Reisewarnung aufgehoben, Grenzen offen, Lockerungen in den Ländern: Nachdem die Lage lange unsicher war, gab es in den vergangenen Wochen viele gute Zeichen für den Sommerurlaub. Seit dem 15. Juni können die Deutschen wieder in viele Länder in Europa reisen – egal, aus welchem Bundesland sie kommen.

Aber: Könnte der Corona-Ausbruch beim Schlachtbetrieb Tönnies in Gütersloh nun doch dazu führen, dass der Sommerurlaub in Spanien, Italien, Kroatien oder der Türkei für Deutsche platzt? 

Hotels in Bundesländern weisen Urlauber aus Gütersloh ab

Tatsächlich wurden bereits Reisende aus dem Kreis Gütersloh von der beliebten Insel Usedom in Mecklenburg-Vorpommern abgewiesen. Und inzwischen gilt auch in Bayern und Niedersachsen ein Beherbergungsverbot für Menschen aus Risikogebieten, die keinen negativen Corona-Test vorweisen können.

Aktuelle Deals

Risikogebiete sind solche, in denen es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gab. In Schleswig-Holstein müssen Urlauber in einem solchen Fall 14 Tage in Quarantäne.

Newsletter abonnieren und kostenlosen Reiserecht-Ratgeber erhalten

Könnten beliebte Urlaubsziele im Ausland ähnlich auf die Umstände reagieren und Einreisebeschränkungen beziehungsweise Regeln einführen? Tatsächlich ist genau das zu Beginn der Coronavirus-Pandemie im März passiert. Damals hatte es im Kreis Heinsberg einen regionalen Ausbruch gegeben, aber trotzdem generelle Einschränkungen für alle Menschen aus dem gesamten Bundesland: Vereinzelt wurden Einreiseverbote für ganz NRW verhängt.

Wie sieht es aktuell in Spanien, Griechenland, Italien, Kroatien und Co. aus? Hier gibt es den Überblick mit aktuellen Infos.

Weiterlesen nach der Anzeige

Anzeige

Italien: Keine besonderen Kontrollen bei Einreise

„Alle deutschen Touristen sind in Italien willkommen“, sagte eine Sprecherin der italienischen Botschaft in Berlin gegenüber dem reisereporter. „Das Land plant keine differenzierten Kontrollen an der Grenze und wird auch nicht fragen: ‚Wo aus Deutschland kommen sie her?‘“, so die Sprecherin. Italien vertraue auf die Bundesregierung und die deutschen Behörden sowie die Maßnahmen, die im Fall erhöhter Infektionszahlen getroffen werden.

Für Urlauber aus Deutschland gelten seit dem 3. Juni keine besonderen Einreisebeschränkungen mehr, das Ende der Reisewarnung der deutschen Bundesregierung kam am 15. Juni. Es werden aber an Flughäfen und Häfen Gesundheitskontrollen mit Fieber-Checks durchgeführt, teilt das Auswärtige Amt mit.

Spanien: Bislang keine besonderen Maßnahmen

Spanien hat den Alarmzustand am 21. Juni beendet und gleichzeitig die Grenzen auch für Urlauber aus Deutschland wieder geöffnet – etwas später als die meisten anderen EU-Länder. Bei der Einreise müssen sich Touristen an Flughäfen auf Fieber-Checks einstellen.

Könnte es nun wieder mehr Beschränkungen für Deutsche beziehungsweise Menschen aus NRW geben? Nach einem Bericht der „Bild“ gebe es zwar noch keine Maßnahmen, jedoch werde die weitere Entwicklung aufmerksam beobachtet.

Kroatien: Urlaub ist weiterhin möglich

Die Grenzen Kroatiens sind bereits seit Ende Mai wieder für Einwohner von zehn Ländern geöffnet, unter anderem für Deutsche. Bei der Einreise müssen Urlauber jedoch ein Formular ausfüllen, am besten vorab über eine Online-Registrierung. Hat der Corona-Ausbruch bei Tönnies Folgen? Nach aktuellem Stand nicht.

„Die Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland müssen weiterhin bei der Einreise in die Republik Kroatien keinen besonderen Grund für ihre Einreise beweisen, sondern können unter denselben Bedingungen wie vor dem Auftauchen der Krankheit Covid-19 die Republik Kroatien betreten“, zitiert die „Bild“ einen Sprecher des kroatischen Außenministeriums.

Griechenland: Bisher keine Einschränkungen

Seit dem 15. Juni gibt es wieder Flüge aus Deutschland nach Athen und Thessaloniki, ab dem 1. Juli sollen dann auch die griechischen Inseln wieder angesteuert werden. Das Auswärtige Amt teilt mit, dass bei der Einreise jedoch Covid-19-Tests durchgeführt werden können. Das sei für die Urlauber kostenlos, sie müssten sich dann aber bis zum Vorliegen des Ergebnisses in eine 24-stündige Selbstisolation begeben.

Ob es nun für Touristen aus NRW Extra-Kontrollen oder Beschränkungen geben könnte? Auf eine entsprechende Anfrage des reisereporters hat sich die Botschaft noch nicht gemeldet.

Österreich: Reisewarnung für NRW hat bisher keine Auswirkungen 

Österreich hatte als erstes Land auf den Corona-Ausbruch bei Tönnies reagiert und eine Reisewarnung für ganz NRW ausgesprochen: „In Zusammenhang mit der neuerlichen Ausbreitung des Coronavirus gilt für Nordrhein-Westfalen eine partielle Reisewarnung (Sicherheitsstufe 5) – vor Reisen nach Nordrhein-Westfalen wird gewarnt“, heißt es auf der Website des österreichischen Bundesministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten.

Umgekehrt gibt es jedoch noch keine Konsequenzen bezüglich der Einreisebestimmungen, teilt das Auswärtige Amt mit: „Die am 24. Juni 2020 von Österreich erlassene Reisewarnung für Nordrhein-Westfalen hat bisher keine Auswirkungen auf deutsche Reisende.“ Die Einreise nach Österreich ist seit dem 3. Juni wieder uneingeschränkt möglich.

Aber: Laut Medienberichten gibt es vom Gesundheitsministerium in Wien Überlegungen bezüglich eines Landeverbotes für Flugzeugen aus Nordrhein-Westfalen in Österreich. Eine Entscheidung darüber ist noch nicht gefallen.

Türkei wirbt um deutsche Urlauber

Die Türkei hat in diesem Überblick einen Sonderstatus, denn die Reisewarnung für das drittbeliebteste Reiseziel der Deutschen gilt nach wie vor. Sie wurde vom Auswärtigen Amt so wie für etwa 160 Länder außerhalb Europas generell bis zum 31. August verlängert, das Robert-Koch-Institut hat das Land zudem als Risikogebiet ausgewiesen.

Die Türkei wirbt jedoch um Urlauber aus Deutschland, und es gibt wieder etliche Direktflüge von deutschen Flughäfen aus. Könnte der neue Corona-Hotspot in NRW daran etwas ändern? Dazu gibt es bislang keine Äußerungen.

Zuletzt hatte die Türkei angekündigt, eine neue Krankenversicherung schaffen zu wollen, die für Urlauber auch die Kosten bei einer Corona-Infektion übernehme.