Im Nationalpark von Pyhä-Luosto zwischen den jeweils rund 500 Meter hohen Fjells Kultakero und Ukonhattu liegt die Isokuru-Schlucht. Aus dem verschwenderischen Umgang mit Vokalen in der Sprache lässt sich schließen, wo sich dieses Ensemble befindet. In Finnland, und zwar nördlich des Polarkreises in Finnisch-Lappland.

Die Bergketten im Pyhä-Luosto-Park, einem gut erschlossenen Wandergebiet, sind uralt. Gletscher haben die Landschaft geformt und Schluchten geschaffen wie die Isokuru, die die tiefste ihrer Art in Finnland ist.

Wandern zum Wasserfall – wo die Skaimmadas wohnen

Gesäumt von Geröll und schroffen Wänden führt der Wanderweg zu einem See mit Wasserfall, der ein besonderer Ort ist. In der Mitte befindet sich nach der Mythologie der Samen, der Ureinwohner Lapplands, ein Eingang zur Unterwelt. Skaimmadas, fischartige Wassergeister, leben demnach in der Tiefe. „Sie haben ein grausames Naturell und bestrafen die Menschen mitunter hart“, heißt es in einem Büchlein zur samischen Mythologie.

Skaimmadas liebten Ruhe über alles und würden zornig, wenn sie am Ufer Menschen lärmen und rufen hören. Wir sind dann mal lieber still, während wir rasten und die urwüchsige Gegend auf uns einwirken lassen.

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Der Fluss Raudanjoki weist den Weg durch das Wandergebiet nördlich der Provinzhauptstadt Rovaniemi.


Ruhe kann man sich in Finnisch-Lappland gut bewahren. In der Region, die etwa so groß ist wie Bayern und Baden-Württemberg zusammen, leben weniger als zwei Menschen pro Quadratkilometer, insgesamt sind es 185.000. Ein Drittel entfällt auf die Provinzhauptstadt Rovaniemi, gleichzeitig Einfallstor in die Nordprovinz.

Wegenetz in Finnland ist gut ausgeschildert

Der Wintertourismus mit alpinem Skilauf und Langlauf spielt hier eine wichtige Rolle, zumal es die Finnen verstanden haben, Rovaniemi als angeblichen Standort des Weihnachtsmannbüros nahezu weltweit zu etablieren. Aber die wunderschöne und nahezu unberührte Natur zieht auch in den Sommermonaten Wanderer, Radfahrer und Kanuten in den hohen Norden. Wer gern draußen ist, kann in den Bergen, an den Seen und Flüssen, in den Wäldern und den Mooren auf einem gut ausgeschilderten Wegenetz unterwegs sein und muss keine Menschenmassen fürchten.

Die Finnen reden nicht so viel.

Tobias Riegel, Reiseführer


Die Arctic Circle Hiking Area etwa 25 Kilometer nördlich von Rovaniemi am Fluss Raudanjoki ist eines der Wandergebiete, in denen die Zivilisation in weite Ferne rückt. Zunächst führt der Weg durch Fichten- und Birkenwälder mit Blau- und Preiselbeersträuchern. „Die Finnen reden nicht so viel“, sagt unser Reiseführer Tobias Riegel. Weil wir es ihnen gleichtun, wird das Rauschen der Blätter bald zur bestimmenden Geräuschkulisse, ab und an schreit ein Vogel.

Die Bäume werden dann weniger, der mit Brettern ausgelegte Weg führt jetzt über eine Moorebene. Man kann die Gedanken schweifen lassen. Riegel erzählt uns von den Tontus. „Sie sitzen unsichtbar in den Bäumen und achten darauf, dass man sich richtig verhält. Wenn nicht, gibt es Weihnachten weniger Geschenke“, sagt Riegel.

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Samen pflegen Traditionen ihres Volkes

Richtiges Verhalten meint auch Respekt vor der Natur. Darüber kann man bei Irene und Ari Kangasniemi einiges lernen, die auf einer kleinen Hofstelle mit Werkstatt und Atelier in Saarenkylä in der Nähe von Rovaniemi leben. Sie sind Samen und fertigen Messer, Trommeln, Besteck, Schmuck und andere Dinge aus Knochen, Horn, Fell und Leder der Rentiere. „Wir wollen die Lebensweise unseres Volkes in die heutige Zeit bringen“, sagt Irene Kangasniemi.

Die Samin Irene Kangasniemi in ihrem Atelier. Sie und ihr Mann Ari leben nach der Tradition ihres Volkes.

In der Küche verwenden sie und ihr Mann, wann immer es geht, das, was die Natur liefert – Beeren, Kräuter, Salat, Wildfleisch, Milch und Käse. „Ich gehe fast nie in den Supermarkt. Unser Supermarkt liegt hier draußen hinter dem Haus“, erklärt Kangasniemi und serviert zum Beweis einen köstlichen Blaubeersaft. Zum Abschied hat sie noch einen Tipp für uns: „Wenn Sie ein Rentierfell kaufen, dann eines mit kurzen Haaren. Die langen können brechen“.

In Finnisch-Lappland gibt es mehr Rentiere als Menschen

„In Finnisch-Lappland leben mehr Rentiere als Menschen“, sagt Kaisa Salo, die auf einer Farm in Torassieppi am Ufer des gleichnamigen Sees arbeitet. 200.000 sind es insgesamt, die nur zweimal im Jahr in ihrem Zuchtbereich zusammengetrieben werden – einmal im Sommer zum Markieren am Ohr und im Winter zur Zählung und zum Schlachten. Ansonsten laufen sie frei in der Wildbahn.

Das sollten Autofahrer immer bedenken. Auch beim Wandern im Wald kann man den Huftieren begegnen – je höher im Norden, desto häufiger.

Beim Wandern im Wald kann man in Finnisch-Lappland auch Rentieren begegnen.


Wir schwitzen in der Sauna von Torassieppi, kühlen uns im See ab, ignorieren dabei die Mücken und genießen danach ein Abendessen in der Kota – einer Holzhütte mit Feuerstelle –, das uns Kaisa Salo zubereitet hat und bei dem Kräuter und Rentierfleisch wichtige Bestandteile sind. Typisch finnisch. Wie viele Rentiere die Farm von Torassieppi hat, wollen wir wissen. „Darüber spricht man in Finnland nicht“, sagt Salo. Noch etwas Typisches.

Auf Schatzsuche im Lampivaara

Wer ein bisschen Abwechslung von der Ruhe und Einsamkeit braucht, geht auf Schatzsuche im Gestein des Lampivaara. Der Berg im Pyhä-Luosto-Nationalpark war mal 5.000 Meter hoch, jetzt bringt er es nur noch auf knapp 400. Indem die Natur ihn über Jahrmillionen abgetragen hat, hat sie seinen Schatz freigelegt. Im Lampivaara liegen oberflächennah rund 100 Tonnen Amethyst, ein violett glänzendes Quarzgestein, das vor allem für Schmuck Verwendung findet. Besucher dürfen hier selbst schürfen, was schnell einen Trieb freisetzen kann.

„Wenn es glänzt, ist es Amethyst“, sagt Mineur Pascal Buinier, während wir mit Hammer und Stahlkratzern im lockeren Gestein unterwegs sind. Leicht ist es nicht, denn der Steinstaub lässt für den Laien alles ähnlich aussehen. Oft schüttelt Buinier den Kopf, wenn wir ihm Funde zeigen und doch nur wieder Rauchquarz ins Sammelkörbchen gelegt haben. Was uns anstachelt: „Wer einen Amethyst findet, darf ihn behalten, wenn er ihn mit einer Hand umfassen kann“, sagt Buinier. Wer große Hände hat, ist hier klar im Vorteil.

Amethysten werden zu Schmuck verarbeitet

Kommerziell arbeiten ein Dutzend Mitarbeiter in der Mine. Sie fördern ohne maschinelle Unterstützung etwa 300 Kilogramm Amethyst im Jahr. Das Material geht in die eigene Schmuckproduktion, deren Erzeugnisse im Besucherzentrum angeboten werden. „Das, was unsere Leute in der Schürfzeit von Juni bis September aus dem Gestein holen, fördern sie in den großen Minen in Brasilien in zehn Minuten“, berichtet Buinier.

Nach einer guten Stunde haben wir alle einen Amethysten in der Hand. Manchmal hat der Mineur etwas nachgeholfen und in einem unbeobachteten Moment einen Stein entdeckerfreundlich platziert. Wir betrachten unsere Ausbeute mit Ehrfurcht: Die schmucken Steine aus dem Lampivaara sind etwa 2,8 Milliarden Jahre alt.

Tipps für deine Reise nach Finnland

Anreise: Per Flugzeug mit der Finn Air über Helsinki nach Rovaniemi oder Kittilä in Finnisch-Lappland. Für Individualreisende empfiehlt sich wegen der Weitläufigkeit der Region in Finnland für den Aufenthalt ein Mietwagen.

Beste Reisezeit: Im polaren Sommer von Juni bis August lohnt sich die Reise besonders. Das Klima ist maritim, beeinflusst durch den Golfstrom. Die Temperatur liegt dann meistens zwischen 15 und 20 Grad Celsius, es können aber auch 30 Grad werden.

Veranstalter:Wikinger Reisen bietet nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer geführte Reisen an – zum Beispiel die achttägige Wanderreise „Die Energie Lapplands“ mit Kulturwanderungen im Nationalpark Pyhä-Luosto und Besuch einer Amethystmine, buchbar ab 1.535 Euro pro Person im Doppelzimmer, inklusive Flüge, Transfers und Halbpension.

Beachten: Unbedingt an festes Schuhwerk, Funktionskleidung und Mückenschutz denken.

Die Reise wurde unterstützt von Wikinger Reisen und Visit Finland. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.