Was war noch mal dieses Coronavirus? Ein Gedanke, der einem bei Bildern wie aus dem britischen Bournemouth unweigerlich in den Kopf kommt. Dort tummelten sich Zehntausende Menschen am Strand. Mindestens 1,5 Meter Abstand? Fehlanzeige. Dabei ist dies doch eine der wichtigsten Regeln im Kampf gegen die Corona-Pandemie. 

Wie sieht es an anderen beliebten Urlaubszielen aus? reisereporterin Leonie Zimmermann war unterwegs in den Niederlanden und hat sich umgeschaut: 

Ich habe mich vor der Abreise oft gefragt, wie sich ein Urlaub aktuell eigentlich anfühlt. Die beliebten Reiseziele in Europa haben zwar den Tourismus wieder hochgefahren, aber eben unter strengen Regeln. Kommt bei Maskenpflicht, Social Distancing und anderen strengen Hygieneregeln überhaupt Urlaubs-Feeling auf? Nun, tatsächlich habe ich während meines viertägigen Urlaubes zwischendurch fast vergessen, dass Corona den Alltag dominiert. Aber von vorn:

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Wie fühlt sich Urlaub in Corona-Zeiten an?

Touristen dürfen seit dem 1. Juli wieder in die beliebten holländischen Feriengebiete reisen, alle Campingplätze und Ferienparks dürfen wieder vollständig öffnen. Auch für mich ging es zum Ferienstart mit dem Auto Richtung Den Haag. Bereits auf der Autobahn wiesen Anzeigetafeln auf das Coronavirus, Abstandsregeln und die Vermeidung von Menschenmassen hin. So weit, so gut.

Neben den Abstandsregeln gelten in den Niederlanden auch weitere Corona-Richtlinien, etwa Gesundheitschecks im Hotel und in Restaurants. Nichts ungewöhnliches während der Pandemie – solche Bilder gingen im Zuge des Mallorca-Testlaufes ja durch alle Medien. 

Lange Warteschlange im Hotel

Angekommen im Hotel, wurde aber schnell klar, dass die Regeln ihren Preis haben. Denn von der Rezeption und unserem lang ersehnten Check-in trennte uns eine enorm lange Warteschlange. Genau genommen warteten insgesamt neun Zweier-Gruppen auf ihre Zimmerkarte. Nach dem Check-in kam der nächste interessante Corona-Part beim Frühstücks-Buffet. 

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Ja, es gab Buffet, aber mit Corona-Regeln: Beim Ankommen wurden die Hände desinfiziert, dann gab es klare Gangrichtungen für die Gäste, und es durften immer nur kleine Gruppen gleichzeitig frühstücken. Die Lebensmittel waren alle einzeln verpackt. Das Hotel war sehr bemüht, das Coronavirus gleichzeitig für die Urlauber gedanklich so wenig gefährlich wie möglich und so präsent wie nötig zu machen.

Volle Strände in Den Haag, aber entspannte Urlauber

Coronavirus, war da was? Nach dem Verlassen des Hotels zeigt sich mir Den Haag, zumindest gefühlt, als nahezu coronafreie Welt: Die Menschen flanieren bei bestem Sommerwetter entspannt in großen Gruppen durch die Innenstadt, meist ohne Mundschutz. Eine Pflicht besteht nur in Bahn und Bus, anders als in Deutschland ist das Aufsetzen in Supermärkten und anderen Geschäften freiwillig. 

Voller Strand in Scheveningen in der Nähe des Piers.

Auch im Restaurant wird auf die Maskenpflicht verzichtet. Die Tische stehen weiter auseinander als vor Corona-Zeiten, aber die Abstandsregeln werden gefühlt eher nach Gusto eingehalten, und der Gesundheitscheck besteht aus einem Augen-Scan der Bedienung. Anders als in Deutschland musste ich keine Kontaktdaten hinterlassen.

Blick aus dem Riesenrad The Pier SkyView auf den Strand von Scheveningen in Den Haag: Stellenweise ist es ziemlich voll.

Und wer sich in Zeiten der Corona-Pandemie auf einen ruhigen Tag am Strand freut, der landet am Ende zwischen spielenden Kindern, feiernden Jugendlichen und distanzlosen Erwachsenen. Und die kommen aus Spanien, Italien, Frankreich, Deutschland und Holland selbst – zumindest, wenn man sich auf die gesprochenen Sprachen verlassen kann. Abends strömen dann vermehrt die Einheimischen an den Strand, um den Sonnenuntergang gemeinsam zu zelebrieren. 

Abstand? Nein, auch hier ist der bei Sonne und hohen Temperaturen nicht immer gegeben. Stören tut das aber kaum jemanden, die Stimmung ist entspannt. Wer es ruhiger will, lässt sich nicht direkt an den Hauptstränden nieder, sondern geht ein Stück. Und ein paar Tage später, als das Wetter umschlägt, ist der Strand auch wieder leer.

Das Riesenrad The Pier SkyView am Strand von Scheveningen in Den Haag. Rundherum ist viel los.

Urlaub vom Corona-Wahnsinn

Am Ende kommt es auch immer darauf an, was man im Urlaub sucht: Ruhe, Action oder vielleicht eine kurze Pause vom Corona-Wahnsinn? Wer mal wieder ein Stück Normalität erleben möchte, und das noch an einem wirklich schönen Ort, der sollte Holland in diesem Jahr auf seine Bucket List schreiben.

Denn die Antwort der Niederländer auf die Krise ist: Gelassenheit. Und dank geringer Neu-Infektionszahlen im Land dürfte das auch noch eine Weile so bleiben.