Seit drei Monaten steht die weltweite Kreuzfahrtflotte wegen der Ausbreitung des Coronavirus still. Jetzt, da sich die Lage vielerorts beruhigt, wagt die Branche den schrittweisen Neustart. 

Allerdings läuft die Reise in Zeiten der Covid-19-Pandemie anders ab als im Normalfall. Denn künftig stehen vor allem kurze Fahrten im Fokus. Die Besonderheit: Landgänge fallen bei zahlreichen Reedereien vorerst aus. Schuld daran sind zum einen die teilweise noch geschlossenen Grenzen einiger Ziele. Zum anderen gelten Schiffe laut Godja Sönnichsen, Sprecherin bei Tui Cruises, als geschlossene Systeme. Und die Gesundheit der Gäste sei die oberste Priorität. 

Langeweile kommt bei den Passagieren allerdings nicht auf. Immerhin passen die künftigen Programme an Bord zu der Herangehensweise der Branche. Welche Angebote es gibt, zeigt der reisereporter im Überblick. 

Kreuzfahrt ohne Landgang: Tui Cruises bietet „Blaue Reisen“

Tui Cruises nimmt den Betrieb ab dem 24. Juli, also pünktlich zum Beginn der Saison, wieder auf, begrenzt die Kapazität allerdings auf maximal 60 Prozent. Dazu kommen neue Hygiene- und Schutzmaßnahmen, etwa ein kontaktloser Check-in, ein Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern und regelmäßige Desinfektionen. Und: Die drei- bis viertägigen „Blauen Reisen“, die in Hamburg beginnen und enden, bestehen ausschließlich aus Seetagen. 

Damit dabei keine Langeweile aufkommt, passt das Unternehmen das Programm an Bord an. Events wie Poolpartys oder Fußballturniere finden zwar noch immer nicht statt. Allerdings haben Passagiere die Möglichkeit, in kleineren Gruppen an Vorstellungen auf der Schaubühne oder an Yoga-Kursen teilzunehmen. 

Eine weitere Besonderheit: Es stehen nur Balkonkabinen und Suiten zur Verfügung. Während die Kabinen bei einer Doppelbelegung – und im sogenannten Wohlfühl-Tarif – ab 599 Euro erhältlich sind, kostet die Buchung der Suite 949 Euro.

Aida: Die erste Kreuzfahrt ohne Landgang kommt im August

Auch das Kreuzfahrtunternehmen Aida sticht demnächst wieder in See. Los geht es am 5. August in Hamburg, weitere Touren starten am 12. August von Rostock-Warnemünde, und am 16. August von Kiel aus. Und auch diese Reederei hält – neben digitalen Gesundheitsfragebögen, Temperaturmessungen und Wegeleitsystemen – Fahrten ohne Anlaufpunkte auf dem Weg bereit. 

Das Ziel ist es, in maximal sieben Tagen wieder am Starthafen anzukommen. Zudem sind sowohl die Auslastungsgrenze der Aida-Schiffe als auch die Abstands- und Hygieneregeln neu. Und für den Zweifelsfall gibt es an Bord nach Angaben des Unternehmens sogar Covid-19-Schnelltests.

Erst in der zweiten Phase plant Aida, auch ausländische Häfen anzufahren. Anschließend bringt die dritte Etappe aller Wahrscheinlichkeit nach die gewöhnlichen Routenplanungen. 

Volle Fahrt voraus: Hurtigruten reist ohne Halt nach Norwegen

Eine ähnliche Herangehensweise zeigt die norwegische Reederei Hurtigruten. Zwar fahren die Schiffe noch immer 14 Tage lang von Hamburg nach Norwegen. Allerdings bleiben die Passagiere auch hier vorwiegend an Bord. Zugang zu Schlauchbooten, Kajaks und Paddle-Boards haben sie trotzdem. 

Die Reise nach Norwegen funktioniert in Zeiten der Corona-Krise grundsätzlich nur bedingt. Denn bis zum 14. Juli gelten die Einreisebeschränkungen des Auswärtigen Amtes. Für die Zeit danach plant das Unternehmen, mit 14 der 16 Schiffe in See zu stechen.

Heißt: Vorerst sind ohnehin nur Bürger des Europäischen Wirtschaftsraums, die ihre Familie besuchen, Studierende, die ein Auslandssemester vor Ort machen, und Saisonarbeiter erwünscht. Und wer sich für die Kreuzfahrt entscheidet, ist anschließend zu einer zehntägigen Quarantäne verpflichtet.