Nordsee und Ostsee: zwei wundervolle Flecken Erde, und beide in Deutschlands Norden zu finden. Doch damit dein Urlaub am Meer auch ein echter Traumurlaub wird, solltest du dein Reiseziel genau auswählen. Die Küstengebiete unterscheiden sich nämlich stark – und wer die Ostsee liebt, fühlt sich nicht automatisch auch an der Nordsee wohl, und umgekehrt.

Strand: Von Wattenmeer bis Sandstrand

Kilometerlangen Sandstrand gibt es an der Nord- sowie an der Ostsee. Dennoch gilt die Nordsee als ein wenig rauer und bietet auch hin und wieder Abwechslung, etwa durch Felsformationen.

Während in Norwegen und Schottland vor allem die Nordsee- und die Atlantikküste mit Fjorden auf sich aufmerksam machen, findet man sie in Deutschland eher an der Ostsee, vor allem in Schleswig-Holstein. Außerdem besticht die deutsche Ostsee, etwa auf der Insel Rügen, mit beeindruckenden Klippen, besonders mit den Kreidefelsen. Ebenfalls nur an der Ostsee, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern, zu finden: die flachen, buchtartigen Boddenküsten. 

Die Nordsee hat einige schöne Geröll- und Sandstrände und besticht ansonsten mit Sandbänken, Dünen und Salzwiesen. Besonderes Merkmal ist das größte Wattenmeer der Welt, das Urlauber zwischen den Niederlanden und Dänemark finden. Das Wattenmeer ist einer der größten und artenreichsten Lebensräume in Westeuropa.

Bei Ebbe lässt sich an der Nordsee stundenlang durchs Meer wandern.

Ostsee und Nordsee im Vergleich: Badegefühl und Gezeiten

Die Entstehung des Wattenmeers hängt eng mit den Gezeiten zusammen, die an der Nordsee stärker ausgeprägt sind als an der Ostsee. Während die Ostsee konstant Wasser führt und der Spiegel bei Ebbe und Flut nur um rund zehn Zentimeter sinkt oder steigt, ist an der Nordsee das Meer schon einmal verschwunden und man muss kilometerweit hinauslaufen, um wieder Wasser zu sehen.

Baden ist in Zeiten der Ebbe in der Nordsee nicht möglich – aber auch bei Flut kann es unangenehm werden, denn der Wasserpegel steigt sehr schnell an und kann somit gefährlich werden, indem etwa Ströme und Wellen ausgelöst werden. 

Die Ostsee ist eher für ruhigeres Baden bekannt als die Nordsee, in der der Wind immer wieder Wellen entfacht. Auch sonst unterscheidet sich das Badegefühl. Das Wasser in der Ostsee kann bis zu 24 Grad warm werden, in der Nordsee bleibt es mit rund 21 Grad deutlich kühler. 

Einen Unterschied gibt es auch beim Salzgehalt: In der deutschen Ostsee beträgt er maximal 1,8 Prozent, in der Nordsee bereits 3,5 Prozent. Zudem ist sie deutlich älter und auch fast doppelt so tief wie die Ostsee. 

Gefahren im Urlaub 2020: Vibrionen, Quallen und Co.

Der Badespaß in der Ostsee kann aber auch getrübt werden, denn hier kommt es klimabedingt immer wieder zu Vorfällen mit Vibrionen und Quallen.

Im vergangenen Jahr fanden sich Unmengen von Ohrenquallen zum Beispiel am Strand von Timmendorfer Strand. Grund war, dass der Winter so mild war und die Ohrenquallen somit länger überlebt haben. Außerdem wachsen Jungtiere in warmem Wasser schneller. Allerdings können Ohrenquallen auch in der Nordsee vorkommen. 

Zudem gibt es in der Ostsee immer wieder Probleme mit Vibrionen, denn im Gegensatz zur Nordsee ist der Salzgehalt hier optimal für die Bakterien, um sich auszubreiten. Bei den meisten Menschen verursachen sie nur Magen-Darm-Infektionen, allerdings starben auch schon Badegäste. Die schlechte Nachricht: Durch die Klimaerwärmung wird es in den kommenden Jahren häufiger Vibrionen-Alarm an der deutschen Ostsee geben. 

Wind und Wetter an Nord- und Ostsee

Den Sieg in Sachen Sonnenschein-Dauer holt die Ostsee: Nirgendwo scheint die Sonne so viel wie auf Usedom: 1918 Stunden im Jahresschnitt. Auch auf den folgenden Plätzen liegen Ostsee-Inseln. Die Greifswalder Oie kommt auf 1826 Sonnenstunden im Jahr, Rügen auf 1805 und Fehmarn auf 1740. Erst danach kommt die Nordsee-Insel Sylt mit 1714 Sonnenstunden im Jahr. Das sind aber immer noch fast so viele wie die bayerische Hauptstadt München.

Die Nordsee ist zudem für ihr stürmisches Wetter bekannt. Das liegt daran, dass die See in der Zugbahn von nordatlantischen Tiefdruckgebieten liegt, und diese wiederum sorgen für wechselhaftes und stürmisches Wetter. Wer es also lieber ruhig und mit weniger Wind mag, sollte an die Ostsee fahren.  

Sonne, Strand und Meer: Wassersport und Aktivurlaub

Wer im Urlaub Sport machen will, sollte sein Ziel mit Bedacht wählen. Für erfahrene Kite- und Windsurfer oder auch Segler ist die Nordsee ein Paradies – denn hier sorgt der Wind nahezu immer für guten Wellengang. Allerdings kann das für weniger Erfahrene schon zu viel sein. Wer surfen und segeln erst lernt, sollte eher die Ostsee wählen. 

Auch wer ausdauernd schwimmen möchte, ist an der Ostsee besser aufgehoben. Radfahrer und Reiter finden an der Ostsee ein besser ausgebautes Wegenetz, ebenso Wanderer, die nicht nur in die Unendlichkeit des Wattenmeeres marschieren wollen. 

Urlaub 2020: Die Familien-Reise mit Kindern

Diese Antwort kommt wenig überraschend: Der Urlaubsspaß mit Kindern ist an der Ostsee deutlich größer. Die Kinder können hier ausgelassener plantschen und sich auch unter Aufsicht ins Wasser trauen. Durch den geringen Salzgehalt und die höhere Wassertemperatur ist das Baden angenehmer. 

Wer hingegen lieber nur Sandburgen baut oder mit dem Ball spielt, kann auch die Nordsee besuchen. 

Attraktionen für Kinder wie Museen oder Erlebnispfade gibt es ebenfalls an beiden Küsten. 

Ostsee oder Nordsee: Touristen-Ansturm oder Ruhe?

Die Ostsee ist unter den Deutschen beliebter als die Nordsee. 7,14 Millionen Deutsche haben innerhalb der vergangenen zwölf Monate Urlaub an der Ostsee gemacht, vermeldet Statista. Allein auf Rügen wurden 6,4 Millionen Übernachtungen gezählt. An der Nordsee hingegen waren nur 5,24 Millionen Deutsche im vergangenen Jahr im Urlaub. Der Tourismus an der Ostsee nimmt weiterhin zu, bei der Nordsee steigt er nur langsam. 

Allerdings verteilen sich die Gäste an der Ostsee auch auf mehr Fläche. Denn mit Fehmarn ist Deutschlands Ostseeküste ganze 2.247 Kilometer lang. Die Nordsee hingegen kommt nur auf knapp 1300 Kilometer Küstenlänge.