Versuch, das Geschehen wieder unter Kontrolle zu bringen, das Nachtleben in Barcelona und in anderen Orten stark eingeschränkt.