Die Balearen sollen als sicheres Sommerurlaubsziel in der Corona-Krise promotet werden, und zwar mithilfe eines Pilotprojektes. Ab dem 15. Juni sollen 10.900 Deutsche testen, wie Tourismus auf Mallorca, Ibiza und Menorca in Corona-Zeiten geht – und wie stark die Auflagen das Urlaubsgefühl beeinflussen.

Ich wollte mir selbst ein Bild machen und bin am Montag in den Flieger nach Palma gestiegen. Lies in diesem Live-Tagebuch von meinen Erlebnissen und Eindrücken.

Video: Der reisereporter testet Mallorca in Corona-Zeiten 

Ab Montag geht es wieder los auf Mallorca

Für mich ist der Mallorca-Test an diesem Donnerstag beendet, es geht nach einem letzten Fieber-Check am Buffet (36,3 Grad, alles top!) mit dem Flugzeug zurück nach Deutschland. Die Test-Urlauber bleiben alle mindestens fünf Nächte und bekommen immer mehr Gesellschaft. In dieser Woche landen noch mehrere von der Regierung registrierte Pilotprojekt-Flüge in Palma. Ab dem 21. Juni dürfen dann alle deutschen Touristen wieder nach Spanien fliegen, dann werden die Grenzen geöffnet. 

Mit einem romantischen Ballermann 6 im Sonnenuntergang verabschiede ich mich:

Bild des Tages: Gähnende Leere am Ballermann

Gähnende Leere am Ballermann. Obwohl viele der Test-Urlauber auf Mallorca direkt neben der Schinkenstraße wohnen, bleiben Bamboleo, Bierkönig und Co. noch dicht. Das liegt vor allem daran, dass noch große Unsicherheit besteht, welche Auflagen erfüllt werden müssten, um Gäste in den Discos auf der Partymeile zu empfangen. 

Sollte es noch eine verspätete Ballermann-Saison auf der Insel geben, dann wohl mit verstärkten Einlasskontrollen, das kündigte zumindest Malle-Sänger Peter Wackel gegenüber dem „Mallorca Magazin“ an.

Gähnende Leere am Ballermann...

Tag 2: Fieber-Checks und Maskenpflicht im Hotel

Hotel-Urlaub auf Mallorca ist anders als vor Corona – so viel steht fest. Handdesinfektion am Eingang des Hotels, Fiebercheck vorm Restaurant, Masken- und Plastikhandschuh-Pflicht am Buffet, Abstand halten am Pool und detaillierte Reinigungsprotokolle werden in den Riu-Hotels, die am Pilotprojekt teilnehmen, umgesetzt. 

Kann bei diesen Maßnahmenüberhaupt Urlaubsstimmung aufkommen? Bei Urlauberin Diana Käsbach schon: „Plastikhandschuhe am Buffet tragen zu müssen, das ist zwar ungewohnt. Aber wir können es verstehen, schließlich würden sonst die Gäste alles so anfassen...“ 

Mit Mundschutz und Plastik-Handschuhen: Urlauberin Diana Käsbach am Frühstücksbuffet.

Noch mehr Eindrücke vom Hotel-Urlaub in Corona-Zeiten liest du hier:

Bild des Tages: Die Urlauber haben Lust!

Urlauberin Karina Wienandt aus der Nähe von Berlin freut sich auf Mallorca, sie nimmt die Corona-Regeln auf dem Weg nach Spanien mit Humor. „Vor Ort auf der Insel wird es vermutlich eher schöner als sonst, weil es so leer ist und man die Insel so richtig genießen kann. Und: Am Strand oder Pool kann ich die Maske ja abnehmen...“

Karina Wienandt aus der Nähe von Berlin freut sich darauf, endlich wieder nach Malle zu fliegen.

Erster Flieger ist gelandet – mit leichter Verspätung

Der erste Flieger in der Corona-Krise Richtung Mallorca ist mit gut 30 Minuten Verspätung gestartet. Für die Passagiere und das Personal sind die Abläuft neu – alles dauert etwas länger als gewöhnlich.

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„Es ist nun mal ein erster Testlauf“, sagt Tui-Sprecher Aage Dünhaupt. „Der soll auch zeigen, ob alles so läuft, wie wir uns das vorgestellt und auferlegt haben.“ Gemeinsam mit dem BdL haben die Airports und Airlines Regeln für das Fliegen in Corona-Zeiten festgelegt. Passagiere und Crew-Mitglieder müssen zum Beispiel am Flughafen und in der Maschine Mundschutz tragen. 

Beim Boarding weisen Schilder am Boden auf den Mindestabstand von 1,5 Metern hin. Und es dürfen maximal zehn Urlauber gleichzeitig einsteigen, damit kein Gedränge oder Stau im Gang entsteht und der Abstand so gut es geht eingehalten werden kann. Im Flugzeug selbst ist das dann nicht mehr möglich. In der Boeing 737-800 sind fast alle Plätze belegt.

164 Passagiere plus Presse sind dabei – die meisten Mittelplätze belegt. Um die Luftzirkulation bestmöglich umzusetzen, läuft die Klimaanlage auf Hochtouren, alle zwei Minuten wird die Luft komplett ausgetauscht...

Auftakt – ein Tag vor Abflug

Der Countdown läuft – um 8 Uhr am Montagmorgen werde ich im Flugzeug sitzen. Vor Corona war das keine außergewöhnliche Vorstellung, als reisereporterin bin ich viel in der Welt unterwegs. Doch nach drei Monaten Reisewarnung, Grenzschließungen, Stay-Home-Challenges und Social Distancing fühlt es sich wie ein großes Abenteuer an.

Aufregend. Und ich kann es nicht leugnen: Ein wenig mulmig ist mir beim Gedanken daran schon, mit Dutzenden Menschen auf engem Raum in einem Flugzeug zu sitzen, alle mit Mundschutz. Abstand halten wird nicht immer möglich sein. Vor dem Start und nach der Landung wird es am Airport zusätzliche Maßnahmen geben, Temperaturchecks und Formulare zum Gesundheitszustand.

Sogar das Kofferpacken in der Corona-Krise ist aufregend. Muss ich andere Dinge einpacken als sonst? Brauche ich mehr für die Reiseapotheke? Gedanklich gehe ich immer wieder meine Packliste durch. Und am Ende sieht mein Kofferinhalt dann doch nicht wirklich anders aus als für meinen letzten Malle-Trip – außer, dass einige Mund-Nasen-Bedeckungen, ein Fieberthermometer und Desinfektionstücher zwischen Bikini, Sonnenbrille und Flip-Flops liegen.

Ich bin gespannt, wie Mallorca sich präsentieren wird. Als ich vor zwei Jahren auf der Lieblingsinsel der Deutschen unterwegs war, um als mallorcareporterin die Geheimtipps aufzuspüren, präsentierte sich mir Mallorca wuselig, laut, herzlich – und vielerorts überfüllt. Dieses Mal wird das völlig anders sein.

Denn ich bin nur eine von 10.900 Urlaubern, die in den zwei Wochen auf den Balearen unterwegs sein werden. Zum Vergleich: Im gesamten Juni 2019 kamen gut zwei Millionen Urlauber auf die Inseln. Wir Testurlauber werden weniger als ein Prozent der sonst üblichen Touristenzahlen ausmachen. Eine skurrile Vorstellung.

Kommt bei all den Corona-Regeln überhaupt Urlaubsfeeling auf?

Viele der Restaurants, Geschäfte und Tapasbars an der Playa de Palma haben noch nicht wieder geöffnet – auch Bierkönig und Megapark sind dicht. Werden überhaupt Touristen auf der sonst so belebten Playa de Palma unterwegs? Vielleicht werde ich sogar Stille erleben – ein Wort, das ich bisher nie mit Mallorca in Verbindung gebracht habe.

Unser Hotel wird etliche zusätzliche Hygienemaßnahmen umsetzen, darunter sogar in Desinfektionsmittel getränkte Fußmatten. Wird bei all diesen Hygiene-Auflagen und Einschränkungen überhaupt richtiges Urlaubsfeeling aufkommen? Diese Frage wird mich in den nächsten Tagen wohl immer wieder beschäftigen.

Und am Ende kann dieses Pilotprojekt, das im internationalen Scheinwerferlicht stattfindet, nur als Erfolg gewertet werden, wenn die Mehrheit der Test-Urlauber sie mit „Ja“ beantwortet. Sollten sie hingegen unzufrieden nach Hause fliegen, dann könnte das durchaus negativen Einfluss auf die weitere Saison haben.