Ein Kinosaal, ein Spa und ein Teesalon: Dass das Ashford Castle im Westen von Irland ein Hotel der Superlative ist, zeigt neben den fünf Sternen bereits die außergewöhnliche Ausstattung. Entsprechend glamourös sind in der Regel die Gäste des Beherbergungsbetriebs. 

Neben Ex-US-Präsident Ronald Reagan haben Größen wie die Hollywood-Stars Pierce Brosnan und Brad Pitt in einem der 83 Gästezimmer des 800-jährigen Anwesens übernachtet.

Schloss-Hotel Ashorf Castle wegen Corona geschlossen

Der Haken: Unabhängig davon, welcher Beliebtheit sich das Hotel bei Besuchern erfreut, machten die Corona-Krise und die damit verbundenen Auflagen den Betreibern einen Strich durch die Rechnung. Am 25. März schloss das Ashford Castle mit seinem 350 Hektar großen Grundstück. Es bleibt voraussichtlich bis zum 20. Juli dicht.

Zwei britische Angestellte freut es – nicht, weil sie den wirtschaftlichen Schaden gutheißen, sondern weil sie die Aufgabe teilen, sich in der Zwischenzeit um das Anwesen zu kümmern. Ein Auftrag, der für die 23-jährige Laura Jamiesons und den 28-jährigen Michael Smiths etwas ganz Besonderes ist. Denn sie haben sich in dem Schloss, das es bereits seit dem Jahr 1228 gibt, kennen- und lieben gelernt.

Corona-Lockdown im Schloss: Das Paar spült täglich 160 Toiletten

Der Anruf des Hotelmanagers kam für die beiden zwar überraschend. Allerdings entschieden sie sich gemeinsam dazu, zuzusagen und das Anwesen für insgesamt acht Wochen zu hüten. „Das mag sich anhören wie eine Reality-Show oder ein Disney-Film, ein Paar, das Prinz und Prinzessin spielt“, sagte Michael der britischen Tageszeitung „Guardian“. „Aber die Wahrheit ist: Unser Arbeitsalltag war ziemlich langweilig.“

Er hält den Unterhaltungswert beim Aufräumen, Staubsaugen und Putzen der Kronleuchter für begrenzt. Und auch administrative Aufgaben wie die Teilnahme an Zoom-Meetings und das Beantworten von Mails findet Michael offenbar eher alltäglich als aufregend.

Nur das tägliche Work-out gestaltet sich anders als erwartet: Laura und Michael betätigen täglich insgesamt 160 Toiletten-Spülungen. Außerdem legen sie aufgrund der Größe des Anwesens bis zu 30.000 Schritte pro Dienst zurück. 

Klingt anstrengend? Ist es sicherlich. Glücklicherweise genießt das Paar nach Feierabend alle Freiheiten, die sonst Gästen des Hotels zustünden. Im Klartext heißt das: den Kinosaal mit seinen 32 roten Samtsesseln für einen Serienmarathon nutzen. Dazu einen edlen Tropfen aus dem hauseigenen Weinkeller, et voilà – schon sind acht Staffeln „Game of Thrones“ durch.

Alternativ verlegt das Paar das Abenteuer in die Küche. Hierfür reicht offenbar schon der Versuch, Bananenbrot zu backen. „Trotz Fünf-Sterne-Küche ein echtes Desaster“, sagte Michael gegenüber dem US-Sender „CNN“. „Wer in einem gewöhnlichen Haus den Feueralarm auslöst, aktiviert ihn nur in der Küche. Doch wer einen Feueralarm in einem Hotel auslöst, hört ihn im gesamten Gebäude.“

Das Ashford Castle: Märchenhaft und doch gruselig?

Trotz der märchenhaften Atmosphäre grusele das Leben auf dem irischen Schloss sie gelegentlich, erzählte Laura dem Fernsehsender. Schuld daran sei der viktorianische Flügel des Anwesens. Denn hier zieren Porträts ehemaliger Schlossherren die Wände. Und manchmal erweckten sie den Eindruck, die Gestalten auf den Gemälden beobachteten die 23-Jährige. „Deshalb hat sich Michael einen Spaß daraus gemacht, hinter Ecken hervorzuspringen und mich zu erschrecken“, sagte sie „CNN“.

Probleme, die bei Bekannten, Freunden und Verwandten offenbar wenig Mitleid auslösen. Sie sind nach Angaben des Paars zwar ein wenig neidisch, aber stolz. An die Tatsache, dass die Schlüssel zum Traumanwesen am 20. Juli zurück in die Hände des Betreibers wandern, mag Michael noch nicht denken: „Das wird traurig. Dann geht’s zurück in die Realität.“