Antike Städte, verträumte Küstendörfer und schneeweiße Strände: Die Türkei ist eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen. Kein Wunder also, dass Städte wie Side, Antalya oder Alanya jährlich Tausende Urlauber in ihren Bann ziehen. Ein Großteil der Reisenden steht deshalb in den Startlöchern. Denn jetzt, da eine Reise ins Ausland nach wochenlanger Coronavirus-Zwangspause möglich ist, juckt es sie in den Fingern, ihren Urlaub zu planen. 

Das Problem dabei: Noch warnt das Auswärtige Amt vor „nicht notwendigen, touristischen Reisen“ in die Türkei. Und auch das Robert-Koch-Institut (RKI) stuft das Land als Corona-Risikogebiet. Wer dennoch dorthin reist, nimmt also gewisse Gefahren in Kauf. Das gilt in diesem Sommer für verschiedene Touristen-Hotspots weltweit.

Lykische Küste: Urlaub in der Türkei abseits vom Massentourismus

Für alle Urlauber, bei denen überfüllte Ufer, Märkte und Sehenswürdigkeiten die Angst vor einer Covid-19-Erkrankung steigern, gibt es gute Nachrichten: Eine Region im Südwesten der Türkei biete Ruhe, Erholung und dennoch alles, was die Herzen Reisehungriger begehren. Denn während der Massentourismus in vielen Teilen des Landes zur Tagesordnung gehört, hütet die lykische Küste ihren Frieden – damit gilt sie als echter Geheimtipp. 

Die lykische Halbinsel ragt im Südwesten der Türkei auf einer Breite von 130 Kilometern zwischen Antalya und Fethiye ins östliche Mittelmeer. Das spiegelt sich auch in den wenigen Ortschaften wider: Sie befinden sich an der überwiegend felsigen Küste, in die zahlreiche Buchten ragen.

Eine Kulisse, die nicht nur traumhaft schön aussieht, sondern ebenso dazu beiträgt, dass weniger Touristen in die Region stürmen. Denn die Gesteine verhindern – gemeinsam mit den antiken Ruinenstädten aus griechischer und römischer Zeit und den geschützten Meeresschildkröten – seit jeher das Bauen von riesigen Hotelanlagen.

Während sich in den Nachbarorten an der türkischen Riviera also Touristen tummeln und drängeln, ruht die lykische Küste in sich. Und so werden aus der einen Autostunde, die Reisende eigentlich bis zu den beliebten Urlaubszielen brauchen, Welten.

Sonne, Strand und Meer in der Türkei: Drei Reiseziele an der lykischen Küste

Wer sich für eine Reise an die lykische Küste entscheidet, hat die Wahl zwischen mehreren beeindruckenden Zielorten.

Kulturliebhaber, die eine Vorliebe für Maritimes haben, kommen beispielsweise in Kalkan, einer Region im Landkreis Kaş in der Provinz Antalya, auf ihre Kosten. Denn neben zahlreichen Bademöglichkeiten wartet dort ein lebendiger Fischereihafen, der Reisenden frische Speisen aus dem Meer bietet, also Meeresfrüchte und Fisch. Dazu kommt eine hinreißende Altstadt, die mit alten griechischen Häusern glänzt. 

In Kalkan kommen sowohl Geschichtsinteressierte als auch Wasserratten auf ihre Kosten.

Stadt Kaş: Eine Reise in die Türkei und einen Kurztrip nach Griechenland

Ähnlich wirkt die Lage in der Stadt Kaş: Etwa 3000 Meter hohe Bergen verleihen ihr einen Rahmen. Neben türkisblauem Wasser und feinen Sandstränden genießen Urlauber im Ort ein mediterranes Lebensgefühl, das mit schmalen Gassen und griechischer Architektur, etwa hölzernen Fenstern und riesigen Terrassen, einhergeht.

Und für alle, die dann noch abenteuerlustig sind, bietet sich in der Region eine weitere Chance. Nur drei Kilometer entfernt befinden sich die griechischen Inseln Kastelorizo und Strongyli. Wer einen Tagesausflug dorthin macht, schlägt also zwei Fliegen mit einer Klappe: eine Reise in die Türkei und einen Kurztrip nach Griechenland.

Allein wegen des romantischen Hafens ist Kaş sehenswert.

Ferienort Cirali: Naturliebhaber und Wanderer kommen auf ihre Kosten

Der Ferienort Cirali wiederum ist 72 Kilometer von Antalya entfernt. Vor allem Naturliebhaber sehen sich nicht an ihm satt. Denn das umliegende Tal steht unter Naturschutz und gilt bei Kennern als Olympos-Nationalpark. Und wer etwas Sportaffinität mitbringt, hat zudem die Möglichkeit, das unberührte Taurusgebirge oder den Lykischen Weg, einen Weitwanderweg mit einer sagenhaften Länge von 509 Kilometern, zu erkunden.

Eine weitere Besonderheit: Weil Cirali auf ökologischen Tourismus setzt, ist von herkömmlichen Hotelanlagen keine Spur. Vielmehr stehen zum Beispiel Gewächs- oder Baumhäuser an der Tagesordnung. Cool, oder?

Bekannt ist Cirali in der Türkei vor allem für den ökologischen Tourismus.

Sehenswürdigkeiten: Geisterstädte, Feuerfelder und Ruinen an der lykischen Küste

Wer sich für eine Reise nach Cirali entscheidet, staunt beim Anblick der berühmten Feuerfelder von Chimaira, die sich in einer beeindruckenden Höhe von 250 Metern befinden. Denn dort warten viele kleine Erdlöcher, aus denen permanent Feuer austritt. 

Heute ist klar: Erdgase nähren die Flammen. Doch in der Antike verbreitete sich das Gerücht, das Feuer stamme von einem feuerspeienden Ungeheuer, der Chimäre, das tief im Olympos haust. 

Um die schaurig-schöne Atmosphäre und einen traumhaften Blick auf das Meer zu genießen, erklimmen viele Wander-Fans zudem den 2300 Meter hohen Berg, die „Höhle des Monsters“. Doch keine Sorge: Auch gemütlichere Urlauber müssen nicht auf den Ausflug verzichten, es führt eine Gondelbahn auf den Berg hinauf. 

Ist es ein Monster – oder doch ein Naturphänomen? Die brennenden Steine der Chimaira faszinieren sowohl Einheimische als auch Reisende.

Ruinen von Xanthos in der Türkei – eine Reise zum Unesco-Weltkulturerbe

Für alle, die sich in der Nähe von Fethiye aufhalten, lohnt sich außerdem ein Besuch der Ruinen von Xanthos, einer Region, die einst die Hauptstadt des Lykischen Bundes war. Sie sind seit 1988 ein Unesco-Weltkulturerbe. Gleiches gilt für den angrenzenden Tempelbezirk Letoon, der nicht nur Kulturliebhaber beeindruckt. In ihm befinden sich zahlreiche Grabmäler, teilweise in Form von Pfeilern oder Häusern. 

Ansonsten zeigt sich die Region zwar relativ sumpfig. Doch der Legende nach gibt es dafür eine Erklärung: Angeblich handelt es sich bei den vielen Fröschen vor Ort um verzauberte Bauern, die sich einst weigerten, Leto, also einer Geliebten des Zeus, auf ihrer Flucht vor Gattin Hera zu helfen. 

Neben bedeutenden Resten von Tempeln und städtischen Bauten bietet Xanthos eine Reihe einzigartiger lykischer Denkmäler.

Antalya: Grusel-Stimmung in der Geisterstadt Termessos

Ähnlich sehenswert ist der Güllük-Dagi-Nationalpark in der Provinz Antalya. Dort wartet auf fast 1000 Metern Höhe die sagenumwobene Geisterstadt Termessos. Mit dabei: rund 1000 antike Sarkophage, verteilt über die zahlreichen Felsen und Hänge im Ort. Dazu kommen ein gut erhaltenes Aquädukt, eine antike Prachtstraße, ein Amphitheater sowie eine Agora mit einem Stadttor zu Ehren Kaiser Hadrians. 

Das komplette Kontrastprogramm finden Urlauber dann ganz in der Nähe. Denn während Reisende für eine Besichtigung der Ruinen hoch hinaus wandern, schwimmen sie in Phaselis einfach über sie hinweg. Beim Schwimmen und Schnorcheln im alten Hafen der antiken Stadt zeigen sich immer wieder historische Säulen und Gebäudereste. Atlantis war gestern!

Wow! In Termessos kommen nicht nur Kulturliebhaber auf ihre Kosten.

Urlaub in der Türkei: Die schönsten Strände an der lykischen Küste

Einen traumhaften Strand an der lykischen Küste gibt es zum Beispiel in der Kleinstadt Ölüdeniz. Denn wer dort ankommt, ahnt es beim Anblick der angrenzenden Pinienwälder und Berglandschaften schon: Bei der blauen Lagune handelt sich um ein Naturschutzgebiet. Das Wasser glitzert in verschiedenen Blau- und Grüntönen, der Kies-und-Sand-Strand lädt zu langen Spaziergängen ein. 

Der Strand von Ölüdeniz bietet Reisenden eine Kulisse wie aus dem Bilderbuch.

Strandurlaub in der Türkei: Kaputas Beach liegt zwischen Kaş und Kalkan

Klein, aber oho: An der Küstenstraße zwischen Kaş und Kalkan befindet sich hinter einer scharfen Kurve außerdem der 150 Meter lange Strandabschnitt Kaputas Beach. Das sorgt für eine versteckte Lage, wodurch sich dort weniger Touristen tummeln. Denjenigen, die eine Reise in die Region auf sich nehmen, bietet sich daher eine unvergleichbare Ruhe. Nur das Plätschern des Wassers durchbricht sie beim Sonnen im honiggelben Sand gelegentlich. 

Klein und fein: Selbst in der Hochsaison zieht es nur wenige Touristen an den Strandabschnitt.

Patara hat womöglich den schönsten Strand an der lykischen Küste

Den längsten – und womöglich schönsten – unbebauten Sandstrand im Land finden Naturliebhaber im Küstenort Patara. Mit einer Länge von 18 Kilometern sowie einer Breite von 400 Metern gilt er unter Kennern als Sahara der Türkei. Das weiß auch die Tierwelt zu schätzen: Nach Einbruch der Dunkelheit gehört der Abschnitt den großen Meeresschildkröten, die ihre Eier seit ewigen Zeiten im Sand der Dünen ablegen.

Liebespärchen aufgepasst: So schön ist der feine Sandstreifen an der lykischen Küste.

Auf den Geschmack gekommen? So geht’s an die lykische Küste

Die Regionen Adrasan, Cirali, Finike, Kumluca und Kaş erreichen Reisende am schnellsten über den Flughafen in Antalya. Die Fahrtzeit richtet sich nach dem Transportmittel: Wer selbst anreist, zum Beispiel mit einem Mietwagen, nimmt keine Umwege auf sich. Sammelbusse hingegen bleiben entlang der Strecke mehrmals stehen.

Diejenigen, die beispielsweise nach Fethiye oder Ölüdeniz reisen, wählen am besten den lokalen Flughafen in Dalaman. Auf diese Weise brauchen sie nur etwa eine Stunde für den Weg. Doch Vorsicht: Der Betrieb läuft nur in den Sommermonaten. Im Winter gibt es dagegen kaum direkte Verbindungen. Wer also einen Urlaub außerhalb der Saison plant, greift im besten Fall auf den Flughafen in Istanbul oder Ankara zurück. 

Urlaub 2020: Die Türkei sieht sich nicht als Risikogebiet

Die örtliche Touristik ist auf potenzielle Urlauber angewiesen. Immerhin reisten noch im Jahr 2019 mehr als fünf Millionen Deutsche in die Türkei. Dementsprechend wehrte sich das Land gegen die Einstufung als Risikogebiet sowie die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes: Außenminister Mevlüt Cavusoglu und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy kamen nach Deutschland und warben für eine Änderung. Deutschland aber blieb hart.