Spanien ist eines der am stärksten vom Coronavirus betroffenen Länder in Europa – mit 326.612 bestätigten Fällen und mehr als 28.581 Toten (Stand: 12. August). Landesweit war die Zahl der Neuinfektionen seit Mitte Mai stark zurückgegangen, doch seit einigen Wochen steigen die Infektionszahlen wieder an. Besonders betroffen: die Regionen Katalonien, Madrid, Aragón, Navarra und das Baskenland.

Auswärtiges Amt: Reisewarnung für Katalonien – mit Barcelona und Costa Brava

In den vergangenen 14 Tagen wurden allein in Aragón 567 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gemeldet (Stand 6. August 2020), in Katalonien sind es 142, in Navarra 146,3 (Stand: 30. Juli 2020). Das berichtet die spanische Tageszeitung „El País“. Nun sind die Konsequenzen klar: Das Robert-Koch-Institut fügte am 31. Juli die Regionen Katalonien, Aragón und Navarra der Liste von Risikogebieten hinzu, seit dem 11. August zählen auch Madrid und das Baskenland dazu.

Auch das Auswärtige Amt spricht eine Reisewarnung aus: „Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in die autonomen Gemeinschaften Aragón, Baskenland, Katalonien, Madrid und Navarra wird derzeit aufgrund erneut hoher Infektionszahlen und örtlicher Absperrungen gewarnt.“

In Katalonien betrifft das unter anderem die beliebten Urlaubsorte entlang der Costa Brava und Barcelona. Das Baskenland, zu dem die große Hafenstadt Bilbao gehört, liegt im Norden, genauso wie Navarra und Aragón. Die Hauptstadtregion Madrid befindet sich im Landesinneren.

Reisewarnung oder Risikogebiet: Müssen Deutsche nach Spanien-Urlaub in Quarantäne?

Das gesamte Land steht nicht auf der Liste der Risikogebiete des RKI, die etwa 130 Länder umfasst. Katalonien, Madrid, Aragón, Navarra und das Baskenland allerdings schon. Als Risikogebiet werden Länder oder Regionen eingestuft, in denen …

  1.  … in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gemeldet wurden oder …
  2. … die Gefahr eines erhöhten Infektionsrisikos besteht, obwohl dieser Grenzwert unterschritten wird. Dafür berücksichtigen die Behörden unter anderem die getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, die Art des Ausbruchs (etwa lokal begrenzt), Testkapazitäten sowie durchgeführte Tests pro Einwohner.

Risikogebiet und Reisewarnung: Was sind die Konsequenzen?

Reiserückkehrer, die aus einer diese Regionen kommen, müssen sich entweder innerhalb von 48 Stunden vor der Einreise testen lassen oder innerhalb von 72 Stunden nach ihrer Rückkehr. Diese Testpflicht gilt bundesweit seit Samstag, 8. August. Der Corona-Test ist für Reiserückkehrer kostenlos. 

Bis ein negatives Testergebnis vorliegt, müssen die Reisenden in Quarantäne. Das soll maximal zwischen 24 und 48 Stunden dauern. Danach können sie sich in der Regel wieder frei bewegen. Eine Ausnahme bildet Mecklenburg-Vorpommern: Dort dürfen Reiserückkehrer erst nach einem zweiten negativen Test frühestens fünf Tage nach der Rückkehr die Quarantäne verlassen. Bei einem positiven Testergebnis müssen die Betroffenen natürlich generell weiterhin 14 Tage in Quarantäne bleiben. 

Spanien-Urlaub kostenlos stornieren bei Reisewarnung? 

„Ob eine Reise kostenfrei storniert werden kann oder nicht, ist eine reiserechtliche Frage, die vom Auswärtigen Amt nicht beantwortet werden kann“, teilt die Behörde mit. Letztendlich ausschlaggebend ist nicht die Reisewarnung des Auswärtigen Amts, sondern die juristische Frage, ob außergewöhnliche, unvermeidbare Umstände vorliegen. Dies ist im Einzelfall zu klären.

Fest steht aber auch: Die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes ist ein starkes Indiz dafür, dass Reisen kostenlos storniert werden können. In bisherigen Fällen wurden von den Gerichten für die bisherige Rechtslage „höhere Gewalt oder eine erhebliche Gefährdung“ anerkannt, die zu einem Rücktritt ohne Entschädigung berechtigten. Dies gilt auch für die seit 2018 gültigen Gesetzesbegriffe der „unvermeidbaren und außergewöhnlichen Umstände“ am Bestimmungsort.

Urlaub in Barcelona: Reiseveranstalter storniert Reisen nach Katalonien

Unabhängig davon, ob Barcelona-Urlauber ihre Reise antreten wollen oder nicht, reagiert nun DER Touristik als erster Reiseveranstalter und sagte bis zum 15. August alle Buchungen für Katalonien, Aragón und Navarra ab. Für diese Reisenden ist der Spanien-Urlaub also tatsächlich Geschichte.

Welche Reisen außerdem von DER Touristik und anderen Reiseveranstaltern bis teilweise Ende August storniert werden, erfährst du in unserer großen Übersicht.  

Wie hoch ist der Anstieg der Coronavirus-Infektionszahlen in Spanien?

Nirgendwo in Westeuropa gibt es so viele Neuinfektionen wie in Spanien. Während in Deutschland noch über die zweite Welle dikutiert wird, steckt Spanien bereits mittendrin – es werden 315,5 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gemeldet. Allein in Madrid infizieren sich laut Behördenangaben täglich rund 3000 Menschen neu mit dem Coronavirus.

Auch auf den Balearen mit ihrer Hauptinsel Mallorca steigen die Fallzahlen. In der vergangenen Woche wurden 32 neue Corona-Fälle auf 100.000 Einwohner gemeldet. Anfang August waren es noch weniger als zehn.

In welchen Ländern müssen Rückkehrer aus Spanien in Quarantäne?

Andere Länder in Europa haben ebenfalls auf das Infektionsgeschehen in Spanien reagiert: Wer aus Spanien nach Großbritannien, Irland oder Norwegen reist, muss bis zu 14 Tage lang in Quarantäne. In Belgien gilt seit dem 24. Juli eine Quarantänepflicht für Reisende aus den spanischen Regionen Aragón, Katalonien, Extremadura, La Rioja, Navarra und Baskenland. 

Für die spanische Tourismusindustrie sind diese Regelungen ein herber Rückschlag, zumal das Infektionsgeschehen im Land regional große Unterschiede aufweist. Während das Virus in einigen Regionen unter Kontrolle ist, weil sich Infektionsketten gut zurückverfolgen lassen und Ausbrüche schnell eingedämmt werden können, kommt es andernorts zu größeren Ausbrüchen. So etwa in Barcelona und Umgebung: Katalonien hat deshalb bei dem Versuch, das Geschehen wieder unter Kontrolle zu bringen, das Nachtleben in Barcelona und in anderen Orten stark eingeschränkt.