Schon unter normalen Voraussetzungen wäre diese Reise ein echtes Abenteuer: von Aberdeen nach Athen, von schottischem Regenwetter in den griechischen Sommer. 48 Tage am Stück mit nichts als einem Fahrrad und rund 30 Kilogramm Gepäck – und jeder Menge platter Reifen.

So eine Odyssee auch noch während einer weltweiten Pandemie zu unternehmen, in der zahlreiche Länder ihre Grenzen sperrten und touristische Infrastrukturen heruntergefahren wurden, scheint fast unmöglich. Klero Papadimitrou hat sie trotzdem gewagt. 

Fahrrad statt Flugzeug – Corona-Krise macht Studenten zum Abenteurer

„Es begann als Witz, aber weil ich solche Abenteuer mag, habe ich angefangen zu recherchieren, ob so etwas möglich ist“, sagt er gegenüber der griechischen Nachrichtenseite „Iefimerida“. Denn Ende März realisierte er, dass er wochenlang in seinem Studienort in Schottland festsitzen würde, wenn er nicht schnell nach Griechenland reist. Während viele andere seiner Kommilitonen bereits abgereist waren, hatte Kleon pflichtbewusst weiterhin an den Vorlesungen teilgenommen – bis es zu spät war und er dreimal Flüge in die Heimat buchte, die allesamt storniert wurden. 

Warum die Rückreise also nicht mit dem Fahrrad antreten, dachte er sich. Immerhin hatte Kleon 2019 an einem Radrennen teilgenommen und auch in diesem Jahr bereits trainiert. Aus einer fixen Idee wurde schnell ein konkreter Plan, den Kleon am 10. Mai in die Tat umsetzte. Als er sich auf den Fahrradsattel schwang, lagen vor ihm rund 3.500 Kilometer quer durch Europa: durch Großbritannien, die Niederlande, Deutschland, Österreich, Italien und von dort mit der Fähre nach Griechenland.

Verrückte Fahrradtour quer durch Europa

Unterwegs musste der Student seinen Vater immer genau über seinen Standort informieren – sonst hätte dieser der Reise nicht zugestimmt. Auf Instagram konnten aber auch andere Interessierte Kleons Erlebnissen folgen. Dort berichtete er von seinem Alltag mit vielen Aufs und Abs, platten Reifen, Dosensardinen, leeren Campingplätzen und Übernachtungen auf Feldern und in Wäldern.

Jeden Tag radelte er zwischen 55 und 120 Kilometer. Dabei sah Kleon seine Odyssee nicht nur als Mittel zum Zweck, sondern genoss die Entdeckungen entlang des Weges. Um den Kölner Dom zu sehen, hat der Abenteuerer zum Beispiel einen 15 Kilometer langen Umweg in Kauf genommen – ein Katzensprung im Vergleich zu den rund 3.500 Kilometern, die er insgesamt mit dem Rad zurückgelegt hat. 

Auch in Venedig hat er sich eine Stippvisite auf dem Markusplatz nicht nehmen lassen. Ein Blick auf den fast leeren Platz macht klar, dass Italien auch nach dem Lockdown in der Corona-Zeit weit weniger Touristen anlockt als normalerweise.

Die größte Reise fand aber vermutlich im Inneren statt: „Ich habe viel über mich gelernt, über meine Grenzen, meine Stärken und Schwächen. Und ich hoffe wirklich, dass dieser Trip mindestens eine andere Person dazu inspiriert, ihre Komfortzone zu verlassen und etwas Neues, etwas Großes zu probieren“, erzählt Kleon „CNN“.

Nach 48 Tagen: Kleon erreicht Athen mit dem Fahrrad

Während seiner Tour ist Kleon 20 geworden. Es ist der erste Geburtstag, den er nicht bei seiner Familie verbringen konnte. Umso größer fiel die Freude beim Wiedersehen aus – auch, weil Kleons Eltern nun eine Sorge weniger haben. Am 27. Juni erreichte er seine Nachbarschaft und wurde von seiner Familie und etlichen Freunden in Empfang genommen.

Auch, wenn Kleons Vater sich am Ende der Reise stolz auf seinen Sohn zeigte, gibt er zu, dass dessen Abenteuer ihm einige schlaflose Nächte bereitet hat: „Bravo, Kleon, für deine Hartnäckigkeit, deine Fähigkeit zum Problemlösen und deine positive Einstellung. Wir sind so stolz auf dich. Und jetzt mach bitte eine Pause, wir brauchen unseren Schlaf wieder.“

Die „Pause“ verbringt Kleon aktuell bei einem Ferienjob außerhalb von Athen. Im Herbst beginnt sein drittes Semester in Aberdeen – und wer weiß, welche abenteuerlichen Ideen er in Zukunft ausheckt.