Der Sound der Playa de Palma ist ungewöhnlich ruhig: Statt grölender Partyurlauber und aus Boxen dröhnenden Schlagern ist Vogelgezwitscher zu hören. Ein paar Klimaanlagen surren leise, ab und an fährt ein Auto vorbei. Die Partymeile Mallorcas, die legendäre Schinkenstraße, ist verlassen. Bierkönig und Bamboleo sind mit Gittern verrammelt, auch die meisten Souvenirläden und Bars an der Flaniermeile am Meer sind geschlossen. Und das im Sommer.

Video: So läuft der Urlaub auf Mallorca mit Corona-Regeln

„Es ist spannend, Mallorca mal so zu erleben, aber auch ein wenig einsam“, sagt Karina Wienandt. Sie ist zum 20. Mal auf der Insel – und testet als eine von mehreren Tausend deutschen Urlaubern während des Pilotprojektes der Balearen-Regierung, wie der Sommerurlaub unter Corona-Bedingungen ablaufen wird: mit vielen Regeln, Kontrollen und Formularen.

Urlauberin Karina Wienandt hat richtig Lust auf Malle! Sie findet es spannend, die Insel einmal so leer kennenzulernen. sagt aber: „Ein bisschen einsam ist es schon.“

Der Testlauf auf Mallorca gibt einen Ausblick darauf, wie Urlaub in Corona-Zeiten aussieht. Das wird den Test-Touristen bereits bei der Anreise klar, am Flughafen von Palma messen Wärmebildkameras die Temperatur. 

Es gilt Maskenpflicht, auch im Flugzeug. Nur beim Essen oder Trinken darf sie abgenommen werden. Kaffee oder Tee dürfen die Flugbegleiter nicht ausschenken, es gibt nur Kaltgetränke in Flaschen.

Sicherheitseinweisung mit Mundschutz: Auch für die Flugbegleiterinnen ändert sich durch Corona einiges.

Zudem muss noch an Bord ein zweiseitiges Formular zum Gesundheitszustand ausgefüllt werden. Auch eine Telefonnummer muss angegeben werden – und dann kann es passieren, dass im Urlaub während des Bummels durch Palma, dem Sonnen am Pool oder beim Essen das Handy klingelt und ein Mitarbeiter des balearischen Gesundheitsamtes Covid-19-Symptome abfragt: „Haben Sie Fieber, Husten, Geschmacksverlust? Nein? Dann noch einen schönen Urlaub!“

Diese Regeln gelten wegen Corona in den Hotels auf Mallorca

Alles ist auf die Sicherheit und Gesundheit der Bewohner der Insel und der Urlauber ausgelegt. „Mallorca ist bereit, sich wieder der Welt zu öffnen – mit Verantwortung“, sagt die balearische Ministerpräsidentin Francina Armengol. Deswegen sind Cafés, Restaurants und Hotels auf den spanischen Urlaubsinseln dazu verpflichtet, angesichts der Corona-Pandemie strenge Hygieneregeln einzuhalten. Deren Umsetzung liegt in der Hand der Unterkünfte, oft ähneln sich die Abläufe.

Am Buffet werden die Urlauber vom Hotelpersonal bedient. Für Karina Wienandt gewöhnungsbedürftig: die Plastikhandschuhe, die Urlauber sich vorm Gang ins Restaurant anziehen müssen.

„Wir haben sehr detaillierte Sicherheitsmaßnahmen erarbeitet, insgesamt gibt es 17 Protokolle, für jeden Hotelbereich eines“, sagt Riu-Sprecherin Laura Malone (39). Zwei Hotels der Marke nehmen am Pilotprojekt an der Playa de Palma teil. Sofort ins Auge fällt, dass in den Unterkünften an jeder Ecke Desinfektionsspender hängen – allein im Riu Concordia sind es 351. Es gilt außerdem eine Maskenpflicht. Der Mundschutz darf nur im Zimmer, am Pool oder am Restaurant-Tisch abgesetzt werden.

Auf All-inclusive müssen die Urlauber zwar nicht verzichten, vor dem Betreten des Restaurants misst ein Hotelangestellter in den von uns besuchten Hotels jedoch die Temperatur. Am Buffet werden die Gäste bedient, in einigen Unterkünften müssen zudem Plastik-Handschuhe angezogen werden. Pfeile auf dem Boden weisen auf die vorgeschriebene Laufrichtung hin.

Die Liegen am Pool des Hotels Riu Bravo an der Playa de Palma werden nach jeder Nutzung für 15 Minuten gesperrt und desinfiziert.

Die Sicherheit steht auch am Hotel-Pool im Vordergrund – alle 30 Minuten werden die Oberflächen desinfiziert, die Liegen ebenfalls nach jeder Nutzung. 50 Prozent der Bestuhlung wurden zudem entfernt, sodass ein Abstand von zwei Metern zwischen den Urlaubern möglich ist. Droht da nicht Schlange stehen? Aktuell zumindest nicht, denn die Hotels dürfen bis auf Weiteres nur zu maximal 50 oder 60 Prozent belegt werden, erklärt Riu-Sprecherin Malone.

Am Strand auf Mallorca gilt Mindestabstand

Auch am Strand ist der Mindestabstand von zwei Metern zu anderen Gruppen während der Testphase kein Problem. An der Playa de Palma sind nur vereinzelt Menschen unterwegs. Die Bars, die Balnearios, haben noch geschlossen, Liegestühle und Sonnenschirme wurden noch nicht wieder aufgestellt. Das wäre zwar in der aktuellen dritten Phase des Corona-Exit-Plans der spanischen Regierung erlaubt, rechnet sich wirtschaftlich für die Betreiber aber ganz einfach noch nicht.

Vor dem Ballermann 6 ist jede Menge Platz – diese beiden Urlauber machen sich trotzdem Partystimmung.

Café Wien in Palma: Gerade erst eröffnet, dann kam Corona

Das bekommt auch Bernd Pasler zu spüren. Er führt das Café Wien im Touristenort Can Pastilla, einige Kilometer westlich der Playa de Palma. Der gelernte Bäcker ist erst vor knapp einem Jahr mit Frau und Tochter von Pforzheim nach Mallorca ausgewandert, im Februar hat er direkt an der Promenade der kleinen Bucht eröffnet.

Dort bietet er Sachertorte, Schwarzwälder Kirschtorte und Kaffee an. Das Geschäft sei gut angelaufen, die Hoffnung war groß. Doch dann kam Corona. Lockdown. Stillstand. „Das war ein Schock, für alle hier“, sagt der 49-Jährige.

Bern Pasler gehört das Café Wien auf Mallorca. Er ist erst Ende 2019 ausgewandert, hat im Februar eröffnet. Alles lief gut. Und dann kam Corona.

Von jetzt auf gleich musste er dichtmachen, beantragte das Kurzarbeitergeld ERTE (Expediente de Regulación Temporal de Empleo) – auf dessen Auszahlung er wie viele Mallorquiner sehr lange warten musste. „Das Geld ist aber auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, so Pasler. Noch reichen die Ersparnisse. „Aber die sind irgendwann auch aufgebraucht. Wie es weitergeht, wissen wir aktuell nicht“, sagt er. 

Seit Ende Mai darf er unter Hygiene-Auflagen wieder öffnen, so kommen zumindest durch Residenten und Einheimische ein paar Einnahmen in die Kasse. Damit sich das Geschäft rechnet, sei er aber auf die Touristen angewiesen. „Wir hoffen hier alle auf den Juli – bis dahin werden wir uns weiter durchkämpfen.“

Pasler ist nur ein Beispiel von vielen auf Mallorca: Jeder zweite Arbeitsplatz auf der Insel hängt am Tourismus, fast 200.000 Jobs stehen Schätzungen zufolge auf der Kippe. An der Playa de Palma haben sich viele Geschäfte und Bars trotzdem dagegen entschieden, in der Phase des Tourismus-Pilotprojektes zu öffnen.

Nichts los am Ballermann 6...

Geschlossene Geschäfte und Bars, Hygiene-Vorschriften und Abstand: Sieht so der Urlaub im Sommer 2020 aus?

Die Flaniermeile an der Strandpromenade liegt im Sonnenuntergang verlassen und dunkel da. Der abendliche Bummel, der für die meisten Urlauber dazugehört, fällt weg. Urlauberin Karina Wienandt schmerzt das: „Es fehlt schon sehr, dass wir nicht so richtig etwas unternehmen können. Man muss suchen, um eine geöffnete Bar, einen Fahrrad- oder Mietwagenverleih zu finden.“ Sie habe aber Verständnis dafür – „es befindet sich ja alles noch in der Testphase“.

Geschlossene Geschäfte und Bars, Hygiene-Vorschriften und Abstand: Sieht so der Urlaub im Sommer 2020 aus? Die Regeln und Formulare werden bleiben – die still daliegende Playa de Palma ist aber wohl nur eine Momentaufnahme. Ministerpräsidentin Francina Armengol sagt: Bereits in der Woche nach der Grenzöffnung Spaniens ab dem 21. Juni seien die Buchungszahlen „sehr stark“.