Nach wochenlanger Covid-19-Zwangspause kämpft sich die Touristik hierzulande schrittweise zurück zur Normalität. Das funktioniert vielerorts gut. Teilweise sind Ufer, Märkte und Sehenswürdigkeiten sogar überfüllt. Eine Vorstellung, die in Zeiten der Corona-Krise nicht jeder Reisende begrüßt – zumal die Pandemie noch nicht der Vergangenheit angehört.

Die Ostsee zum Beispiel gilt seit jeher als beliebtes Urlaubsziel. Ganz vorne dabei: Regionen wie Rügen oder Usedom. Das spiegelt sich auch in der Buchungslage wider. Die Unterkünfte in den Orten waren dem Deutschen Ferienhausverband (DFV) zufolge bereits Anfang Juli zu 90 Prozent ausgebucht. 

Urlaub an der Ostsee: Wo sind noch Unterkünfte frei?

Glücklicherweise ist das offenbar kein Grund zur Sorge. Denn laut Lars Schwarz, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Mecklenburg-Vorpommern, haben potenzielle Urlauber noch Chancen auf eine passende Beherbergung. „In Greifswald, Schwerin, Rostock oder Stralsund bekommt man garantiert noch Unterkünfte“, sagt er. „Urlauber haben da nicht nur Kultur direkt vor der Nase, sondern kommen auch schnell zum Strand.“

Welche Möglichkeiten diejenigen, die noch immer nach einer Chance auf Ruhe und Erholung suchen, haben, zeigen auch die örtlichen Tourismus-Gesellschaften. Der reisereporter verrät die besten Geheimtipps für den Ostsee-Urlaub 2020.

Der Traum aller Wasserratten: Der 5000-Seelen-Ort Laboe in Schleswig-Holstein

Frische Luft, feiner Sandstrand und kristallblaues Wasser: Obwohl Laboe an der Kieler Förde nur etwa 5000 Einwohner hat, zählt der Ort zu den schönsten Urlaubszielen an der Ostsee.

Dank der vielen Spiel- und Sportangebote kommen dort sowohl kleine als auch große Wasserratten auf ihre Kosten. Und sie sind sogar bei schlechtem Wetter abgesichert. Denn die Region verfügt über ein eigenes Meerwasserhallenbad. Verrückt, oder?

Wer sich für Maritimes interessiert, bekommt in Laboe zudem eine ganze Bandbreite an Ausflugsmöglichkeiten. Weit über die Ostsee hinaus ist das fast 70 Meter hohe Marine-Ehrenmal bekannt. Es steht zum einen für eine friedliche Seefahrt auf freien Meeren. Zum anderen erinnert das Werk an verstorbene Seeleute aller Nationen.

Ein „U-Boot auf dem Strand“, das eigentlich ein historisch-technisches Museum ist, komplettiert die Kulisse. Hier bekommen Besucher einen Einblick in die Lebensbedingungen der Matrosen während des Zweiten Weltkriegs. Ein Abstecher, der nicht nur spannend, sondern ebenso lehrreich ist.

In voller Blüte steht ein Rapsfeld bei Laboe an der Ostseeküste.

Kulturliebhaber aufgepasst: Hier kommt Stralsunds Altstadt in Mecklenburg-Vorpommern

Ruhige Ecken, verträumte Gassen und historische Bauwerke: Wenn eine Region die Lust auf einen Städteurlaub hebt, ist es Stralsund im Nordosten Deutschlands.

Nicht umsonst gilt die Altstadt seit 2002 als Unesco-Weltkulturerbe. Seit 1990 sanierte die Stadt fast zwei Drittel der mehr als 1000 Altstadtgebäude, darunter etwa 400 Einzeldenkmale. Dadurch haben Kulturliebhaber zum Beispiel die Möglichkeit, klerikale Bauten wie die Sankt-Jakobi-Kirche oder das Sankt-Katharinen-Kloster zu entdecken. Und ist ihre Wissbegierde damit nicht gestillt, lohnt sich ein Ausflug zum historischen Ensemble rund um den alten Markt.

Eine weitere Besonderheit: Die Altstadt Stralsunds befand sich früher mitten im Wasser. Doch dort, wo einmal Flüsse und Gräben waren, sind heute die sogenannten Weißen Brücken auf dem Küterdamm, einem Fuß- und Radweg von der Tribseer Vorstadt in die Altstadt. Hier genießen Reisende einen herrlichen Ausblick auf den Ort – und lassen die Seele baumeln. 

Die Altstadt Stralsunds überzeugt mit einer Menge Kultur und historischen Gebäuden.

Ostsee-Feeling leicht gemacht: Das frühere Fischerdorf Hohwacht in Schleswig-Holstein

Zwischen Fehmarn und Kiel befindet sich der unscheinbare Urlaubsort Hohwacht. Er war früher ein Fischerdorf und zählt nur etwa 900 Einwohner. Damit ist die Region zwar klein, aber oho: Neben der unmittelbaren Strandnähe genießen Reisende hier die erstaunliche Architektur.

Denn in Hohwacht ist kein Haus höher als die Bäume vor Ort. Ein Prinzip, das bereits seit den 50er-Jahren besteht. Das spiegelt sich auch in den Sehenswürdigkeiten wider. Ein zeitgenössisches Bauwerk stellt zum Beispiel die berühmte Flunder dar, eine Seeplattform, die aus der Vogelperspektive wirkt wie ein Plattfisch. Sie krönt die Promenade.

Wow: Allein wegen der Häuser im Ort ist Hohwacht in Schleswig-Holstein etwas Besonderes.

Reisen, reiten und radeln: Rerik ist das Ziel für Sport-Fans in Mecklenburg-Vorpommern

Rerik ist eine Stadt in Mecklenburg-Vorpommern, die gerade einmal rund 2300 Einwohner zählt. Und doch bietet sie Reisenden einen unvergleichbaren Mix. Während das Meer die Besucher des örtlichen Naturstrandes entzückt, beeindruckt sie die wilde Steilküste im Norden der Stadt. Das bringt einige Vorteile: Selbst im Winter, wenn das Salzhaff zufriert, gibt es für Urlauber die Möglichkeit, Schlittschuh zu laufen. 

Noch schöner ist es selbstverständlich im Sommer. Denn in der warmen Jahreszeit stehen in Rerik zahlreiche Sportarten, zum Beispiel das Tauchen, Radeln, Schwimmen oder Surfen, auf der Tagesordnung.

Und wer durch die körperliche Anstrengung Hunger verspürt, greift einfach auf eines der vielen gastronomischen Angebote im Ort zurück. Kulinarisch kommt Speisen aus dem Meer eine besondere Rolle zu: Der Fisch landet morgens im Netz und abends auf dem Teller. 

Der Mix aus Meer und Salzhaff macht den Ort einzigartig.

Graal-Müritz: Hier erleben Reisende Literaturgeschichte in Mecklenburg-Vorpommern

Klares Wasser, geheimnisvolle Wälder und sagenhafte Blumenfelder: Die Eindrücke, die Graal-Müritz bei seinen Besuchern hinterlässt, sind seit jeher bleibender Natur. Das zeigt schon ein kurzer Blick auf die deutsche Literaturgeschichte. Denn namhafte Schriftsteller wie Franz Kafka, Erich Kästner und Hans Fallada widmeten dem mecklenburgischen Seeheilbad einst emotionale Zeilen. 

Romantischer geht’s nicht: Die Seebrücke am Strand in Graal-Müritz macht Lust auf Meer.

Vor allem Radfahrer und Wanderliebhaber kommen in Graal-Müritz auf ihre Kosten: Der Ort bietet ein ausgebautes Wegenetz für jeden Zweck. Und für alle, die ohnehin auf Achse sind, lohnt sich ein Ausflug in den Rhododendronpark. Er gilt seit 1986 offiziell als Denkmal und bietet Reisenden ein Feld von mehr als 2000 Stauden. Neben einer faszinierenden Aussicht sorgt es für einen herrlichen Duft, der schon aus der Ferne überzeugt.