Beeindruckende Sehenswürdigkeiten, schwindelerregende Berge und kristallblaues Wasser: Bulgarien ist ein beliebtes Reiseziel der Deutschen. Vor allem Slatni Pjasazi, das Stadtviertel, das zum Goldstrand gehört, zieht jährlich Tausende Touristen an.

Immerhin gilt es als Partyhochburg im Land. Kenner gehen noch einen Schritt weiter – und sprechen vom „Ballermann am Balkan“. Diese Bezeichnung hat in Zeiten der Covid-19-Pandemie einen bitteren Beigeschmack.

Auch aus Bulgarien gab es in jüngster Vergangenheit Bilder von Urlaubern, die sich nicht an die Coronavirus-Schutzmaßnahmen der Wirte hielten.

Adieu, Corona! Urlauber feiern dicht an dicht am Goldstrand

Zwar zeigen die Aufnahmen, dass im Club aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus noch immer Schutzmaßnahmen wie Absperrbänder und Schilder an der Tagesordnung sind. Allerdings wirken die feiernden Urlauber davon unbeeindruckt. Denn weitere Einschränkungen, etwa Social Distancing oder Mund-Nasen-Bedeckungen, sind nicht in Sicht.

In den sozialen Medien ruft das Verhalten der Reisenden unterschiedliche Reaktionen hervor. So hinterfragt ein Facebook-Nutzer auf der Seite der bulgarischen Partyhochburg etwa: „Habt ihr den Kampf gegen das Coronavirus schon gewonnen?“ Ein anderer User wiederum freut sich und kommentiert: „Endlich – das Leben geht weiter!“

In der Vergangenheit führten die exzessiven Feiern von Touristen auf Mallorca bereits zu der Schließung sämtlicher Lokale der wichtigsten Feiermeilen, darunter die Bier- und die Schinkenstraße an der Playa de Palma. Auch die gastronomischen Angebote auf dem beliebten Straßenzug Punta Ballena in Magaluf sind seit diesem Tag dicht.

„Diese Art von Partys ist verboten, und wir werden sie unterbinden“, sagte der balearische Tourismusminister Iago Negueruela auf einer Pressekonferenz.

Bulgarien: Die aktuelle Corona-Lage im Land

Das Land verzeichnete nach Angaben des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) seit Beginn der Pandemie rund 8600 Coronavirus-Infektionen. Etwa 300 Menschen starben demnach im Zusammenhang mit Covid-19 (Stand: 20. Juli). 

Zahlen, die zunächst verhältnismäßig niedrig wirken beim Blick auf andere Länder. Doch ein Blick auf die vergangenen zwei Wochen zeigt: Im Schnitt gab es in Bulgarien 38 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland waren es circa sechs neue Fälle, verteilt auf 100.000 Menschen.

Bulgarien: Hat der Corona-Anstieg Einfluss auf den Urlaub 2020?

Die Grenzübergänge Bulgariens sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes offen, dementsprechend bestehen zahlreiche Flugverbindungen. Strikte Einreisebeschränkungen, beispielsweise Quarantänemaßnahmen, gehören für Staatsangehörige der EU, also auch für Deutsche, vorerst der Vergangenheit an. Das gilt auch für die Durch- und Weiterreise. Lediglich Gesundheitsprüfungen mit Temperaturmessungen sind noch an der Tagesordnung. 

Aber: Die Bundesregierung hat stets die Möglichkeit, die Reisewarnung für Bulgarien wegen des dynamischen Geschehens zu reaktivieren. Das gilt zum einen, wenn das Land den Richtwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner überschreitet. Zum anderen ist es dazu verpflichtet, Voraussetzungen wie den Schutz der Touristen zu erfüllen.

Welche Corona-Maßnahmen gelten in Bulgarien?

In Bulgarien gibt es weder Reisebeschränkungen noch Ausgangssperren. Öffentliche Verkehrsmittel fahren den Betrieb schrittweise hoch. Allerdings bleiben Lebensmittelgeschäfte und Apotheken für alle unter 60 Jahren täglich zwischen 8.30 und 10.30 Uhr dicht.

Wer symptomfrei ist, hat also die Möglichkeit, sich unter dieser Einschränkung frei im Land zu bewegen. Doch diejenigen, die Anzeichen einer Coronavirus-Infektion zeigen, sind dazu angehalten, sich zu isolieren und die nächstgelegene Gesundheitszentrale aufzusuchen. Alternativ gibt es eine telefonische Betreuung. 

In öffentlichen Räumen sowie Verkehrsmitteln besteht eine Maskenpflicht. Außerdem setzt das Land auf Social Distancing, also die bewusste räumliche Trennung von Menschen. Heißt: Urlauber halten im besten Fall Abstand zu allen Personen, die nicht Teil des eigenen Haushalts sind.

Auch herkömmliche Hygienemaßnahmen wie das regelmäßige Händewaschen empfiehlt die Regierung. Denn Experten schließen Schmierinfektionen, bei denen Erreger über eine Kette von Berührungen weitergereicht werden, als möglichen Covid-19-Ansteckungsweg nicht aus. Dazu kommen eine Nies- und eine Hust-Etikette sowie die richtige Entsorgung von Taschentüchern.

Angst vor Corona: Ist eine kostenfreie Stornierung möglich?

Das Auswärtige Amt warnt trotz der wachsenden Anzahl der Coronavirus-Infektionen nicht vor einer Reise nach Bulgarien, auch das Robert-Koch-Institut weist das Land nicht als Risikogebiet aus, zudem ist der Urlaub dort aktuell uneingeschränkt möglich. Die Chance, dass Urlauber kostenlos stornieren können, ist daher gering.

Denn die reine Angst vor einer Erkrankung reicht dafür laut Reiserechtsanwalt Paul Degott nicht aus. Ausschlaggebend dafür sind die Gegebenheiten vor Ort. Auch potenzielle Urlauber, die aufgrund von Kontakt mit einer an Covid-19 erkrankten Person in Quarantäne müssen, haben kein Recht auf eine Erstattung der Reisekosten. Allerdings bleibt ihnen die Möglichkeit, den Veranstalter zu kontaktieren. 

Reise läuft anders als geplant: Welche Rechte haben Urlauber?

Im Corona-Sommer sind kurzfristige Überraschungen keine Seltenheit. So ist es einerseits zum Beispiel denkbar, dass ein Covid-19-Fall in einem Hotel zu einem Wechsel des Beherbergungsbetriebs führt. Andererseits schließen Sehenswürdigkeiten möglicherweise spontan, weswegen potenzielle Ausflüge ins Wasser fallen. 

In Notsituationen dieser Art sind Urlauber abgesichert. Denn der Veranstalter ist dazu verpflichtet, das Geld zu erstatten – auch wenn er nichts für die Änderungen kann. Der Grund: Kunden haben einen Anspruch auf das Programm, das sie gebucht haben.