Lange Warteschlangen vor Discos, zahlreiche Feierwütige auf Tanzflächen, überfüllte Partyboote am Meer: Dass längst nicht alle Touristen die Coronavirus-Schutzmaßnahmen der Wirte ernst nehmen, zeigen mittlerweile mehrere Aufnahmen aus beliebten Urlaubszielen. Ganz vorne dabei: Urlauber in Kroatien.

„Was hier gerade abgeht, ist nicht mehr normal“, erklärten Augenzeugen, die auf einer Party am Zrce-Beach waren, im Gespräch mit dem Sender „RTL“. „Die Clubs sind so voll, da sind mindestens 2000 Leute drin.“ Weder Abstandsregelungen, noch Mund-Nasen-Bedeckungen stünden dort an der Tagesordnung.

Dieses Verhalten passe zu den Ergebnissen einer Umfrage der Reporterin vor Ort. Demnach seien die Urlauber nach wochenlanger Covid-19-Zwangspause vor allem auf eines aus: sorglos feiern. 

Kroatien: Keine Fotos oder Videos = keine Party am Zrce-Beach?

Doch damit nicht genug: Die Besucher des Strandes Zcre-Beach seien beim Einlass darum gebeten worden, keine Fotos oder Videos von den Partys in sozialen Medien zu posten. 

Als der Sender den kroatischen Außenminister Gordan Grlić Radman mit privaten Aufnahmen der Feierwütigen konfrontierte, reagierte er zwar entschieden, indem er erklärte, die Menschen hätten klar übetrieben. Allerdings gab der Diplomat zu bedenken, dass sich Partys dieser Art nicht immer vermeiden lassen. 

Ob das Verhalten der Feiernden auf die Entwicklung der Infektionszahlen hat, wird erst die Zukunft zeigen. Eine Verschärfung der Schutzmaßnahmen plant Grlić Radman offenbar nicht. Immerhin kämen sie bereits streng daher: Aktuell gebe es Temperaturmessungen, eine angepasste Besucheranzahl und ein Verbot, Tanzflächen zu nutzen.

Auch in St. Tropez feiern Urlauber trotz Corona

In Frankreich haben sich nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität rund 176.750 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Mehr als 30.100 von ihnen starben (Stand: 21. Juli). 

Dennoch feiern die Touristen laut „RTL“ auch in diesem Land sorglos – und zwar in der Partystadt St. Tropez. Das zeigen auch Fotos und Videos in den sozialen Netzwerken. Dabei sind Coronavirus-Richtlinien, beispielsweise eine Maskenpflicht und Abstandsregelungen? Fehlanzeige.

Feiern am Goldstrand in Bulgarien

Slatni Pjasazi, das Stadtviertel, das zum Goldstrand in Bulgarien gehört, zieht jährlich Tausende Feierwütige in den Bann. Einige von ihnen feiern auch im Jahr 2020 – trotz Covid-19-Pandemie. 

Zwar zeigen die Aufnahmen, dass im Club aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus noch immer Schutzmaßnahmen wie Absperrbänder und Schilder gelten. Allerdings wirken die feiernden Urlauber davon unbeeindruckt: Weitere Einschränkungen, etwa Social Distancing oder Mund-Nasen-Bedeckungen, sind nicht in Sicht. 

Trotz Corona-Regeln: Feiernde Mallorca-Urlauber am Ballermann

Zu den Urlaubern, die Corona-Regeln missachten, gehörten in der jüngsten Vergangenheit auch deutsche Urlauber auf Mallorca. Sie drängten sich am ersten Wochenende, das eine inoffiziellen Party beinhaltete, dicht an dicht auf der Bierstraße.

Die Betreiber der örtlichen Lokale wirkten machtlos. Sie verloren im Laufe des Abends die Kontrolle über ihre Gäste, es gab viele Verstößte gegen die Maskenpflicht. Und auch Straßenhändler stürzten sich in das Gedränge, um potenziellen Kunden ihre Ware zu präsentieren. 

Um solche Situationen zu vermeiden, greift Mallorcas Regierung nun auf harte Maßnahmen zurück: Sämtliche Lokale in der Bier- und Schinkensgtraße an der Playa de Palma sind dicht. Gleiches gilt für den beliebten Straßenzug Punta Ballena in Magaluf, einem weiteren Ferienort auf der Insel, der als britisches Ballermann-Pendant gilt.

Dort gingen die feiernden Touristen noch einen Schritt weiter: Sie hüpften auf Autos herum. Es folgten Festnahmen. 

Wer die Corona-Regeln missachtet, riskiert ein zweites Ischgl

Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn äußerte sich angesichts der Aufnahmen von Mallorca besorgt. „Wir müssen sehr aufpassen, dass der Ballermann nicht ein zweites Ischgl wird“, sagte er bei einer Pressekonferenz in Berlin. Der österreichische Ski- und Urlaubsort war im vergangenen März zum Hotspot für Coronavirus-Infektionen geworden. Die Folge: zahlreiche Covid-19-Fälle in Deutschland. 

Dort, wo Menschen miteinander feiern, sei das Risiko besonders hoch. Zudem steigerten diejenigen, die sich nicht an die Regeln halten, die Gefahr, bei der Rückreise an Covid-19 zu erkranken.

Diesen Ausführungen stimmt Matthias Stoll, Infektiologe der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), zu. „An Touristenorten wissen Reisende nicht, wer die Regeln mit ihnen missachtet“, sagt er gegenüber dem reisereporter. „Es ist möglich, dass Menschen aus Ländern mit hohen Infektionszahlen dabei sind.“ Denn obwohl sich die Lage in vielen Teilen Europas beruhigt, nimmt die Zahl der neuen Covid-19-Fälle weltweit zu.

Urlaub trotz Corona: Wo drohen Gefahren?

Die Gefahr einer zweiten Infektionswelle sieht Stoll zwar nicht. Allerdings seien neue Covid-19-Hotspots sowie daraus resultierende Neuinfektionen denkbar. „An diesen Stellen drohen Einschränkungen für potenzielle Urlauber, etwa im Falle einer Überschreitung der 50 Fälle pro 100.000 Einwohner“, sagt er. Eine Faustregel, an die sich auch das Robert-Koch-Institut (RKI) und das Auswärtige Amt halten. 

Andererseits seien die aktuellen Infiziertenzahlen wegen des dynamischen Geschehens stets nur eine Momentaufnahme. Wer eine Reise plane, bedenke also im besten Fall nicht nur die aktuelle Lage, sondern auch, welche Orte und Aktivitäten am Urlaubsziel umsetzbar seien. „Denn 2020 ist kein Jahr für Gruppenreisen, Mannschaftssport und Partyabende“, erklärt der Infektiologe.

Gefahren drohen Stoll zufolge, wenn Reisende Hygienemaßnahmen und Abstandsregelungen nicht beachten. Zusätzliche Risiken seien …

  • … die Anonymität der Touristen.
  • … eine hohe Anzahl von Menschen auf engem Raum.
  • … ein gemeinsamer Aufenthalt in Vekehrsmitteln oder geschlossenen Räumen.
  • … ein internationales Publikum.

Welche Konsequenzen hat das Verhalten der Urlauber?

Problematisch sei zudem, dass diejenigen, die kollektiv gegen Corona-Regeln verstoßen, nicht verstehen, dass sie ein Risiko eingehen. „Insofern unterbleibt meist, bei entsprechenden Symptomen an Covid-19 zu denken“, sagt Stoll. „Eine Infektion mit dem Coronavirus fällt dann möglicherweise erst auf, wenn Ausbrüche im Umfeld der Reiserückkehrer auftreten.“

Wer die Maßnahmen der Urlaubsländer missachtet, bringt theoretisch also auch Freunde und Familie in Gefahr. Und das sollte nicht unterschätzt werden: Noch immer sterben europaweit laut dem Europäischen Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) etwa 10,5 Prozent der Corona-Neuinfizierten.