Nach der Krise soll nicht wie vor der Krise werden – das erhoffen sich Anwohner in Venedig und Amsterdam. Deshalb protestieren sie schon jetzt vorsorglich gegen ein „Weiter so“ nach den Corona-Beschränkungen. 

Im italienischen Venedig sind den Anwohnern besonders die Kreuzfahrtschiffe ein Dorn im Auge. Hunderte Bürger kamen deshalb vor rund einer Woche zusammen und haben eine Menschenkette gebildet. Sie wollen so ein Umdenken erreichen, vor allen in Sachen Massentourismus und Kreuzfahrten.

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Venedig hat rund 27 Millionen Besucher – pro Jahr

12,5 Millionen Menschen haben im Jahr 2019 in der Stadt übernachtet, dazu kommen noch einmal mehr als 15 Millionen, die nur einen Tag dort verbracht haben, etwa Kreuzfahrttouristen. Sie treffen auf gerade einmal 262.000 Einwohner, von denen gut 180.000 auf dem Festland und nicht in dem historischen Zentrum oder der Lagune leben.

Ein Eintritt, der eigentlich im Juli eingeführt werden sollte, sowie obligatorische Reservierungen sind Möglichkeiten, die die Tourismus-Beauftragte Paola Mar angeregt hatte. Sie ist eher für eine Fortführung des Massentourismus. 

Klares Wasser und bessere Luft durch Corona-Zwangspause

Die Gegner hingegen sehen in der Zwangspause infolge der Corona-Pandemie ein deutliches Zeichen, dass ein Umdenken notwendig sei. Sie argumentieren mit dem Umweltschutz und mit der zunehmenden Zerstörung der Stadt, die beispielsweise jährlich sinkt – was zu Überflutungen führt.

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In der Corona-Pause, als keine Boote und Schiffe mehr rund um Venedig unterwegs waren, zeigte sich das Wasser glasklar. Die Luft war besser, Anwohner mussten sich nicht durch Menschengruppen zwängen, wenn sie zur Arbeit wollten. Tourismus – ja, immerhin leben viele davon. Aber eine neue Ausrichtung müsse her.

23.000 Amsterdamer fordern Umdenken im Massentourismus

Ähnlich sieht man das auch in der niederländischen Hauptstadt Amsterdam. Dort sorgt gerade eine Petition für Aufsehen: 23.000 Anwohner haben sich dabei bereits für eine Tourismus-Obergrenze ausgesprochen. Die Forderung: In den kommenden fünf Jahren sollen jährlich nur noch zwölf Millionen Touristen die Stadt besuchen dürfen. 

Außerdem forderten die Initiatoren, dass keine neuen Hotels entwickelt und Wohnungen nicht zu Ferienwohnungen umgewidmet werden sollen. Eine erneute Erhöhung der Tourismus-Steuer ist zudem angepeilt, ebenso solle es einen Beauftragten für das Zusammenspiel von Lebensqualität und Tourismus geben. 

Noch hat die Petition ihr Ziel nicht erreicht, aber viele Stimmen fehlen nicht mehr: Wenn 27.000 Menschen unterschrieben haben, muss sich die Politik mit dem Vorstoß beschäftigen und ein Referendum ansetzen.