Die Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook hat im vergangenen Jahr die Reisebranche erschüttert. Etliche Urlauber waren gestrandet, Hunderttausende warteten monatelang darauf, ihr Geld zurückzubekommen. Und: Sie sahen meist nur einen Bruchteil des gezahlten Preises. Die 110 Millionen Euro, mit denen sich Thomas Cook bei der Zurich-Versicherung abgesichert hatte, reichten nur für rund 17,5 Prozent des Schadens.

Pauschalreise: Kunden sollen Geld komplett zurückbekommen

Damit sich solche Szenarien in der Zukunft nicht wiederholen, fordert die Bundesregierung einen besseren Schutz von Pauschalreise-Kunden. Das berichtet der „Tagesspiegel“. Denn die Haftungsbegrenzung im Thomas-Cook-Fall entspricht nicht der EU-Richtlinie.

Künftig will Bundesjustizministerin Christine Lambrecht sicherstellen, dass Kunden bei einer Pleite des Veranstalters ihren gesamten Schaden ersetzt bekommen. Die Eckpunkte für die Neuregelung der Insolvenzversicherung hat das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz Kabinett an diesem Mittwoch vorgelegt.

Auch der Rücktransport soll nicht auf Kosten der Urlauber passieren. Für die Absicherung sollen alle Reiseveranstalter, die Pauschalreisen anbieten, verpflichtend in einen Fonds einzahlen. Zusätzlich dazu müssen die Veranstalter eine bonitätsabhängige Sicherheit, zum Beispiel in Form einer Versicherung, vorweisen. Diese soll im Fall einer Pleite zuerst zum Tragen kommen. 

Wann kommt die bessere Absicherung im Pleitefall des Reiseveranstalters?

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen bezeichnet die neue Absicherung als „wichtigen Schritt“ – der aber sehr spät komme. Denn aktuell stürzt die Corona-Krise die Reisebranche in Deutschland in eine tiefe Krise. Insolvenzen unter den derzeit rund 2.300 deutschen Reiseveranstaltern sind da nicht ausgeschlossen. Bis der Fonds einsatzbereit ist, könnte es allerdings noch bis zur Wintersaison 2021/2022 dauern.

Der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV) Norbert Fiebig lobt die verbesserte Absicherung zum Schutz der Verbraucher. Er betont aber auch, dass diese für die Reiseveranstalter eine „zusätzliche erhebliche finanzielle Herausforderung“ darstelle. Deshalb brauche man einen „maßvollen Übergang vom alten ins neue System, den die Reiseunternehmen bewältigen können“, besonders angesichts der aktuellen Probleme, vor die die Corona-Krise die Reisebranche stellt.