Es sind Begriffe, die schon beim Blick auf die Anzeigetafel am Flughafen für schlechte Stimmung sorgen: „delayed“ oder „cancelled“. Sowohl eine Verspätung als auch der Ausfall eines Fluges sind mit Stress verbunden. Reisende versäumen womöglich ein langersehntes Treffen mit Freunden, müssen in einer anderen Stadt übernachten oder verpassen den Anschlussflieger. Welche Rechte auf Entschädigung sie haben, gerät dabei oft in Vergessenheit. 

Flugverspätung: Anspruch auf Unterstützungsleistungen

Schon ab zwei Stunden Wartezeit stehen Passagieren Unterstützungsleistungen zu. Sie umfassen zum Beispiel die Verpflegung in dem Zeitraum, also eine Mahlzeit oder ein Getränk.

„Außerdem hat jeder Fluggast einen Anspruch darauf, E-Mails zu schreiben oder zu telefonieren“, erklärt Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Das kann – je nach Fluggesellschaft – das Recht auf eine Prepaid-Telefonkarte oder auf die Erstattung von Telefonaten mit dem eigenen Smartphone sein.

„Wird der Flug auf den nächsten Tag verschoben, besteht der Anspruch auf eine Hotelübernachtung der Mittelpreisklasse mit Transfer“, sagt Buttler.

Bei langer Wartezeit: Anspruch auf eine Ausgleichsleistung

Liegt die Ankunftsverzögerung bei mehr als drei Stunden, müssen Fluggesellschaften oder Reiseveranstalter Ausgleichszahlungen erbringen. Die Summe der Entschädigung richtet sich nach der Wartezeit und der Länge der Flugstrecke – maximal 600 Euro können dabei herausspringen.

„Kommt es beispielsweise zu einer Ankunftsverzögerung von mindestens drei Stunden bei einer Strecke von 1500 Kilometern, steht Passagieren der Mindestbetrag von 250 Euro zu“, erklärt Buttler. Die Höhe der Summen ist sowohl für den Fall einer Verspätung als auch bei einer Annullierung des Fluges in der EU-Fluggastrechte-Verordnung festgelegt. „Airlines selbst haben keinen Spielraum.“

Eine tabellarische Übersicht der Zahlungen, die einem Passagier laut Verordnung zustehen, bietet die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. 

Wann die Fluggastrechte-Verordnung gilt

Die Fluggastrechte-Verordnung gilt für alle Flüge, die aus der EU abgehen – unabhängig davon, wo die ausführende Fluggesellschaft ihren Sitz hat. „Fliegt man beispielsweise von Asien nach Amerika, gilt meist das landesspezifische Flugrecht“, sagt der Experte.

Die Ausnahme: Reisen, die von einem Drittstaat ausgehen, jedoch auf europäischem Boden landen und deren Airline ihren Sitz innerhalb der EU hat. 

Rechte bei einer Flugannullierung

„Fällt der Flug aus, sind Fluggesellschaften grundsätzlich zu einer Erstattung verpflichtet“, sagt Buttler. „Sonst würden sie schließlich Gewinn machen.“

Wo Urlauber sich ihr Geld zurückholen können, hängt davon ab, ob es sich um eine Pauschal- oder eine Individualreise handelt. Wurden die Flüge über einen Reiseveranstalter gebucht, muss dieser auch haften und mit der Airline in Verbindung treten. Individualreisende wiederum stellen ihre Ansprüche gegen die Fluggesellschaft selbst. 

Pandemien, Naturkatastrophen und Co.: Der Einfluss „höherer Gewalt“

„Fluggesellschaften vertreten oft den Standpunkt, eine Verspätung oder ein Flugausfall sei einer höheren Gewalt geschuldet“, erklärt Buttler. Dadurch komme es oft zu Streitigkeiten bei Entschädigungszahlungen. Der Begriff ist alledings eingeschränkt: Eine höhere Gewalt liegt nur dann vor, wenn ein Ereignis eintritt, das die Airlines keineswegs beeinflussen konnten.

„Die Begründung gilt beispielsweise, wenn ein Vulkanausbruch einen Flug verhindert“, sagt der Verbraucherschützer. Ein weiterer denkbarer Umstand sei ein Krieg am Urlaubsziel. Eine defekte Maschine und ein Streik der Mitarbeiter fallen nicht unter die Kategorie.

Wer bei Airlines mit Subunternehmen haftet

Insbesondere wenn eine Fluggesellschaft Maschine und Besatzung bei einem Subunternehmen gemietet hat, fragen sich Passagiere bei einer Verspätung oder Annullierung des Fluges oft, an wen sie sich nun wenden. Grundsätzlich gilt: Es haftet die Airline, bei der gebucht wurde. Wer sich unsicher ist, wer offiziell Vertragspartner ist, kann in den Buchungsunterlagen nachlesen. 

Flugverspätung oder -annullierung: So gehst du auf Nummer sicher

Die Verbraucherzentrale rät dazu, sich bei Verspätung oder Annullierung eines Fluges sicherheitshalber an die Mitarbeiter vor Ort zu wenden und den Vorfall schriftlich bestätigen zu lassen. „Sollten die Mitarbeiter nicht kooperativ sein, gibt es die Möglichkeit, sich von Fremden unterschreiben zu lassen, was passiert ist“, sagt Buttler.

Stellt sich die Airline dennoch quer, sollten Reisende die Verbraucherzentrale oder einen Anwalt hinzuziehen. „Außerdem gibt es die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr, der sich rund 370 Airlines und Reiseveranstalter unterworfen haben“, erklärt der Experte. Eine Streitschlichtung über die sogenannte SÖP ist für den Verbraucher kostenlos.