Spanienöffnet die Grenze – und Mallorca wartet auf die Touristen. Die Zahl der Flüge auf die Insel nimmt seit der Grenzöffnung am 21. Juni langsam wieder zu. Nach dem Tourismus-Pilotprojekt an der Playa de Palma und an der Küste von Alcúdia öffnen nach und nach auch Hotels in Pollença, Playa de Muro und in Urlaubsorten im Südwesten wie Peguera.

Bewegung gibt es nun auch wieder vor und in den vielen kleinen Tapas-Bars, Souvenirgeschäften und Bars an den Strand-Promenaden. Sie werden hübsch gemacht für den Neustart. Während der Testphase rechnete sich das Öffnen für die wenigen Tausend Touristen noch nicht.

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Nicht alle Hotels auf Mallorca machen schon auf

Auch das kleine Hotel von Alexander Bock und Jill-Catrin Vinkmann, das weit ab von den Bettenburgen im Osten der Insel steht, ist noch geschlossen. „Uns hat es tatsächlich plötzlich den Boden unter den Füßen weggezogen“, sagt Alexander.

​„Im März und April haben wir alle Gefühlskurven durchlaufen, die man sich vorstellen kann. Von Hilflosigkeit, Existenzängsten und Hoffnung war alles dabei.“ Die „Lazy Finca“ war gerade erst aus dem Insel-Winterschlaf erwacht und drei Tage offen, als es bereits wieder hieß: Lockdown. 

Alexander und Jill-Catrin wollen Urlaubern das ursprüngliche Mallorca zeigen.

Und der ist für das Paar trotz geöffneter Grenzen in Spanien noch nicht vorbei: „Wir hatten für Juni, Juli und August viele exklusive Buchungen für die Gesamtmiete des Hotels fix – Hochzeiten, Gruppen, Firmentagungen –, die aus Sicherheitsgründen ziemlich schnell auf einen anderen Zeitpunkt umgebucht haben“, sagt Alexander. Daher werden sie das Hotel voraussichtlich erst im August wieder öffnen können.

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Ihr zweites Standbein auf Mallorca, die Camper-Bus-Vermietung, konnten sie aber bereits wieder hochfahren. „Wir haben im Juni ein Angebot für Residenten geschaltet, welches sehr angenommen wurde, und die Buchungen ab Juli von internationalen Gästen sehen gut aus.“ Daher habe er Hoffnung, dass nicht die komplette Saison verloren sei. 

Wird die Mallorca-Saison in den Winter verlängert?

In der Corona-Krise etwas Positives zu sehen falle ihm jedoch schwer. „Natürlich ist es gut, dass sich die Natur der Insel mal ein wenig erholen konnte, aber für die Menschen auf Mallorca, die in irgendeiner Form fast alle vom Tourismus abhängig sind, ist es einfach eine Katastrophe“, so Alexander. Und das sind viele: Jeder zweite Arbeitsplatz auf der Insel hängt am Tourismus, fast 200.000 Jobs stehen Schätzungen zufolge auf der Kippe. 

Die Hoffnung auf Mallorca ist daher groß, dass die Saison 2020 nach dem Sommer noch nicht vorbei ist. Balearenministerin Francina Armengol sagt: „Wir wollen die Saison bis Dezember verlängern – unsere Wirtschaftstätigkeit hängt davon ab.“ 

Den Tourismus nicht nur auf ein paar Sommermonate zu konzentrieren – diesen Wunsch hat die Insel nicht erst seit der Corona-Krise. Denn eigentlich ächzt Mallorca im Sommer unter Touristenmassen, und durch Entsaisonalisierung sollten die Urlauberzahlen über das gesamte Jahr verteilt werden. Gleichzeitig sollte der Partytourismus eingedämmt werden. Eine Chance in der Krise, diesen Plan nun tatsächlich zu verfolgen?

Armengol sagt zumindest, dass der Fokus für die Saison 2020 nicht auf Ballermann-Party-Tourismus, sondern auf Qualität liege. „Wir wollen verantwortungsvollen Tourismus, gerade jetzt mit Covid-19 mehr denn je“, betont Armengol. 

Bern Pasler gehört das Café Wien auf Mallorca. Er ist erst Ende 2019 ausgewandert, hat im Februar eröffnet. Alles lief gut. Und dann kam Corona.

Nur so könne die Insel gestärkt aus der Krise hervorgehen. „Die Mallorquiner haben in der Krise viele persönliche, familiäre und wirtschaftliche Opfer bringen müssen“, so Armengol. So auch Auswanderer Bernd Pasler. Er kam Ende 2019 mit Frau, Kind und mit großen Hoffnungen auf die Insel. In Palmas Stadtteil Can Pastilla eröffnete er im Februar direkt an der Strand-Promenade das Café Wien, mit Sachertorte, Schwarzwälder Kirschtorte und Kaffee. „Das Geschäft lief gut an“, sagte der 49-Jährige. Doch dann kam Corona. Lockdown. Stillstand. „Das war ein Schock, für alle hier.“

„Wir hoffen hier alle auf den Juli“

Er musste dichtmachen, von jetzt auf gleich, beantragte das Kurzarbeitergeld ERTE (Expediente de Regulación Temporal de Empleo) – auf dessen Auszahlung er wie viele Spanier sehr lange warten musste. „Das Geld ist aber auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, so der Auswanderer. Noch reichen die Ersparnisse. „Aber die sind irgendwann auch aufgebraucht“, sagt er. Wie es weitergeht? „Wissen wir aktuell nicht.“

Seit Ende Mai darf er unter Hygiene-Auflagen wieder öffnen, so kommen zumindest durch Residenten und Einheimische ein paar Einnahmen in die Kasse. Damit sich das Geschäft rechnet, sei er aber auf die Touristen angewiesen. „Wir hoffen hier alle auf den Juli – bis dahin werden wir uns weiter durchkämpfen.“