Das Auswärtige Amt hebt die Reisewarnung für Schweden auf. Nur entsprechende Hinweise bleiben. Das Land war der letzte EU-Staat, für den noch ein Verweis dieser Art seitens der deutschen Regierung galt.

Verantwortlich für die Änderung ist die Covid-19-Lage vor Ort. Denn die im Juni noch hohe Zahl der Neuinfektionen sinkt nach Angaben des Außenministeriums seit Anfang Juli kontinuierlich – trotz eines weiterhin hohen Testniveaus. Lediglich regionale Schwerpunkte, beispielsweise in Gävleborg und Jönköping, gibt es weiterhin.

Eine Reisewarnung ist zwar kein Verbot, doch in der Vergangenheit stellten Verteter der Touristik den Betrieb weitestgehend ein. Jetzt, da ein Urlaub in Schweden wieder problemlos möglich ist, fährt die Branche hoch. Das hat auch Konsequenzen für Urlauber. Der reisereporter beantwortet die wichtigsten Fragen.

Schweden-Urlaub: Welche Regeln gelten jetzt bei der Einreise?

Nach wochenlangem Stillstand sind alle Grenzübergänge des Landes geöffnet. Dementsprechend bestehen zahlreiche Fähr- und Flugverbindungen. Einreisebeschränkungen gehören für Staatsangehörige der EU, der Schweiz, ihre Familienmitglieder und Inhaber von EU-Aufenthaltsgenehmigungen vorerst der Vergangenheit an. Das gilt auch für die Durch- und Weiterreise. 

Doch Vorsicht: In einigen angrenzenden Zielländern gelten weiterhin Einschränkungen. So verhindern beispielsweise Norwegen und Finnland nach wie vor die Einreise aus Schweden.

Und so groß die Freude ist: Dass die Reisewarnung wegfällt, heißt nicht, dass es seitens des Auswärtigen Amts nicht die Möglichkeit gibt, sie zu reaktivieren. Denn erfüllt Schweden die Voraussetzungen, zum Beispiel den Schutz der Touristen nicht, reagiert die deutsche Behörde. Gleiches gilt für eine dynamische Entwicklung der Covid-19-Fälle. Hier gilt die Faustregel: Maximal 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner sind in Ordnung.

Urlaub 2020: Welche Corona-Regeln gelten in Schweden?

In Schweden gibt es weder Reisebeschränkungen, noch Ausgangssperren. Öffentliche Verkehrsmittel fahren den Betrieb schrittweise hoch.

Wer symptomfrei ist, hat also die Möglichkeit, sich frei im Land zu bewegen. Doch diejenigen, die Anzeichen einer Coronavirus-Infektion zeigen, sind dazu angehalten, sich zu isolieren und die nächstgelegene Gesundheitszentrale aufzusuchen. Alternativ gibt es eine telefonische Betreuung der medizinischen Auskunft. 

Eine Handschuh- oder Maskenpflicht besteht nicht. Stattdessen setzt Schweden auf Social Distancing, also die bewusste räumliche Trennung von Menschen. Heißt: Urlauber halten im besten Fall Abstand zu allen Personen, die nicht Teil des eigenen Haushalts sind. Dementsprechend gilt ein Versammlungsverbot: Eine Zusammenkunft von über 50 Menschen ist verboten. 

Eine Herangehensweise, die sich auch in den Richtlinien für öffentliche Räume widerspiegelt. Neben Abstandsvorkehrungen gibt es in Restaurants ein Barbetrieb-Verbot. Nur die Bedienung am Tisch ist erlaubt. Immerhin: Beherbergungsbetriebe wie Campingplätze und Hotels sind unter Einschränkungen offen. Museen und Freizeitparks bleiben vorerst dicht.

Angst vor Corona: Ist eine kostenfreie Stornierung möglich?

Durch die Aufhebung der Reisewarnung ist eine kostenfreie Stornierung des Urlaubs nicht mehr möglich. Denn die reine Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus reiche nicht als Grund aus, wie Reiserechtsanwalt Paul Degott erklärt. Ein Rücktrittsgrund sei etwas, das mit einer Person zusammenhängt, also beispielsweise der Brand eines Hauses, der Tod eines geliebten Menschen oder ein Krankenhausaufenthalt.

Heißt im Umkehrschluss: Auch potenzielle Urlauber, die aufgrund von Kontakt mit einer infizierten Person in Quarantäne müssen, haben kein Recht auf eine Erstattung der Kosten. Allerdings haben besorgte Reisende in diesem Fall die Möglichkeit, den Veranstalter zu kontaktieren.