Sie wirkt selbst ein bisschen wie eine Elfe in ihrem grün-roten Outfit. Doch Fanny Goujon kennt sich nur bestens aus in der Welt der Fabeln und Märchen. Hier im Forêt de Paimpont – auch Brocéliande genannt – sollen sich bedeutende Legenden zugetragen haben. Merlin sei hier mit seiner Mutter aufgewachsen, erzählt Fanny.

Und auch König Artus wird dieser Ort zugeschrieben. Moment: Artus, der König der Briten, wie es einst bei Monty Pythons „Die Ritter der Kokosnuss“ hieß? Glastonbury, Tintagel und wie die ganzen Artus zugeschrieben Orte in England heißen – alles Humbug?

Möglich, dass sich vieles hier zugetragen hat

Die keltische Bretagne lag zu beiden Seiten des Ärmelkanals, betont man hier im heutigen französischen Teil. Artus war eine Sage der Kelten. Möglich, dass sich vieles tatsächlich hier zugetragen hat – sicher aber ist vor allem eines: Artus Leben war zu allerst eine Sage. Beweise für seine Existenz hat es nie gegeben.

Fanny Goujon führt Besucher durch den Wald von Brocéliande.

Für Fanny ist das Nebensache. Mit voller Hingabe führt sie ihre Gäste durch die Fabelwelten. Sie erzählt von den Elfen, die in einem See leben sollen. Von Merlins Wissen um schlafende Drachen. 

Und vom schwächebedingten Fall des roten Drachen auf dem Weg nach Wales. „Hier oben ist er abgestürzt“, sagt sie und zeigt auf einen Bogen aus rotem Stein hoch oben über dem „Zauberwald“. Und tatsächlich gehört nicht viel Vorstellungskraft dazu, sich diesen unförmigen Felsen als einen toten Drachen vorzustellen.

Wer hier auf dem Sitz Platz nimmt und sich etwas wünscht, dem geht es in Erfüllung.

Fanny Goujon, Touristenführerin

„Wer hier auf dem Sitz Platz nimmt und sich etwas wünscht, dem geht es in Erfüllung“, verzaubert Fanny ihre Gäste. Und nach mehr als zwei Stunden der Mythen und Legenden lässt sich das niemand zweimal sagen – nicht auszudenken, man würde diese Chance verpassen.

Geheimnisvoller Ort voller Legenden

In Chrétien de Troyes Roman „Löwenritter“ reitet Iwein, ein Neffe Artus’, durch einen bretonischen Wald namens Brocéliande mit einer versteckten, sprudelnden Wasserquelle. Es gibt sie noch heute hier in diesem Wald. Das kalte Wasser soll helfen, Krankheiten zu heilen. Außerdem soll es jungen Frauen zu einem Ehemann verhelfen – Erfolgsaussichten nicht belegt.

Neben der Quelle befindet sich der Dolmen, in dem Zauberer Merlin begraben sein soll. Hier verliebte er sich der Legende nach in die Fee Viviane. Er zauberte ihr einen Palast aus Kristall, der sich – so ebenfalls die Legende – unter dem Schloss von Comper befinden soll. Alles Humbug? Der Wald mit seiner wunderschönen Natur selbst lässt auch jene zufrieden zurück, die nicht an die Welt der Mythen glauben.