Seit drei Monaten steht die weltweite Kreuzfahrtflotte wegen der Ausbreitung des Coronavirus still. Jetzt, da sich die Lage vielerorts beruhigt, wagt die Branche den schrittweisen Neustart. 

Allerdings läuft die Reise in Zeiten der Covid-19-Pandemie anders ab als im Normalfall. Denn künftig stehen Schutzmaßnahmen im Fokus. Dazu zählen zum einen angepasste Auslastungsgrenzen und ausbleibende Landgänge. Zum anderen sind ausführliche Hygienerichtlinien fester Bestandteil der Tagesordnung.

Die Leitsätze hierfür stammen aus einer Kooperation zwischen den zuständigen Behörden, der Cruise Lines International Association (CLIA), also dem größten Verband der Kreuzfahrtindustrie, den Reedereien selbst und Gesundheitsexperten. Im Zuge dessen stellt Tui Cruises einen Zehn-Punkte-Plan vor, der den Neustart der Branche ermöglicht. Der reisereporter zeigt die Pläne im Detail.

1. Kreuzfahrt gefällig? Nicht ohne Gesundheitsfragebogen!

Vor der Abreise bittet eine Reederei ihre Gäste darum, ein sogenanntes Schiffs- oder Bordmanifest auszufüllen – ein Verfahren, das seit langer Zeit besteht.

In Zeiten der Corona-Krise sind sie darüber hinaus dazu verpflichtet, einen Gesundheitsfragebogen, der für die Passagiere im „Meine-Reise-Portal“ als Download erhältlich ist, auszufüllen. Die Voraussetzung: Tagesaktualität. „So stellen wir sicher, dass die Daten so aktuell wie möglich sind“, heißt es in dem Zehn-Punkte-Plan. Wer also künftig auf Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff setzt, bereitet sich am besten darauf vor, das Dokument bei Antritt der Reise mitzubringen. Hinzu kommt eine vorsorgliche Messung der Körpertemperatur. 

2. Corona-Schutz an Bord: Check-in ab sofort kontaktlos

Wer sich trotz der Covid-19-Pandemie für eine Kreuzfahrt entscheidet, checkt künftig online ein. „So sind alle benötigten Dokumente und Informationen bereits erfasst“, heißt es in dem Dokument von Tui Cruises. Eine andere Option gibt es demnach nicht.

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Dazu kommen feste Zeitfenster für die Ankunft. Aus Sicht der Reederei hilft das dabei, die Anzahl der Personen, die sich gleichzeitig im Hafenterminal aufhalten, zu begrenzen. Ein Zutritt außerhalb der festgelegten Zeitspanne ist für herkömmliche Gäste nicht möglich. Nur diejenigen, die eine Suite mieten, haben Spielraum.

Umso wichtiger wirkt die Buchung vorab. Denn im Laufe dieses Prozesses haben Urlauber die Chance, ihren gewünschten Zeitraum zu wählen. Und wer das nicht tut, lebt zwangsläufig mit der Entscheidung des Betreibers. 

3. Social Distancing: Auch auf Kreuzfahrten unabdingbar

Social Distancing, also die räumliche Trennung von Menschen, gehört seit der Corona-Krise zum Alltag. Und auch auf Kreuzfahrtschiffen ist die Maßnahme unabdingbar. Deshalb begrenzt Tui Cruises den Anteil der Passagiere vorerst auf 60 Prozent der herkömmlichen Auslastung. Dazu kommt die Vorgabe, mindestens anderthalb Meter Abstand zu Personen zu halten, die nicht Teil des eigenen Haushalts sind. 

Überall, wo es Urlaubern nicht möglich ist, sich der Richtlinie zu fügen, gilt eine Maskenpflicht. Das betrifft beispielsweise Fahrstühle, Treppenhäuser und Kabinenflure. Und neben gekennzeichneten Laufwegen zieren nun auch Plexiglas-Aufsteller die Schiffe.

4. Wegen Corona: Am Buffet bedient das Personal die Passagiere

Im Normalfall sind flexible Tischzeiten und ein persönlicher Service am Platz auf Schiffen der Reederei an der Tagesordnung. Laut dem Zehn-Punkte-Plan bleibt diese Regelung ähnlich. Passagiere haben also die Möglichkeit, am Platz ihrer Wahl zu trinken und zu essen. An Getränkestationen und Buffets übernimmt allerdings das Personal. 

5. An Bord steht Urlaubern die freie Platzwahl zu

Dass das Personal die Getränke künftig an den Platz bringt, liegt unter anderem daran, dass es an den Bars keine Plätze mehr gibt. Denn diesen Raum nehmen die Barkeeper ein. Ansonsten passen auch die Stühle und Tische in Bars und Restaurants an Bord zu den herkömmlichen Richtlinien. Heißt: Es gelten Abstandsregelungen.

6. Das Corona-Programm an Bord von Kreuzfahrtschiffen

Damit trotz des fehlenden Landgangs keine Langeweile aufkommt, passt Tui Cruises das Programm an Bord an. Events wie Poolpartys oder Fußballturniere finden zwar noch immer nicht statt. Allerdings haben Passagiere die Möglichkeit, in kleineren Gruppen an Vorstellungen auf der Schaubühne oder an Yoga-Kursen teilzunehmen. Stets inbegriffen: die Abstandsregelung.

7. Neustart der Reedereien: Corona-Hygieneregeln im Überblick

Reedereien weltweit schreiben Hygiene aufgrund der Corona-Krise groß. Der Zehn-Punkte-Plan beinhaltet deshalb detaillierte Angaben zur Desinfektion von öffentlichen Bereichen, Oberflächen und Passagierkabinen. Zudem ist das Personal an Bord dazu verpflichtet, bei dem Vorgang Handschuhe sowie eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen.

Urlauber wiederum stellen sich künftig gründlichen Handhygienemaßnahmen. Wer beispielsweise ein Restaurant betritt, ist dazu verpflichtet, sich die Hände vorab zu waschen und sie anschließend zu desinfizieren. Damit das überall gelingt, stehen den Passagieren mehr Desinfektionsspender zur Verfügung als im Normalfall.

Zwei große Kreuzfahrtschiffe in Kiel am Ostseekai- Aida und Tui Cruises streichen sämtliche Kreuzfahrten wegen Corona.

8. Kreuzfahrten: Im Urlaub 2020 reisen Corona-Tests mit

Um im Zweifelsfall vorbereitet zu sein, stockt Tui Cruises sowohl die Austattung des Bordhospitals als auch die medizinische Besatzung auf.

Neben Labor- und Testgeräten hilft ein Covid-19-Frühwarnsystem, das mögliche Krankheitssymptome der Passagiere überwacht. Zudem gibt es an Bord nun einen sogenannten Infection Control Officer, also einen Offizier, der die Maßnahmen kontrolliert und das Personal hinsichtlich der Ausbreitung des Coronavirus schult. 

Kommt es dennoch zu einer Infektion, greift ein vorgefertigter Plan. „Hierfür gibt es festgelegte Prozesse und eine enge Zusammenarbeit mit den deutschen Gesundheitsbehörden an Land“, heißt es in dem Dokument.

9. Geschultes Personal schafft in puncto Schutzmaßnahmen Abhilfe

Auch die Crew an Bord stellt sich wegen der Covid-19-Pandemie neuen Herausforderungen, etwa Corona-Tests, Schulungen und einer bestimmten Ausstattung. Während ein Teil der Besatzung zum Beispiel Gesichtsschutzschilder trägt, greift ein anderer auf Mund-Nasen-Bedeckungen zurück. Und auch Schutzbrillen sowie Handschuhe gehören teilweise zur Ausrüstung. 

Hinzu kommt, dass jedes Mitglied der Crew vor Antritt der Kreuzfahrt zu einer temporären Isolation verpflichtet ist. Erst wenn sie vorbei ist, startet die Aufnahme der Tätigkeit. 

10. Verantwortungsbewusstes Verhalten der Passagiere

Der letzte Aspekt des Zehn-Punkte-Plans ist vielmehr ein Appell an Passagiere als eine Richtlinie.

„Die besten Ideen, Hygienekonzepte und Vorsichtsmaßnahmen funktionieren nur, wenn jeder bereit ist, sie einzuhalten“, heißt es darin. „Und das nicht nur um seiner selbst willen, sondern füreinander und aus gegenseitigem Respekt.“ Immerhin säßen sowohl das Personal als auch die Urlauber wortwörtlich in einem Boot.