Mehr als fünf Millionen Deutsche haben im Jahr 2019 Urlaub in der Türkei gemacht – es ist das drittbeliebteste Reiseziel hierzulande. In diesem Jahr macht die Corona-Krise dem Tourismusansturm einen Strich durch die Rechnung. Die Zahlen sind stark eingebrochen. Im Mai kamen gut 99 Prozent weniger Touristen als im Vorjahreszeitraum in das Urlaubsland, teilte das Tourismusministerium mit. Auch der Sommerurlaub im Juni, Juli und August fällt für viele flach.

Dieser Artikel kann veraltete Informationen enthalten (Stand: 10. Juli). Die Reisewarung für die Türkei wurde am 4. August teilweise aufgehoben. Die neusten Informationen findest du in unserem großen Überblick.

Risikogebiet Türkei: Reisewarnung wird nicht aufgehoben

Für die Türkei besteht wegen der Pandemie weiterhin eine Reisewarnung. Beim Auswärtigen Amt heißt es dazu: „Aufgrund der Ausbreitung von Covid-19 und damit einhergehenden Einschränkungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr sowie Beeinträchtigungen des öffentlichen Lebens wird vor nicht notwendigen touristischen Reisen in die Türkei weiterhin gewarnt.“ 

Die Bundesregierung hatte die Reisewarnung bis zum 31. August verlängert, ebenso wie für mehr als 130 weitere Länder außerhalb Europas. Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) stuft die Türkei als Corona-Risikogebiet ein. Nach Angaben der Johns Hopkins University hat die Türkei mehr als 209.000 Corona-Infizierte, mehr als 5.300 Menschen starben infolge einer Covid-19-Erkrankung (Stand: 10. Juli).

Das Land ist mit der Einstufung als Risikogebiet jedoch gar nicht glücklich – und schickte den türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu sowie den Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy nach Deutschland. Die beiden warben dafür, die Reisewarnung doch früher aufzuheben und die Einstufung der Türkei als Risikogebiet zurückzunehmen.

Deutschland aber bleibt hart: Die Reisewarnung wird nicht aufgehoben, das sagte Außenminister Heiko Maas am Donnerstag, 2. Juli, auf einer Pressekonferenz.

Darf ich trotz Reisewarnung Urlaub in der Türkei machen?

Eine Reisewarnung ist kein Reiseverbot – daher ist der Urlaub in dem Land erlaubt. Die Türkei hat die Grenzen am 11. Juni für deutsche Staatsangehörige geöffnet. Es gibt zudem wieder deutlich mehr Direktflüge von Airports in Deutschland nach Antalya, Istanbul und Co.

Es gibt aber mehrere Konsequenzen bei Reisen in Risikogebiete, über die sich Urlauber im Klaren sein sollten. Zum einen können sie nicht mit Rückholaktionen durch die Bundesregierung rechnen. Außerdem sollten sie unbedingt die AGB ihrer Auslandskrankenversicherung lesen. Es kann nämlich gut sein, dass diese nicht greift. Es gibt Versicherungen, welche die Pandemie ausgeschlossen haben.

Die Türkei bietet für Urlauber jedoch eine Zusatzversicherung für 30 Euro an, die dann eventuelle Corona-Behandlungskosten bis zu 7.000 Euro bezahlt.

Eine (Teil-)Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gilt zudem in der Reiserücktrittsversicherung nicht als versichertes Ereignis. Die Reiserücktrittsversicherung greift also nicht.

Gibt es überhaupt Pauschalreisen für die Türkei?

Viele Reiseveranstalter stornieren aufgrund der Reisewarnung und der Einstufung des RKI Reisen in die Türkei. Tui beispielsweise hat vorerst alle Reisen mit Abflug bis 14. Juli storniert, Alltours bereits bis 23. Juli. Bentour wiederum bringt Urlauber bereits seit dem 20. Juni wieder in die Türkei.

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Was gilt bei der Einreise in die Türkei?

Bei der Einreise in die Türkei werden Gesundheitsuntersuchungen durchgeführt. Hat der Urlauber eine erhöhte Temperatur oder weitere Covid-19-Symptome, dann wird ein Corona-Test gemacht. Ist das Ergebnis positiv, wird eine medizinische Behandlung angeordnet, auch Quarantänemaßnahmen sind möglich.

Muss ich nach dem Urlaub in der Türkei in Quarantäne?

Weil die Türkei vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiet eingestuft wurde, müssen Urlauber bei der Rückkehr nach Deutschland damit rechnen, 14 Tage in Quarantäne geschickt zu werden. Es sei denn, sie können einen negativen Covid-19-Test vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden ist. 

Wer in Quarantäne muss, dem droht im schlimmsten Fall sogar eine Gehaltskürzung. Das Land Niedersachsen hat seinen Lehrern beispielsweise damit gedroht, dass sie in dieser Zeit nicht bezahlt werden. 

Was ändert sich, falls die Reisewarnung für die Türkei aufgehoben wird?

Sollte die Reisewarnung für die Türkei aufgehoben werden und das Land nicht mehr als Corona-Risikogebiet gelten, könnten Deutsche wieder ganz normal dort Urlaub machen – natürlich mit den vor Ort geltenden Regeln und Einschränkungen.

Reiseveranstalter wie Tui, Alltours und Co. würden das Programm voraussichtlich wieder hochfahren. Bei einer Corona-Erkrankung gilt: Gesetzliche Krankenkassen kommen für Behandlungen bei einer akuten Erkrankung oder einem Unfall in einem EU-Mitgliedsland sowie in Ländern mit Sozialversicherungsabkommen auf. Darüber informiert das Bundesgesundheitsministerium.

Erstattet wird aber nur, was im Urlaubsland den dort versicherten Einwohnern zusteht. Der Krankenrücktransport nach Deutschland wird grundsätzlich nicht bezahlt. Eine Auslandsreise-Krankenversicherung, die Behandlungs- und Medikamentenkosten sowie den Rücktransport im Ernstfall abdeckt, ist daher immer ratsam.