Das Auswärtige Amt hebt die Reisewarnung für Norwegen auf. Entsprechende Hinweise gibt es aber weiterhin. 

Zuvor veröffentlichte das norwegische Außenministerium eine Liste mit Ländern, aus denen die Einreise von Mittwoch, 15. Juli, an wieder gestattet ist. Dazu zählt auch Deutschland. Dementsprechend sind die Flughäfen offen. Auch eine Ausreise mit dem Flugzeug funktioniert, sofern die internationalen Routen auch tatsächlich bedient werden. Die Fährverbindungen sind noch immer stark eingeschränkt. 

Eine Reisewarnung ist zwar kein Verbot. Doch in der Vergangenheit stellte die Touristik den Betrieb wegen der Covid-19-Pandemie weitestgehend ein. Jetzt, da ein Urlaub in Norwegen wieder möglich ist, fährt die Branche wieder hoch. Das hat auch Folgen für Reisende. Der reisereporter beantwortet die wichtigsten Fragen.

Gibt es trotz der Aufhebung der Reisewarnung für Norwegen Beschränkungen?

Nach wochenlangem Stillstand sind die Grenzübergänge geöffnet. Aktuell gelten für Reisende aus mehreren EU- und Schengen-Ländern keine Beschränkungen bei der Einreise. Welche Länder das sind, listet das Norwegian Institute of Public Health auf seiner Website auf. Zudem aktualisiert die Behörde die Tabelle alle 14 Tage. Doch im Falle eines dynamischen Infektionsgeschehens ist auch eine kurzfristige Anpassung möglich. 

Doch Vorsicht: Während eine Einreise über Dänemark und Finnland ohne Quarantänemaßnahmen möglich ist, gelten für Schweden andere Konditionen. Für Urlauber aus dem Land ist die Ankunft ohne weitere Beschränkungen nur bei einem direkten Transit realisierbar.

Aber so groß die Freude über das Wegfallen der Reisewarnung auch sein mag: Das Auswärtige Amt hat immer die Möglichkeit, sie zu reaktivieren. Denn erfüllt Norwegen Voraussetzungen wie den Schutz der Urlauber nicht, reagiert die Behörde. Das gilt auch im Falle einer dynamischen Entwicklung der Covid-19-Fälle. Hier greift die Faustregel: Maximal 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner sind in Ordnung.

Urlaub 2020: Welche Corona-Regeln gelten in Norwegen?

In Norwegen gibt es weder Ausgangssperren noch eine Maskenpflicht. Wer symptomfrei ist, hat also die Möglichkeit, sich frei im Land zu bewegen. Doch diejenigen, die Anzeichen einer Coronavirus-Infektion zeigen, sind dazu angehalten, sich zu isolieren.

Zudem empfiehlt die Regierung herkömmliche Hygienemaßnahmen wie das regelmäßige Händewaschen. Denn Experten schließen Schmierinfektionen, bei denen Erreger über eine Kette von Berührungen weitergereicht werden, als möglichen Covid-19-Ansteckungsweg nicht aus. Dazu kommt eine Nies- und Hust-Etikette. Heißt: Mindestens einen Meter Abstand halten, sich in die Armbeuge anstatt in die Hand niesen, Taschentücher lediglich einmal verwenden und anschließend wegschmeißen.

Außerdem steht Social Distancing, also die bewusste räumliche Trennung von Urlaubern, an der Tagesordnung. Eine Maßnahme, auf die auch das Robert-Koch-Institut (RKI) setzt. Es rät Menschen, den Kontakt zu anderen auf ein „absolutes Minimum“ zu reduzieren. Ausgenommen seien Mitglieder des eigenen Haushalts. In der Öffentlichkeit sei ein Sicherheitsabstand von anderthalb Metern angeraten.

Angst vor Corona: Ist eine kostenfreie Stornierung möglich?

Durch die Aufhebung der Reisewarnung für Norwegen ist eine kostenlose Stornierung des Urlaubs nicht mehr möglich. Denn die reine Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus reicht laut Reiserechtsanwalt Paul Degott nicht aus. Ein Rücktrittsgrund sei etwas, das nicht mit einer Person zusammenhängt, also zum Beispiel der Brand eines Hauses, ein Krankenhausaufenthalt oder der Tod eines geliebten Menschen.

Heißt im Umkehrschluss: Auch potenzielle Urlauber, die aufgrund von Kontakt mit einer an Covid-19 erkrankten Person in Quarantäne müssen, haben kein Recht auf eine Erstattung der Kosten. Allerdings bleibt ihnen die Möglichkeit, den Veranstalter zu kontaktieren.

Die Reise läuft anders als geplant: Welche Rechte haben Urlauber?

Im Corona-Sommer sind kurzfristige Überraschungen keine Seltenheit. So ist es einerseits zum Beispiel denkbar, dass ein Covid-19-Fall in einem Hotel zu einem Wechsel des Beherbergungsbetriebs führt. Andererseits schließen Sehenswürdigkeiten möglicherweise spontan, weswegen potenzielle Ausflüge ins Wasser fallen. 

In Notsituationen dieser Art sind Urlauber abgesichert. Denn der Veranstalter ist dazu verpflichtet, das Geld zu erstatten – auch wenn er nichts für die Änderungen kann. Kunden haben einen Anspruch auf das Programm, das sie gebucht haben.