Kroatien war zunächst recht glimpflich durch die erste Pandemie-Welle gekommen – im Juni gab es zeitweise Tage ohne Corona-Neuinfektionen. Das Land hatte sehr früh wieder die Grenzen für den Tourismus geöffnet: Bereits seit dem 28. Mai können Deutsche wieder nach Kroatien reisen, ohne einen bestimmten Grund dafür nachweisen zu müssen.

Aber: „Das Covid-19-Infektionsaufkommen war in Kroatien über mehrere Wochen niedrig, nimmt zuletzt allerdings stark zu und hat Werte erreicht, die im Durchschnitt über denen des Frühjahrs liegen“ – diesen Hinweis liefert das Auswärtige Amt aktuell zu dem Land mit etwa vier Millionen Einwohnern. 

Corona: Zweite Welle in Kroatien – das bedeutet der Anstieg

Tatsächlich zeigen auch Daten des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC): Kroatien erlebt gerade eine zweite Welle. Was heißt das? Von Anfang März bis Anfang Mai gab es in dem Land einen Anstieg und Rückgang der Coronavirus-Neuinfektionen. Dann waren die Neuinfektionen mehr als einen Monat lang auf einem niedrigen Niveau, bevor sie wieder zunahmen.

Kroatien: Neue Corona-Infektionen gehen wieder zurück

Insgesamt gibt es in Kroatien seit dem 25. Juni (dem ersten Tag mit starkem Anstieg) 2772 bestätigte neue Fälle (Stand: 3. August 2020). Das bedeutet im Klartext: Gut die Häflte aller 5260 bestätigten Coronavirus-Infektionen seit dem 25. Februar sind in gut fünf Wochen hinzugekommen. 

Zurückzuführen seien die Neuinfektionen im Juni auf Lockerungen der Sicherheit und Hygienemaßnahmen, darauf weist die Kroatischen Zentrale für Tourismus in Frankfurt hin. Anfang Juli haben die Behörden dann entschieden, die Maßnahmen wieder zu verschärfen (Maskenpflicht, Einreiseverbote für die Länder außerhalb der EU, Kontrolle und Sicherheitsmaßnahmen für Versammlungen).

Das hatte positive Folgen: „Aeit dem 12. Juli hat sich ein eindeutig absteigender Trend in der täglichen Neuinfektionen gezeigt, was zu einer Senkung der aktiven Krankheitsfälle beigetragen hat. Am 12. Juli gab es 1100 Aktive Coronafälle und am 4. August 670. In den letzten Tagen gab es in Kroatien nur 20 bis 30 Neuinfektionen“, erklärt Romeo Draghicchio, Büroleiter der Tourismuszentrale.

Coronavirus: Neuinfektionen in Kroatien unter RKI-Grenzwert

Die Zahl der Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen liegt dm ECDC zufolge landesweit bei durchschnittlich 9,89 (Stand: 3. August). Das ist deutlich unter dem Grenzwert von 50, mit dem ein Land in der Liste der Risikogebiete des Robert-Koch-Institutes (RKI) landen würde.

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Wo steigen in Kroatien die Infektionszahlen?

„Regionale Schwerpunkte sind bisher die Hauptstadt und das Umland von Zagreb, Slawonien sowie die Gespanschaft Split-Dalmatie“, teilt das Auswärtige Amt mit. An der bei Urlaubern besonders beliebten Adria-Küste mit Dubrovnik und auf den Inseln sind die Zahlen aber bislang eher gering. Zudem gebe es bislang keine Touristen, die in Kroatien an Covid-19 erkrankt seien.

Kroatien führt wegen Corona-Anstieg Maskenpflicht ein

Kroatien selbst reagierte Mitte Juli mit einer Maskenpflicht auf die den Corona-Anstieg – sowohl für die Menschen vor Ort als auch für Reisende. „Wir weisen darauf hin, dass in Kroatien ab heute eine Maskenpflicht in Geschäften, öffentlichen Verkehrsmitteln und Gesundheitseinrichtungen gilt”, teilte die kroatische Botschaft in Berlin am 13. Juli via Twitter mit.

Das Auswärtige Amt rät: „Reisenden wird grundsätzlich empfohlen, außerhalb der Unterkunft einen Mund-Nase-Schutz zu tragen, mindestens 1,5 Meter Abstand zu Dritten zu halten und sich regelmäßig die Hände zu waschen; soziale Kontakte sind auf ein Mindestmaß zu reduzieren.“

Könnte der starke Anstieg trotzdem Einfluss auf den künftigen Urlaub haben?

In einigen anderen Nachbarländern führte der Anstieg zu Konsequenzen: Slowenien beispielsweise hat Kroatien schon von der Liste sicherer Urlaubsländer gestrichen.

Könnte Deutschland diesem Beispiel folgen? Für Kroatien ist die Reisewarnung seit dem 15. Juni aufgehoben, doch Außenminister Heiko Maas hatte mehrfach betont, dass ein Reisehinweis jederzeit wieder in eine Reisewarnung umgewandelt werden könne, sollte sich die Lage in einem Land verschlechten.

Das Auswärtige Amt verfolge das Infektionsgeschehen in den Balkanstaaten nach eigenen Angaben sehr aufmerksam. Ein Sprecher von Außenminister Heiko Maas (SPD) verwies am 10. Juli darauf, dass für eine mögliche Umwandlung der für die EU-Staaten der Region geltenden Reisehinweise in eine Reisewarnung die Infektionszahlen die Zahl von 50 pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche überschreiten müssten.

„Die Schwelle ist bei Kroatien, Rumänien und Bulgarien derzeit nicht überschritten“, sagte der Sprecher. Für die Nicht-EU-Staaten der Region wie etwa Serbien gelte die Reisewarnung weiterhin.

Können Reisende ohne Probleme nach Kroatien einreisen?

Die Einreise nach Kroatien ist für alle Staatsangehörigen der EU-Mitgliedsstaaten – also auch für Deutsche – trotz Corona-Krise ohne Einschränkungen erlaubt. Es droht derzeit auch keine Quarantäne, weder bei der Hin- noch bei der Rückreise.

Bei der Einreise werden aber die Kontaktdaten der Urlauber für die Dauer ihres Aufenthalts registriert, sowohl an den Flughäfen als auch beim Grenzübertritt mit dem Auto. Um lange Wartezeiten zu vermeiden, empfiehlt sich die vorherige Online-Registrierung beim kroatischen Tourismusministerium.

Was ist mit der Einreise über Slowenien?

Allerdings müssen Urlauber mit verstärkten Kontrollen rechnen, nachdem Slowenien Kroatien auf die „gelbe Liste“ der Covid-Risiko-Staaten gesetzt hat. Eine Durchreise durch Slowenien ist zwar möglich, auf dem Rückweg aus Kroatien wird an der slowenischen Grenze aber stärker kontrolliert. Wartezeiten bei der Rückreise und Einreise könnten eine Folge sein.

Wer aus Kroatien kommt, sollte sich zudem nicht länger als zwölf Stunden in Slowenien aufhalten. Eine Durchreise, auch mit Tankstopps oder Picknick-Pausen ist demnach noch möglich.

Was ist mit der Einreise aus Italien und Österreich?

Der Transit durch Österreich ist für deutsche Urlauber ebenfalls problemlos möglich, sowohl bei der Einreise als auch bei der Ausreise.

Wichtig zu wissen ist jedoch: Sie dürfen nach Angaben der deutschen Botschaft in Ljubljana die Landgrenze zwischen Österreich und Slowenien nur über die Autobahnübergänge Karawankentunnel und Spielfeld sowie über die Grenzstelle Loibltunnel passieren. 

Zwischen Italien und Slowenien stehen ausschließlich die Grenzpunkte Vrtojba/St. Andrea, Fernetiči/Fernetti, Škofije/Rabuiese und Krvavi potok/Pesse zur Verfügung.