Die Lokale in der Bierstraße und der Schinkenstraße an der Playa de Palma sowie an der Punta Ballena in Magaluf in Mallorca sind wieder dicht. Die beliebten Feiermeilen wurden geschlossen, weil am Wochenende Hunderte deutsche und britische Urlauber dort gefeiert haben, ohne wegen des Coronavirus Abstand zu halten oder eine Maske zu tragen. 

Auch für andere Bars gelten deshalb wieder strengere Regeln. Um das sogenannte Eimersaufen zu unterbinden, sind lange Strohhalme ab sofort verboten. Außerdem dürfen auch in Straßen abseits der Party-Hochburgen keine Stehtische und Hocker mehr stehen. Das soll das Einhalten der Sicherheitsabstände garantieren.

Bei außergewöhnlichen Umständen am Urlaubsort können Touristen ihre Pauschalreise beim Reiseveranstalter kostenlos stornieren. Da der Party-Urlaub nun eingeschränkt ist, stellt sich auch hier die Frage: Können Ballermann-Urlauber ihre Mallorca-Reise ohne Stornierungskosten absagen, wenn sie nur deswegen dort sind?

Geschlossene Bars am Ballermann: Kostenlos stornieren für Pauschalreisende nicht möglich

Von einem Reisevertrag zurücktreten, das geht immer. Allerdings müssen Urlauber in diesem Fall damit rechnen, Stornokosten zu tragen. Denn: Bei Pauschalreisen sind Party-Touren, bei denen Reise-Gruppen von Bar zu Bar ziehen oder mehrere Diskotheken besuchen, nicht im Leistungsumfang des Reiseanbieters enthalten. Diese bucht der Urlauber meist extra hinzu. Wenn die Reise selbst uneingeschränkt stattfinden kann, können Party-Touristen nicht kostenlos stornieren oder den Urlaub abbrechen.

Das Recht, kostenlos von einem Reisevertrag zurückzutreten, haben Touristen nur, wenn die Reise erheblich beeinträchtigt ist. Beispielsweise weil Supermärkte und Museen sowie Restaurants geschlossen sind. Da nur Lokale in gewissen Straßen dicht sind, greift die Regelung hier nicht. 

Ebenso gibt es keinen Anspruch auf die Minderung des Reisepreises, da es sich bei den Schließungen um höhere Gewalt handelt. Dafür kann ein Reiseveranstalter nicht haftbar gemacht werden. Und auch Pauschalurlauber vor Ort auf Mallorca können ihre Reise deshalb nicht einfach abbrechen. Wer dennoch seine Reise stornieren will, der muss die Stornokosten also selbst tragen.

Urlaub wegen Maskenpflicht stornieren ist kostenlos nicht möglich

Gleiches gilt fürs Stornieren wegen der verschärften Maskenpflicht: Seit dem 13. Juli müssen Touristen und Einheimische auf Mallorca, Ibiza, Menorca und Formentera auf der Straße immer eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Ausnahmen gelten am Strand, auf der Uferpromenade oder in der Natur, wenn ein Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern eingehalten werden kann.

Auch wenn sich viele Urlauber von der Maskenpflicht gestört fühlen: Das Recht, von einer Reise kostenlos zurückzutreten oder den Urlaub abzubrechen, haben sie nicht. Denn: Die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung sei „ein allgemeines Lebensrisiko“, so Reiserechtsanwalt Paul Degott. Und das habe der Reisende auch, wenn er in Deutschland zum Beispiel einkaufen gehe. Beim Stornieren der Reise müsse er also die verlangten Stornierungskosten des Reiseveranstalters zahlen.

Sommerurlaub 2020: Wann kann ich meine Reise kostenlos stornieren?

Das Stornieren einer Reise ist laut Degott immer möglich, wenn der Urlauber in mehreren Punkten unzufrieden mit der Reise ist. Beispielsweise weil der Spa-Bereich im Hotel, obwohl dafür gezahlt wurde, oder die All-inclusive-Verpflegung mit Büfett wegfällt und stattdessen nur Essen am Platz serviert wird samt langer Warteschlangen vor dem Restaurant. In diesen Fällen sei die Reise erheblich beeinträchtigt und somit das Rücktrittsrecht gegeben.