Zum Start der Sommerferien in einigen Bundesländern lockte das heiße Sommerwetter Tausende Urlauber an die Strände Deutschlands. Das ist in Zeiten des Coronavirus ein Problem, denn Abstand halten war vielerorts nicht mehr möglich. Die Konsequenz: Die Ostseeorte Scharbeutz und Haffkrug mussten die Notbremse ziehen und die Strände schließen.

Dieses System soll Überfüllung der Strände vermeiden

Wie voll ist es an der Küste? Darüber soll in der Lübecker Bucht nun ein Ampel-System informieren, berichten die „Lübecker Nachrichten“. Das soll die Menschen-Massen automatisch steuern. Urlauber und Tagestouristen sollen ab heute, 2. Juli, über die Website „Strandticker“ sehen, wie die Lage ist, wo vermutlich gesperrt wird und wohin sie ausweichen können.

Zudem sollen im Laufe des Monats noch Bildschirme aufgestellt werden, welche die Situation anzeigen. Grün bedeutet: Es gibt noch genügend Platz am Strand. Gelb bedeutet: Gäste sollten lieber an einen anderen Strand gehen, es droht Überfüllung. Rot bedeutet: Der Strand ist voll und gesperrt.

Reise an die Küste: Hier müssen Strandbesucher mit Sperrungen rechnen

Wie sieht es an den anderen Küstenorten an der Ostsee und der Nordsee aus? Womit rechnen die Strandbetreiber? Der reisereporter hat nachgefragt.  

Nordseeinseln in Niedersachsen: Wann droht Schließung?

Seit dem 1. Juli dürfen trotz Corona wieder Tagestouristen auf die niedersächsischen Inseln in der Nordsee reisen. Laut dem Landkreis Aurich sind die Strände von JuistNorderney und Baltrum bisher nicht von Nordseeurlaubern überlaufen.

Für das erste Juli-Wochenende sei ein Ansturm zwar denkbar, wird aber nicht erwartet. Über konkrete Zugangsbeschränkungen gibt es bislang keine Infos: „Es gibt keine Regelungen, ab wann die Strände gesperrt werden. Der Tagestourismus ist wieder zugelassen. Wir beobachten das Geschehen und reagieren dann spontan“, sagte ein Sprecher des Landkreises gegenüber dem reisereporter. 

Maskenpflicht auf Norderney – in einigen Straßen

Auf Norderney müssen sich Touristen in bestimmten Straßen auf eine Maskenpflicht einstellen. Bis zum 19. Juli müssen Einwohner und Besucher in der Strandstraße, der Poststraße, der Friedrichstraße zwischen Heinrich- und Bismarckstraße sowie in der Schmiedestraße eine Nasen-Mund-Bedeckung tragen.

Fähren regulieren die Anzahl der Tagesgäste auf den Nordsee-Inseln

Nach Angaben des Landkreises Wittmund (Langeoog und Spiekeroog) übernachten rund fünf Millionen Urlauber jährlich auf den Inseln und dem Festland: „Wir rechnen ständig mit einem Ansturm“, heißt es vom Pressesprecher.

Aber auch hier würden lediglich die allgemeinen Regelungen des Landes Niedersachsen gelten. Die Urlauberzahlen würden durch die Fähren reguliert werden.

Scharbeutz und Haffkrug mussten schon Strände schließen

Die Strände von Scharbeutz und Haffkrug mussten wegen eines Ansturms an Tagestouristen am ersten Wochenende der Schulferien schließen. Die Bürgermeisterin Bettina Schäfer ließ am Samstagvormittag mehrere Zufahrtsstraßen von der Polizei und der Feuerwehr abriegeln. Denn: Die Parkplätze waren zu 70 Prozent voll und die Buchungsauslastung lag bei 100 Prozent.

In einem Facebook-Post verkündet sie, dass anreisende Gäste aufgrund dieser Auslastung nur noch durch die Orte durchgeleitet werden. „Ich sah, wie ganze Züge an Urlaubern am Bürgerhaus vorbei in Richtung Strand liefen. Deshalb haben wir zunächst fünf der acht Strandabschnitte geschlossen, die anderen zogen nach“, schildert sie die Situation dem reisereporter.

Strand-Ampel soll demnächst die Besucherzahlen regeln

Bisher würden die Strandkorb-Vermieter die Verantwortlichen über die Auslastung der Strände informieren, auf der Basis soll ab dem 2. Juli eine Strand-Ampel in einer App den Besuchern zeigen, welche Strandabschnitte noch Personen aufnehmen können, darüber berichten die „Lübecker Nachrichten“.

Dass die Ostsee-Strände in Schleswig-Holstein durch die Öffnung der niedersächsischen Inseln für Tagestouristen entlastet werden, glaubt Schäfer nicht: „Ich würde mich freuen, wenn Mecklenburg-Vorpommern wieder Tagestouristen zulassen würde.“ Am ersten Juli-Wochenende könnte das Wetter den Ansturm verringern. 

Grömitz und Timmendorfer Strand: Kontrolle der Besucherzahl

An heißen Sommertagen rechnet auch der Tourismus-Service in Grömitz mit vielen Tagestouristen. Deshalb kontrolliert das Ordnungsamt dort die Hotspots und ob alle Abstandsregeln eingehalten werden. Beschränkungen seien aber nicht geplant. 

Auch in Timmendorfer Strand gibt es eine verstärkte Anzahl an Ordnungskräften und private Sicherheitsdienste, die kontrollieren, ob alle Regeln eingehalten werden. Reguliert werden dort die Besucherströme durch die Parkplätze. Die Parkdauer sei auf maximal drei Stunden begrenzt, berichten die „Lübecker Nachrichten“.

Genügend Platz gibt es auf Fehmarn an der Ostsee

Auf Fehmarn gibt es nach Aussage von Tourismusdirektor Oliver Behncke genügend Platz, ohne dass es zu eng wird. Kein Wunder: Die Küstenlinie ist 78 Kilometer lang, und es gibt vier konzessionierte Strände. Der beliebteste Strand sei der Südstrand in Burgtiefe. Am dortigen Jachthafen gebe es einen großen Parkplatz für Touristen.

Nordsee: Sylt ist fast ausgebucht, hat aber Platz für Tagestouristen

In diesem Sommer bereits sehr gut ausgebucht ist laut Pressesprecherin Julia Lund die Nordseeinsel Sylt – sie sei aber nicht voll: „Wir können nicht sagen, es gibt keine Kapazitäten, denn es gibt immer wieder Stornierungen.“ Allerdings sei die Insel in diesem Jahr besser gebucht als gewöhnlich, auch die Strandkörbe seien in fast allen Orten bereits vermietet.

Für Tagestouristen gebe es kein Platzproblem. „Bei dem über 40 Kilometer langen Strand findet jeder ein Plätzchen. Allerdings empfehle ich den Tagestouristen, dass sie ihre Touren schon im Voraus planen und entscheiden, wo sie essen wollen, damit sie nicht lange suchen müssen. Ein Fischbrötchen auf die Hand bekommt aber bestimmt jeder.“

Genügend Platz an den Stränden von Rügen und Usedom

Die Buchungslage für den Sommer ist nach Angaben der Tourismuszentrale Rügen und der Usedom Tourismus GmbH gut. Für Kurzentschlossene gebe es derzeit auch noch freie Kapazitäten.

Die Strände seien am vergangenen Wochenende sehr gut besucht gewesen, aber nicht überfüllt. Für die kommenden Wochenenden erwartet Usedom weitere Gäste, da die Ferien in weiteren Bundesländern beginnen. Am 42 Kilometer langen und 70 Meter breiten Strand gebe es aber genug Platz, um die geltenden Corona-Abstandsregeln einzuhalten.

„Daher gibt es auch keine Kapazitätsgrenzen und besteht auch keine Notwendigkeit, Strandabschnitte zu sperren“, so eine Sprecherin. „Wir appellieren dennoch an die Gäste, den Strand in seiner gesamten Ausdehnung zu nutzen und sich zu verteilen.“

Rügen ab Mitte Juli fast ausgebucht

Rügen sei von Mitte Juli bis Mitte August fast ausgebucht: „Nur noch hochpreise Unterkünfte sind vorhanden“, verrät eine Pressesprecherin. Wie viele Gäste an den Stränden Platz haben, entscheiden individuell die Kurverwaltungen.

Allerdings sei die Insel groß genug, sodass, selbst wenn Mecklenburg-Vorpommern wieder Tagesgäste zulassen würde, es keinen Unterschied in der Platzverteilung machen würde.