Die Eiserne Dame hat gewartet und ausgeharrt. Stoisch wie eh und je stand sie an der Seine und ließ die ruhigen Wochen an sich vorüberziehen. 104 Tage lang blieb sie ohne Besucher und damit die längste Zeit überhaupt in ihrer 131 Jahre langen Geschichte – zumindest in Friedenszeiten, denn während der beiden Weltkriege war der Eiffelturm, der aufgrund seiner metallischen Struktur liebevoll als „Eiserne Dame“ bezeichnet wird, geschlossen.

Eiffelturm war noch nie so lange geschlossen

Und eben auch seit dem 13. März, kurz bevor in ganz Frankreich strikte Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus in Kraft traten. Diese wurden seit 11. Mai nach und nach wieder gelockert. Doch bis die Abläufe im Eiffelturm neu organisiert waren, damit er im „Covid-Modus“ funktionieren kann, wie es der Generaldirektor der Betreibergesellschaft SETE, Patrick Branco Ruivo, ausdrückt, hat es mehr als drei Monate gedauert.

Die ersten Besucher wurden von Presse und Trommelmusikern begrüßt.

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Als am Donnerstag, 25. Juni, die Eingangspforten zu einem der meistbesuchten Monumente von Paris öffnen, soll es ein „festlicher“ Moment sein – so wollen es die Verantwortlichen. Am eisernen Fuß des Gebäudes spielt ein Trommelorchester eine Fanfare und die ersten Besucher, die kurz vor 10 Uhr morgens auf das Gelände kommen, werden mit Applaus und „Bravo“-Rufen von Angestellten begrüßt. Wer nicht schnell weitergeht, den umringen Journalisten mit Kameras.

Nein, sie sei nicht extra gekommen, um eine der ersten zu sein, sagt eine junge Frau namens Agathe, etwas verdattert über den unerwarteten Andrang: „Das ist Zufall. Ich habe einfach im Internet ein Ticket reserviert.“ Sie wirkt erleichtert, als sie weiter gelassen wird. Vorher hat Branco Ruivo die neuen Maßnahmen vorgestellt: Auf dem ganzen Gelände herrscht Maskenpflicht, überall wird Desinfektionsgel aufgestellt und die Laufrichtung ist genau ausgewiesen.

Der dritte Stock darf noch nicht betreten werden

Bis 15. Juli ist der dritte Stock, der 300 Meter über der Erde liegt, noch unzugänglich, da die Aufzüge bis dort hinauf enger sind. Bis dahin bleiben die 115 Meter der zweiten Etage das höchste der Gefühle. Auf der dortigen Terrasse sollen ab 9. Juli jeden Freitag- und Samstagabend DJs für Stimmung sorgen.

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Abstand halten beim Blick auf Paris!

Außerdem gilt für Kinder unter elf Jahren ein Rabatt von 50 Prozent: Die Fahrt mit dem Aufzug in den zweiten Stock kostet dann zwei Euro, der Aufstieg über die Treppen nur 1,30 Euro. Empfängt der Eiffelturm in Normalzeiten rund 23.000 Besucher am Tag, so werden es in der ersten Zeit höchstens 3000 bis 4000 sein, sagt Generaldirektor Branco Ruivo. „Wir passen das dann allmählich der Situation an.“ In die Aufzüge, die sonst bis zu 45 Menschen fassen, werden zunächst nur kleine Gruppen von acht Personen gelassen.

Seit der Ticketverkauf vor einer Woche wieder öffnete, wurden rund 700 Karten verkauft. Stellen die Franzosen ansonsten lediglich 20 Prozent der Besucher, so machen sie nun zwei Drittel aus. Die zweitgrößte Gruppe sind die Deutschen mit 13 Prozent. „Wir hoffen, dass bald auch die Amerikaner, Chinesen, Russen und Japaner, ja die ganze Welt zurückkommt“, so Ruivo. 

Schließlich hängen viele Arbeitsplätze am Eiffelturm: Allein die Betreibergesellschaft zählt insgesamt 350 Mitarbeiter. Mit den Zuständigen für die Sicherheit, dem Reinigungspersonal, den Angestellten in den Shops und Restaurants arbeiten hier insgesamt 800 Personen. Die Verluste werden pro geschlossenem Monat auf rund neun Millionen Euro geschätzt.

Und auch wenn der Betrieb jetzt wieder anläuft, wird er nicht sofort so viel einbringen wie in Normalzeiten. Zu Beginn der Sommersaison hat die Wiederöffnung des Eiffelturms auch eine wichtige Symbolwirkung für Paris als eine der meistbesuchten Städte der Welt. Seit 15. Juni empfangen alle Cafés und Restaurants wieder Gäste, auch die großen Museen ziehen nach.

Dass nun die Ruhe in der „Eisernen Dame“ endet, ist eine wichtige Etappe auf dem Weg zurück in den Trubel, der für Paris Normalität bedeutet.