Die Bundesregierung hatte die Reisewarnung für die Türkei bis zum 31. August verlängert, so wie für mehr als 130 weitere Länder außerhalb Europas. Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) stuft die Türkei als Corona-Risikogebiet ein. Das beliebte Urlaubsland ist damit ziemlich unglücklich – und schickte an diesem Donnerstag den türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu sowie Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy nach Deutschland.

Die beiden warben dafür, die Reisewarnung doch früher aufzuheben und die Einstufung der Türkei als Risikogebiet zurückzunehmen. „Die Türkei ist ein sicheres Land. Es ist wichtig, dass die Reisewarnung noch einmal überprüft wird anhand objektiver Kriterien“, sagte der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu auf einer Pressekonferenz.

Reisewarnung für Türkei bleibt – vorerst

Aber: Deutschland bleibt hart. Die Reisewarnung wird nicht aufgehoben – zumindest vorerst nicht. „Wir wissen: Viele, nicht nur in der Tourismusindustrie, wünschen sich eine Aufhebung“, sagte Außenminister Heiko Maas. Er verwies jedoch darauf, dass die Abstimmung mit der EU hier von großer Bedeutung sei. „Nur wenn wir im Gleichklang handeln, ist es möglich, die Ausbreitung des Coronavirus zu kontrollieren.“

Für diese Entscheidung gibt es Kritik von Çavuşoğlu: „​Es gibt einige Länder, die nicht sicher sind und trotzdem auf der positiven Seite stehen. Die Türkei nicht. Das ist eine politische Entscheidung, es sollte aber eine wissenschaftliche sein.“

Grundlage für die Entscheidung, so Maas, sei sowohl auf nationaler wie auf EU-Ebene das Infektionsgeschehen in den Ländern. Çavuşoğlu und er hätten bei ihrem Treffen „eine Vielzahl an Daten ausgetauscht“. Diese werden nun auch dem Gesundheitsministerium zur Verfügung gestellt. Die gemeinsame Hoffnung sei, dass es bald zu mehr Öffnungen komme.

Familienbesuche in der Türkei von Reisewarnung nicht betroffen

Es gebe jedoch eine Ausnahme von der Reisewarnung: „Reisen in die Türkei, die Familienbesuchen dienen, die sind davon nicht betroffen“, so Maas. Man setze sich bei der EU dafür ein, dass es hier schnell entsprechende Möglichkeiten geben werde.

Infolge der Corona-Pandemie sind die Tourismuszahlen in der Türkei stark eingebrochen. Im Mai kamen rund 30.000 Besucher in das Land. Das sind 99,26 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, wie das Tourismusministerium am Montag mitteilte.