Die Reisewarnung der Bundesregierung gilt derzeit noch für mehr als 130 Länder, das Auswärtige Amt verlängerte sie bis zum 31. August 2020. Das trifft die Reisepläne vieler Touristen zur Hauptreisezeit und damit den Sommerurlaub. Nur für 27 Länder in Europa wurde die Warnung am 15. Juni aufgehoben – für Spanien aufgrund des Alarmzustandes und der Einreisesperre erst am 21. Juni.

Gleichzeitig hat sich auch die EU dazu entschieden, die Außengrenzen für die meisten Länder am 1. Juli nicht zu öffnen. Lediglich Menschen aus 14 Drittstaaten sollen einreisen können, die Türkei, Ägypten und USA sind beispielsweise nicht darunter.

Urlaub 2020 in der Türkei, Ägypten oder den USA noch möglich?

Was bedeutet das nun für Urlauber, die eine Reise in die Türkei oder die USA gebucht haben? Können sie kostenlos stornieren? Oder dürften sie theoretisch trotzdem dorthin fliegen? Der reisereporter klärt die wichtigsten Fragen.

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Reisewarnung: Für welche Länder gilt sie weiter?

Für 31 Länder wird die Reisewarnung ab dem 15. Juni schrittweise aufgehoben – es handelt sich dabei um die 26 Partnerländer Deutschlands in der Europäischen Union, das aus der EU ausgetretene Großbritannien sowie die vier Staaten des grenzkontrollfreien Schengenraums Island, Norwegen, Schweiz und Liechtenstein.

Für 27 Länder erfolgte die Aufhebung am 15. Juni, für Spanien am 21. Juni, weil dort noch Einreisebeschränkungen galten. Für Norwegen, Schweden und Finnland dauert es noch etwas länger. Für die Länder in Europa wird es künftig nur noch sogenannte Reisehinweise statt der generellen Reisewarnung geben. Darin wird dann über die landesspezifischen Risiken informiert. Das kann jedoch auch bedeuten, dass von touristischen Reisen abgeraten wird.

Könnte die Reisewarnung für die Türkei, Ägypten und Tunesien trotzdem aufgehoben werden?

Für alle anderen mehr als 160 Länder der Welt, die sogenannten Drittstaaten, gilt die Reisewarnung folglich über den 15. Juni hinaus weiter, und zwar bis zum 31.08.2020. Das trifft vor allem beliebte Länder wie die Türkei, Ägypten, Tunesien und Marokko zur Hauptreisezeit der Deutschen, nämlich den Sommerurlaub.

Die Türkei ist das drittbeliebteste Urlaubsland der Deutschen (nach Deutschland und Spanien) – und das Land hat bereits am 11. Juni die Grenzen wieder für deutsche Urlauber geöffnet. Es gibt auch wieder Direktflüge von deutschen Flughäfen. Ob die Türkei eines der Länder ist, für das die Reisewarnung früher aufgehoben werden könnte, ist noch unklar. Zuletzt hatte das Robert-Koch-Institut hat die Türkei als Risikogebiet eingestuft.

Die Bundesregierung hat jedoch mitgeteilt, dass es Ausnahmen für einzelne Länder geben könnte – unter der Voraussetzung, dass sie bestimmte Kriterien erfüllen. Bewertet werden könnten hier die Entwicklung der Infektionszahlen, das Gesundheitssystem und Einreisebeschränkungen. Es könnte also je nach Urlaubsland noch Einzelfallentscheidungen geben, wenn es die Entwicklungen zulassen.

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Reisewarnung – was bedeutet sie eigentlich?

Eine Reisewarnung ist die höchste Warnstufe der Bundesregierung für Touristen – in der Corona-Krise hat das Auswärtige Amt am 17. März 2020 erstmals eine weltweite Reisewarnung für alle nicht notwendigen touristischen Reisen ins Ausland ausgesprochen. Die Behörde kann bei einer geltenden Reisewarnung im Zweifelsfall Touristen zur Ausreise auffordern.

Als Voraussetzung für diese höchste Warnstufe gilt eine „konkrete Gefahr für Leib und Leben“ von Urlaubern. Den Schritt begründete die Bundesregierung immer mit dem stark eingeschränkten internationalen Luft- und Reiseverkehr sowie den Einreisebeschränkungen, den Quarantänemaßnahmen und weiteren Einschränkungen in den Ländern.

Es besteht außerdem die Möglichkeit, dass das Auswärtige Amt eine Teilreisewarnung, die nur für ausgewählte Länder oder Regionen gilt, ausspricht. Die Reisewarnung ersetzt den Sicherheitshinweis.

Dürfen Deutsche trotz Reisewarnung reisen?

Ein Reiseverbot stellt eine Reisewarnung jedoch nicht dar. Es ist vielmehr ein dringender Appell des Auswärtigen Amtes. Die Entscheidung, ob Touristen trotzdem in das betroffene Land oder die betroffene Region einreisen, bleibt ihnen überlassen.

Nicht zuletzt zählt auch, ob das Zielland die Grenzen geöffnet oder geschlossen hta, das Einreisen also möglich wäre, ob es Flüge gibt, wie die Lage vor Ort ist und ob es sichere Rückreisemöglichkeiten, sprich einen Rückflug, nach Deutschland gibt. 

Beispiel Türkei: Ab dem 15. Juni will Turkish Airlines wieder Direktflüge aus Deutschland anbieten. Das Außenministerium dort rechnet auch damit, dass noch im Juni die Einreise für Deutsche wieder erlaubt ist, ohne die 14-tägige Zwangsquarantäne.

Reisen trotz Reisewarnung: Krankenversicherung für Risikoländer

Wer also überlegt, ob er trotz der Reisewarnung reist, sollte sich sehr genau mit diesen Aspekten beschäftigen. Im Klaren sein sollten sich Touristen auch über weitere Folgen, zum Beispiel hinsichtlich des Versicherungsschutzes.

Denn wer trotz Reisewarnung in ein Risikogebiet reisen muss oder möchte, ist in der Regel nicht durch die Reisekrankenversicherung geschützt. Journalisten, Geschäftsreisende, Entwicklungshelfer oder Abenteurer müssen eine spezielle Krankenversicherung abschließen, die auch in Risikogebieten greift, erklärt das Branchenportal „reiseversicherung.com“.

Wichtig: „Individualreisende, die eine Versicherung für Gefahrenländer abschließen, müssen im Gegensatz zu herkömmlichen Reiseversicherungen mit eingeschränkten Leistungen, Selbstbehalten und deutlich höheren Prämien rechnen.“

Kann ich bei einer Reisewarnung kostenlos stornieren?

Es ist eine der aktuell meistgestellten Fragen unter Touristen: Dürfen Urlauber bei einer Reisewarnung grundsätzlich kostenlos stornieren?

Entscheidende Voraussetzung für eine kostenlose Stornierung ist nach den gesetzlichen Regelungen, dass am Urlaubsort oder in dessen unmittelbarer Nähe „unvermeidbare und außergewöhnliche Umstände“ auftreten, welche die Durchführung der Pauschalreise oder die Beförderung von Menschen an den Zielort erheblich beeinträchtigen. So steht es auf der Website des Auswärtigen Amtes.

Das bedeutet: Eine Reisewarnung der Bundesregierung ist zwar ein starkes Indiz für die Möglichkeit der kostenfreien Stornierung, aber nicht zwingend notwendig. Auch ohne Reisewarnung können die Voraussetzungen gegeben sein.

Generell gilt: Jeder Tourist hat vor Antritt einer Pauschalreise die Möglichkeit, ohne Angabe von Gründen vom Reisevertrag zurückzutreten. Er ist dann jedoch verpflichtet, dem Reiseveranstalter eine „angemessene Entschädigung“ zu zahlen (Stornogebühr, § 651h BGB).

Flug oder Hotel stornieren bei Reisewarnung: Geht das kostenlos?

Individualreisende, die alle Leistungen (Flug, Hotel, eventuell Mietwagen) einzeln gebucht haben, könnten größere Probleme bei der Stornierung bekommen. Denn: „Bei einem gebuchten Flug trägt immer der Passagier das Verwendungsrisiko“, sagt Reiserechtsanwalt Paul Degott.

Wenn Urlauber am Reiseziel also grundsätzlich einreisen dürfen, wird eine kostenfreie Stornierung sehr schwer, da keine Argumentationsgrundlage gegeben ist. In einem Fall aber ist eine kostenfreie Stornierung möglich: „Sollte ein Einreiseverbot herrschen oder Quarantäne-Pflicht, dann kann das ein Stornierungsgrund sein.“ Außerdem bieten viele Airlines derzeit aus Kulanz kostenlose Umbuchungen an.

Werden wegen der Reisewarnung nun alle Fernreisen storniert?

Nachdem die deutsche Regierung am 17. März 2020 die weltweite Reisewarnung ausgesprochen hatte, stornierten die Reiseveranstalter sämtliche Auslandsreisen.

Zu erwarten ist daher nun, dass weiterhin alle Buchungen storniert werden, die einen Urlaub in einem Land umfassen, für das eine Reisewarnung gilt.

Tui beispielsweise schreibt diesbezüglich: „Beginnt Ihre Reise außerhalb Deutschlands erst ab 15. Juni 2020, gelten unverändert die in Ihrem Reisevertrag angegebenen Umbuchungs- und Stornobedingungen, sofern es keine Reisebeschränkungen seitens des Auswärtigen Amtes gibt.“

Etliche große Reiseveranstalter bieten ihren Kunden aufgrund der Coronavirus-Pandemie ohnehin die Möglichkeit, unabhängig von der Reisewarnung den im Sommer geplanten Urlaub auf einen späteren Zeitpunkt umzubuchen.