Die Reisewarnung gilt noch für mehr als 130 Länder, das Auswärtige Amt verlängerte sie bis zum 31. August 2020. Am 31. Juli reaktivierte die Bundesregierung zudem die Reisewarnung für drei Regionen in Spanien, betroffen sind auch Barcelona und die Costa Brava. Das trifft die Reisepläne vieler Touristen zur Hauptreisezeit, ihren Sommerurlaub.

Reisewarnung für Türkei teilweise aufgehoben

Die Reisewarnung für vier Urlaubsregionen in der Türkei – Antalya, Aydin, Izmir und Muğla – ist am 4. August aufgehoben worden. Das teilte das Auswärtige Amt mit. Für den Rest des Landes gilt die Warnung weiterhin.

Die Außengrenzen der EU haben lediglich für Menschen aus elf Drittstaaten geöffnet – Länder wie die Türkei, Ägypten und USA sind nicht darunter. Umgekehrt gilt für Urlauber aus Deutschland, die in ein vom Robert-Koch-Institut (RKI) als Risikogebiet ausgewiesenes Land reisen, bei ihrer Rückkehr ab dem 8. August eine Coronavirus-Testpflicht.

Urlaub 2020 in Türkei, Ägypten oder USA noch möglich?

Was bedeutet das nun für Urlauber, die eine Reise in ein solches Land gebucht haben? Können sie kostenlos stornieren? Oder dürften sie theoretisch trotzdem dorthin fliegen? Der reisereporter klärt die wichtigsten Fragen.

Welche Länder gelten als Risikogebiet?

Zu den vom Robert-Koch-Institut (RKI) als Risikogebiete ausgewiesenen Regionen im Ausland zählen unter anderem beliebte Ziele wie Ägypten und die Türkei sowie seit dem 31. Juli drei Regionen in Spanien.

Für diese Länder gilt auch noch die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Insgesamt gelten mehr als 130 Länder als Risikogebiet – der reisereporter hat sie dir in einer Liste zusammengestellt.

Wann wird ein Land vom RKI als Risikogebiet eingestuft?

Die RKI-Liste der sogenannten Risikogebiete verzeichnet Regionen in der Welt, in denen entweder …

… ein erhöhtes Risiko besteht, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, weil die Infektionszahlen hoch sind (mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen), oder …

… in denen die Fallzahlen zwar niedrig sind, es aber zu wenige Testkapazitäten gibt, oder …

… in denen die Fallzahlen zwar niedrig sind, es aber unzureichende Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung gibt. 

Das RKI ist eine selbstständige deutsche Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten – und analysiert gemeinsam mit dem Bundesministerium für Gesundheit, dem Auswärtigen Amt sowie dem das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat.

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Reisewarnung – was bedeutet sie eigentlich?

Eine Reisewarnung ist die höchste Warnstufe der Bundesregierung für Touristen – in der Corona-Krise hat das Auswärtige Amt am 17. März 2020 erstmals eine weltweite Reisewarnung für alle nicht notwendigen touristischen Reisen ins Ausland ausgesprochen. Die Behörde kann bei einer geltenden Reisewarnung im Zweifelsfall Touristen zur Ausreise auffordern.

Als Voraussetzung für diese höchste Warnstufe gilt eine „konkrete Gefahr für Leib und Leben“ von Urlaubern. Den Schritt begründete die Bundesregierung immer mit dem stark eingeschränkten internationalen Luft- und Reiseverkehr sowie den Einreisebeschränkungen, den Quarantänemaßnahmen und weiteren Einschränkungen in den Ländern.

Erstmals hatte das Auswärtige Amt im Rahmen der Coronavirus-Pandemie eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen, in der Folge stornierten die meisten Reiseveranstalter sämtliche Buchungen.

Es besteht außerdem die Möglichkeit, dass das Auswärtige Amt eine Teilreisewarnung, die nur für ausgewählte Länder oder Regionen gilt, ausspricht. Die Reisewarnung ersetzt den Sicherheitshinweis.

Gibt es einen Unterschied zwischen Risikogebiet und Reisewarnung?

Neben der RKI-Liste zu den Risikogebieten gibt es noch die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes – die beiden Einstufungen gelten in der aktuellen Corona-Pandemie zwar meist gleichzeitig für ein Land. So hatte das RKI am 31. Juli zunächst die drei Regionen Spaniens als Risikogebiet eingestuft, wenig später kam die formelle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Aber: Die Einstufungen sind nicht automatisch miteinander verknüpft.

Reisewarnung: Für welche Länder gilt sie noch?

Für 31 Länder wurde die Reisewarnung ab dem 15. Juni schrittweise aufgehoben – es handelt sich dabei um die 26 Partnerländer Deutschlands in der Europäischen Union, das aus der EU ausgetretene Großbritannien sowie die vier Staaten des grenzkontrollfreien Schengenraums Island, Norwegen, Schweiz und Liechtenstein.

Die Reisewarnung für Spanien wurde am 21. Juni aufgehoben, allerdings wegen einer Welle von Corona-Neuinfektionen am 31. Juli teilweise reaktiviert – und zwar für die drei Regionen Katalonien, Aragón und Navarra.

Für die anderen Länder in Europa gibt es nur noch sogenannte Reisehinweise statt der generellen Reisewarnung. Darin wird dann über die landesspezifischen Risiken informiert. Das kann jedoch auch bedeuten, dass von touristischen Reisen abgeraten wird.

Reisewarnung für Türkei teilweise aufgehoben

Die Reisewarnung für die Türkei wurde teilweise aufgehoben, das teilte das Auswärtige Amt am Dienstag, 4. August, mit. Die Warnung gilt ab sofort nicht mehr für die türkischen Provinzen AydinIzmir und Mugla an der Ägäis sowie die Provinz Antalya am Mittelmeer. Es sind die beliebtesten Urlaubsregionen des Landes an der Westküste.

Könnte die Reisewarnung für die Türkei, Ägypten und Tunesien vorab aufgehoben werden?

Für alle anderen mehr als 160 Länder der Welt, die sogenannten Drittstaaten, gilt die Reisewarnung folglich über den 15. Juni hinaus weiter, und zwar bis zum 31.08.2020. Das trifft vor allem beliebte Länder wie den Rest der Türkei, Ägypten, Tunesien und Marokko zur Hauptreisezeit der Deutschen, nämlich den Sommerurlaub.

Die Bundesregierung hat mitgeteilt, dass es Ausnahmen für einzelne Länder geben könnte – unter der Voraussetzung, dass sie bestimmte Kriterien erfüllen. Bewertet werden könnten hier die Entwicklung der Infektionszahlen, das Gesundheitssystem und Einreisebeschränkungen. Es könnte also je nach Urlaubsland noch Einzelfallentscheidungen geben, wenn es die Entwicklungen zulassen, so wie in Bezug auf die vier Provinzen in der Türkei.

Dürfen Deutsche trotz Reisewarnung reisen?

Ein Reiseverbot stellt eine Reisewarnung jedoch nicht dar. Es ist vielmehr ein dringender Appell des Auswärtigen Amtes. Die Entscheidung, ob Touristen trotzdem in das betroffene Land oder die betroffene Region einreisen, bleibt ihnen überlassen.

Nicht zuletzt zählt auch, ob das Zielland die Grenzen geöffnet oder geschlossen hat, das Einreisen also möglich wäre, ob es Flüge gibt, wie die Lage vor Ort ist und ob es sichere Rückreisemöglichkeiten, sprich einen Rückflug, nach Deutschland gibt. 

Beispiel Türkei: Ab dem 15. Juni will Turkish Airlines wieder Direktflüge aus Deutschland anbieten. Das Außenministerium dort rechnet auch damit, dass noch im Juni die Einreise für Deutsche wieder erlaubt ist, ohne die 14-tägige Zwangsquarantäne.

Reisen trotz Reisewarnung: Krankenversicherung für Risikoländer

Wer also überlegt, ob er trotz der Reisewarnung reist, sollte sich sehr genau mit diesen Aspekten beschäftigen. Im Klaren sein sollten sich Touristen auch über weitere Folgen, zum Beispiel hinsichtlich des Versicherungsschutzes.

Denn wer trotz Reisewarnung in ein Risikogebiet reisen muss oder möchte, ist in der Regel nicht durch die Reisekrankenversicherung geschützt. Journalisten, Geschäftsreisende, Entwicklungshelfer oder Abenteurer müssen eine spezielle Krankenversicherung abschließen, die auch in Risikogebieten greift, erklärt das Branchenportal „reiseversicherung.com“.

Wichtig: „Individualreisende, die eine Versicherung für Gefahrenländer abschließen, müssen im Gegensatz zu herkömmlichen Reiseversicherungen mit eingeschränkten Leistungen, Selbstbehalten und deutlich höheren Prämien rechnen.“

Reise ins Risikogebiet: Was sind die Folgen?

Auch die Einstufung eines Landes als Risikogebiet ist nicht gleich einem Reiseverbot. Aber auch hier müssen sich Urlauber über mehrere Kosnequenzen im Klaren sein. 

Die Teststrategie von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sieht vor, dass sich Reisende nach der Rückkehr auf das Coronavirus testen lassen müssen. Das ist für die Urlauber kostenlos. Die Testpflicht tritt am 8. August in Kraft. Die Reiserückkehrer müssen sich innerhalb von 72 Stunden nach ihrer Einreise testen lassen, beispielsweise direkt am Flughafen oder Bahnhof.

Dann müssen sie zu Hause in Quarantäne, bis das Testergebnis voliegt. Ist es negativ, dürfen sie das Haus in den meisten Fällen verlassen. Ausnahme ist Mecklenburg-Vorpommern: Dort müssen die Menschen mindestens fünf Tage in Quarantäne bleiben und dann einen zweiten Test machen. Bei einem positiven Testergebnis folgen mindestens 14 Tage Quarantäne. 

Kann ich bei einer Reisewarnung kostenlos stornieren?

Es ist eine der aktuell meistgestellten Fragen unter Touristen: Dürfen Urlauber bei einer Reisewarnung oder er Einstufung als Risikogebiet grundsätzlich kostenlos stornieren?

Entscheidende Voraussetzung für das Recht auf eine kostenlose Stornierung ist nach den gesetzlichen Regelungen, dass am Urlaubsort oder in dessen unmittelbarer Nähe „unvermeidbare und außergewöhnliche Umstände“ auftreten, welche die Durchführung der Pauschalreise oder die Beförderung von Menschen an den Zielort erheblich beeinträchtigen. So steht es auf der Website des Auswärtigen Amtes.

Das bedeutet: Eine Reisewarnung der Bundesregierung ist zwar ein starkes Indiz für die Möglichkeit der kostenfreien Stornierung, aber nicht zwingend notwendig. Auch ohne Reisewarnung können die Voraussetzungen gegeben sein.

Generell gilt: Jeder Tourist hat vor Antritt einer Pauschalreise die Möglichkeit, ohne Angabe von Gründen vom Reisevertrag zurückzutreten. Er ist dann jedoch verpflichtet, dem Reiseveranstalter eine „angemessene Entschädigung“ zu zahlen (Stornogebühr, § 651h BGB).

Flug oder Hotel stornieren bei Reisewarnung: Geht das kostenlos?

Individualreisende, die alle Leistungen (Flug, Hotel, eventuell Mietwagen) einzeln gebucht haben, könnten größere Probleme bei der Stornierung bekommen. Denn: „Bei einem gebuchten Flug trägt immer der Passagier das Verwendungsrisiko“, sagt Reiserechtsanwalt Paul Degott.

Wenn Urlauber am Reiseziel also grundsätzlich einreisen dürfen, wird eine kostenfreie Stornierung sehr schwer, da keine Argumentationsgrundlage gegeben ist. In einem Fall aber ist eine kostenfreie Stornierung möglich: „Sollte ein Einreiseverbot herrschen oder Quarantäne-Pflicht, dann kann das ein Stornierungsgrund sein.“ Außerdem bieten viele Airlines derzeit aus Kulanz kostenlose Umbuchungen an.

Werden wegen der Reisewarnung alle Fernreisen storniert?

Nachdem die deutsche Regierung am 17. März 2020 die weltweite Reisewarnung ausgesprochen hatte, stornierten die Reiseveranstalter sämtliche Auslandsreisen. Zu erwarten ist daher nun, dass weiterhin alle Buchungen storniert werden, die einen Urlaub in einem Land umfassen, für das eine Reisewarnung gilt.

Tui beispielsweise schreibt diesbezüglich: „Beginnt Ihre Reise außerhalb Deutschlands erst ab 15. Juni 2020, gelten unverändert die in Ihrem Reisevertrag angegebenen Umbuchungs- und Stornobedingungen, sofern es keine Reisebeschränkungen seitens des Auswärtigen Amtes gibt.“

Etliche große Reiseveranstalter bieten ihren Kunden aufgrund der Coronavirus-Pandemie ohnehin die Möglichkeit, unabhängig von der Reisewarnung den im Sommer geplanten Urlaub auf einen späteren Zeitpunkt umzubuchen.